E10 wird zum Ladenhüter

Welch Schock erlebte jeder Autofahrer dieser Tage beim Besuch der Tankstelle! 1,63 €/Liter und mehr stand da als Preis für Superbenzin. Es gibt einen Kraftstoff, der etwas billiger ist. Dieser nennt sich Super E10. Der ist Biokraftstoff und sollte das Seelenheil werden.

Leider kam es anders. Der deutsche Autofahrer stieg nämlich nicht auf Super E10 um. Er fuhr dann halt weniger. Somit verkommt die als Stichflamme hochgelobte Sorte schnell zum Ladenhüter.

Der Mineralölwirtschaftsverband MWV teilte in Berlin mit, dass aufgrund massiver Absatzprobleme die Produktion von E10 gedrosselt werden muss. Die Branche reagierte damit auf die starke Kaufzurückhaltung der Autofahrer, so der Verband.

Nach Angaben von DPAD tanken wohl nur 30% der Benzin-Autofahrer den Biosprit. Die anderen sollen auf das deutlich teurere Super Plus ausgewichen sein. Ich für meinen Teil kann in mein Auto kein E10 tanken. Ich habe also gar keine Chance auf den neuen Sprit.

Bislang ist die neue Sorte als Nachfolger für das herkömmliche Super an rund der Hälfte der bundesweit 15.000 Tankstellen erhältlich – vor allem im Osten und Süden des Landes. Bevor E10 in den restlichen Regionen eingeführt werde, müsse abgewartet werden, ob die Verbraucher E10 in den kommenden Tagen annehmen würden. Das sagte der Verband. Derzeit gibt es wohl massive Lieferprobleme bei den anderen Benzin-Sorten, wie eben Super Plus. Und da die Raffinerien ihre E10-Tanks nicht leeren können, sollen vorerst – anders als geplant – keine weiteren Raffinerien auf die Produktion des neuen Kraftstoffs E10 umgestellt werden.

Die Branche ist gesetzlich verpflichtet, E10 einzuführen. Das enthält 10% Ethanol. Bisheriges Benzin enthält nur bis zu 5% davon. Damit will sich Deutschland unabhängiger vom Öl machen und den Ausstoß von umweltschädlichem Kohlendioxid reduzieren.

Der MWV erklärt, dass das neue Benzin hochwertig sei und beinahe allen Benziner-Motoren nicht schlechter bekomme als das bisherige. Nun sollen die Informationen an Tankstellen besser werden, damit Fahrer wissen, ob ihre Autos E10 vertragen.

Die Deutsche Automobil Treuhand hat eine Liste aller Fahrzeuge mit einer E10-Verträglichkeit veröffentlicht. Verträgt Ihr Fahrzeug den neuen Supersprit?

Nun hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle zum “Benzin-Gipfel” gerufen, da die Verbraucher völlig verunsichert seien und es zum so genannten E10-Chaos gekommen sei. Er hält es für entscheidend, dass “die Beteiligten” während der Pause bei der Einführung von E10 “für Aufklärung” nutzen.

Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen übt Kritik. “Das Durcheinander, das die Mineralölwirtschaft hier veranstaltet, ist nicht akzeptabel. Es führt zu einer vollständigen Verunsicherung der Verbraucher.” Statt täglich verwirrende Nachrichten zu veröffentlichen, sollte sich laut Röttgen die Mineralölwirtschaft eine vernünftige Strategie überlegen.

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