Endlich wurde Christian Wulff freigesprochen

Ich wurde ja immer mal wieder als nicht ganz richtig im Kopf dargestellt, wenn ich mich positiv über den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geäußert habe. Für mich gab es nie einen Zweifel, dass er nicht korrupt ist. Alle Vorwürfe haben sich am Ende als haltlos erwiesen, und das war mir irgendwie von vornherein klar. Und heute gab es den für ihn so wichtigen Freispruch. Und das ist auch gut so.

Nein, er ist kein Schnäppchenjäger. Das ist einfach unsinnig. Seinen Privatkredit an seinem Haus hatte er ja bei einem befreundeten Unternehmer genommen und ihn auch brav abgezahlt. Und eine Bank hat ihm günstige Konditionen für den Kredit gegeben, die andere Kunden wohl nicht bekamen. Ist das verwerflich? Würden Sie günstige Konditionen ablehnen, wenn sie Ihnen angeboten worden wären?

Genauso blödsinnig ist die Diskussion über das Bobbycar, was er angeblich zum Vorteil anderer angenommen haben soll. Mal ehrlich. Wissen Sie, was ein Bobbycar kostet? 31,45 € bei Amazon. Welchen Vorteil soll daraus irgendwer gezogen haben? Vielleicht war das Bobbycar auch noch gebraucht, dann sind es nicht einmal 30 €.

Was bis zum Schluss übrig blieb, sind die ominösen 700 € Oktoberfestbesuch mit Übernachtung und Co., die der Filmemacher David Groenevold gezahlt haben soll und dafür Vorteile bekommen haben soll. Darüber hat das Gericht nun befunden, dass hier keine Vorteilsnahme im Amt bei Christian Wulff vorlag. Nun macht das Buch endlich zu.

Medien, soziale Netzwerke, alle Welt hatte Christian Wulff als Betrüger, Schnäppchenjäger, Absahner und so etwas bezeichnet. Die ehelichen Probleme wurden dadurch noch schlimmer, sodass ihm Frau Bettina davonlief. Kai Diekmann will als Chef der Bild einen Drohanruf auf der Mailbox gehabt haben, von dem ich nie einen Beweis gehört habe. Nur nacherzähltes Gewäsch, keinen Tonbeweis.

Und irgendwann stellten sich die Medien hin und bezeichneten den Mann, den sie gemeinschaftlich gesellschaftlich ermordet haben, als „armen Mann“. Geht es noch zynischer? Wulff hat an seiner gesellschaftlichen Situation einen großen Anteil. Schließlich hat er nicht von vornherein präventiv die Karten auf den Tisch gelegt. Aber er war nicht unbedingt dazu verpflichtet. Ins Aus geschossen haben ihn die Medien. Niemand sonst.

Christian Wulff hat zurecht einen „Freispruch erster Klasse“ erwirken wollen. Und genau der ist heute gekommen. Das war für ihn als Mensch und als Rechtsanwalt das Mindeste, was er erwarten konnte, nachdem ihm die Gesellschaft so übel mitgespielt hatte. Und ich habe immernoch die leise Ahnung, dass hinter der ganzen Schmutzkampagne Kanzlerin Merkel stand. Schließlich hält sich nach wie vor das Gerücht, dass ihr Christian Wulff politisch hätte gefährlich werden können. Und da musste sie etwas unternehmen. Und so zählt man eins und eins halt zusammen.

Korruption, Vorteilsnahme, Lüge, Beschiss und all das kann man ihm nicht vorwerfen. Eine katastrophale Öffentlichkeitsarbeit schon. Aber dafür gehört niemand verurteilt und wie ein räudiger Hund durchs Dorf getrieben. Was ist das für ein Land, in dem so etwas mit dem höchsten Staatsamt passieren kann? Ich denke, der „Fall Wulff“ ist gesellschaftlich noch lang nicht abgeschlossen. Es sei denn, Deutschland ist seine Außenwirkung völlig egal.

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