Europa macht für Griechenland die Geldbörsen auf

Ach, freuen wir uns: Griechenland ist gerettet. Erstmal. In Brüssel haben sich Experten und Politiker den Kopf zermartert und scheinbar eine Lösung gefunden. Nun wird vollmundig von einer Glanztat geredet. Aber ist es wirklich eine?

Griechenland erhält jetzt eine Finanzspritze in Höhe von 109 Milliarden Euro. Zudem wurden günstigere Zinsen und längere Laufzeiten vereinbart. Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Frankreichs Präsident Sarkozy feiern das Ergebnis als großen Druchbruch. Scheinbar kommen auch die europäischen Banken der Aufforderung zur Beteiligung nach, obwohl es diese „hart trifft“, wie Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank verlautbarte. Und als Sahnehäubchen hat Griechenlands Chefpolitiker und oberster Bettler Papandreou das Versprechen abgegeben, die Staatsschulden rasch zu reduzieren.

Dazu können wir unbeteiligten Beobachter nur sagen: Wow, so sauber kann man einen kompletten Währungsraum retten! Ein Hoch auf die Politik!

Ich möchte wirklich keine Euphorieblase platzen lassen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass nun nicht gleich über Nacht plötzlich die Probleme Griechenlands gelöst sind. Europa hat lediglich die Geldbörsen aufgemacht und die Banken in die Pflicht genommen.

Premierminister Papandreou ist sicherlich nicht für die Misere in Griechenland verantwortlich. Er ist seit Oktober 2009 im Amt, was zu kurz ist, um ein Land derart zu ruinieren. Allerdings hat er leider das Pech, dass in seine Amtszeit die größte Krise Europas – ausgelöst durch das Land, das er regiert – fällt. Nun musste er zu handeln beginnen.

Vor Wochen sah ich einen Bericht im Fernsehen – es mag auf n-tv oder N24 oder History Channel gewesen sein – über das griechische Verständnis für Staatsfinanzen. Griechenland hat aufgrund seiner Reichtümer durch Eroberungen etc. immer in Saus und Braus gelebt. Diese Kultur hielt allerdings nicht ewig, sodass irgendwann das Geld zu Ende ging. Um liquide zu bleiben, wurde halt kurzerhand die Währung – Sesterze, später Drachme – abgewertet. So ging dies immer weiter. Und dann trat Griechenland dem Euro bei. Dort konnte nun nicht so weiter gewirtschaftet werden, und das, obwohl dies tief im griechischen Grundverständnis von Staatsfinanzen verwurzelt ist.

Papandreous schwerste Aufgabe ist nun, den Griechen ein anderen Verständnis von Staatsfinanzen einzuimpfen. Ansatzweise zieht er dies ja bereits durch. Das Ergebnis war, dass es tumultartige Zustände in Griechenland gab. Dabei sollte dem Griechen an sich klar sein, dass ein derartiges finanzielles Missmanagement nicht mehr durchführbar ist und nun einige tiefgreifende Änderungen erfolgen müssen.

Die Regierung in Athen rechnet nun mit einer Reduzierung der Staatsschulden in Höhe von rund 350 Milliarden Euro um 26 Milliarden Euro bis zum Ende des Jahres 2014. „Das verschafft Griechenland und der Eurozone eine Atempause“, meinte Papandreou zum Abschluss der Beratungen. Nun könne Griechenland früher als erwartet an die Finanzmärkte zurückkehren, um selbst Kredite aufzunehmen.

Nein, genau dies ist wieder der falsche weg. Warum versucht der griechische Staat nicht, seinen Laden in den Griff zu bekommen? Warum wieder Kredite? Ist das der einfachere Weg, statt den Haushalt konkret zu sanieren? Nun wird schon wieder davon geredet, dass Griechenland „ein Patient“ ist und „ein echter Härtefall war“. Nein, Griechenland ist eine Nation, die lange Zeit falsch gewirtschaftet hat. Und der Härtefall ist weiterhin präsent und keine Vergangenheit.

Die Reaktionen ist Griechenland sind selbstverständlich absehbar: Ganz Athen ist mittlerweile stillgelegt, weil die Taxifahrer die Straßen blockieren und sich weigern, die Touristen zur Hauptferienzeit zum Ziel zu transportieren.

Liebe Griechen, so geht man nicht mit denjenigen um, die einem Luft zum Atmen geben. Wäre irgendwer in Griechenland vor Jahren schon auf die Idee gekommen, dass der Staatshaushalt saniert werden muss, wäre es nicht so schlimm gekommen.

Was folgt nun? Es soll ein „Marshall-Plan“ zur Ankurbelung der griechischen Wirtschaft kommen. Prinzipiell muss Griechenland komplett restrukturiert werden, um das Land auf Vordermann zu bringen. Griechenland kann nun einmal nicht nur vom Tourismus, Feta und Ouzo leben. Die Europäische Investitionsbank (EIB) fordert die europäischen Staaten auf, einen Marshall-Plan für Griechenland zu entwickeln. Es sei „sinnvoll“, ein solches Programm zum Aufbau des Landes über zehn bis 15 Jahre laufen zu lassen, sagte EIB-Vizepräsident Matthias Kollatz-Ahnen der Süddeutschen Zeitung. „Wir sind bereit, uns daran zu beteiligen.“

Wie umfangreich ein solches Programm sein kann, dazu haben Experten noch keine Meinung. Wenigstens geben sie zu: Drei Jahren werden nicht ausreichen. Auch weiß noch keiner, wie viel Geld hierdurch wieder verbrannt wird. Man beachte hierbei, dass Krisenländer wie Griechenland oder Portugal schon Jahr für Jahr Gelder erhalten, um nicht schon längst pleite gegangen zu sein. Die Gelder werden unter anderem dazu verwendet, die Eigenbeiträge der Länder zu finanzieren, die Voraussetzung sind, um aus europäischen Strukturfonds finanzielle Hilfen für den Bau von Straßen, Netzen, für die Verschönerung von Innenstädten oder die Dämmung von Gebäuden zu bekommen. Zudem werden kleine und mittelständische Unternehmen unterstützt.

Ich habe große Sorge, dass Griechenland – wie in der Vergangenheit so oft – auch diesmal ein Fass ohne Boden ist. Dass sämtliche Aktionen wirkungslos verpuffen. Dass in ein paar Jahren Griechenland wieder im Betteltuch ans Brüsseler Tor klopft. Daher ist hier Skepsis durchaus angebracht. Und wir sollten dauerhaft ein sehr wachsames Auge auf Griechenland haben. Und sei es nur, um aus Griechenland zu lernen, damit wir bei Ländern wie Spanien, Portugal, Italien und Irland besser gewappnet sind. Denn sonst könnte noch schlimmeres mit dem Euro passieren, was dieser dann vielleicht nicht übersteht.

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