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Fiscal Cliff – Kommt jetzt der amerikanische Super-GAU?

Ich habe das Thema eigentlich noch gar nicht beleuchtet. Aber man kommt irgendwie so gar nicht umhin. Die USA steuern auf einen wirtschaftlich-politisch-finanziellen Super-GAU zu. Der Name: “Fiscal Cliff”. Stichtag ist Montag, Silvester.

Präsident Barrack Obama hat seinen Weihnachtsurlaub abgebrochen, um noch alles mögliche zu versuchen. Aber es scheint immer unwahrscheinlicher, dass eine Einigung im Fiskalstreit erzielt werden kann. Die USA werden damit wohl zum Jahreswechsel über die Klippe springen. Zu lang hat man sich im fiskalpolitischen Schlachtfeld dem Kleinklein hingegeben, als dass man nun doch noch irgendetwas erreichen könnte.

Da nun aller Voraussicht nach keine Einigung in der Haushaltspolitik mehr erzielt werden kann, werden zum Jahreswechsel nun Steuerermäßigungen auslaufen und gleichzeitig Ausgabenkürzungen in Kraft treten. Bei dem Staatengefüge, welches die USA ausmachen, bedeutet dies einen Super-GAU. Ich möchte nicht zu sehr übertreiben, aber es könnte wohl recht schlimm werden.

Was könnte denn passieren, wenn es zum Ärgsten kommt? Ich bin kein Finanzexperte, ich beobachte nur. Und in dem Zusammenhang beobachte ich, wie viele Behauptungen gerade aufgestellt werden. So könnte es zu Bankenpleiten kommen, gefolgt von einem Börsen-Crash. In Folge der Ausgabenkürzungen könnten gar Aufstände bevorstehen. Bis hin zum Bürgerkrieg in den USA. Und da die größte Volkswirtschaft der Welt immer die ganze Weltwirtschaft beeinflusst, könnte eine solche Entwicklung verheerende Folgen für die eh schon angekratzte Europäische Union nach sich ziehen.

Es geht um die 1917 eingeführte Schulden-Obergrenze: derzeit 16,4 Billionen US-Dollar. Es geht dabei darum, dass folgende Alternativen abgewogen werden müssen:

  • Die Schulden-Obergrenze wird erhöht
  • Die USA sind am 01.01.2013 pleite

Rosige Aussichten, oder? Dabei wurde die Obergrenze schon knapp hundert mal angehoben. Bei der Einführung vor 95 Jahren lag sie bei 11,5 Milliarden US-Dollar. Wenn die Obergrenze nun sowieso ständig erhöht werden muss, kann man sie doch auch gleich abschaffen, oder? Wenn die USA mal fiskalpolitisch nicht weiter wissen, wird halt diese Hürde mal wieder angehoben.

Irgendwie erinnert das Ganze an Griechenland. Dort wurde vor Einführung des Euro eben immer die Währung (die Drachme) abgewertet, wenn es mal nicht weiterging. Warum macht man nicht einfach mal seine Arbeit? Sich immer auf solche Klimmzüge zu verlassen, geht doch nicht ewig gut.

Und die USA haben genügend zu tun. Die Selbstheilung des Marktes und der Binnenwirtschaft funktioniert nicht mehr so wie früher. Die Voraussetzungen haben sich grundlegend geändert. Konnte man früher sagen, dass es soundso verlaufende Wirtschaftszyklen gibt, so haben sich jetzt Rhythmen und alles andere geändert. Die Gesellschaft wird immer älter, die Wirtschaft globalisiert sich immer mehr. Daher sind soziale Sicherungssysteme ähnlich derer in Deutschland immer wichtiger geworden und eine gute Ausbildung immer mehr der Grundsockel zum Wohlstand.

Jahrzehntelang haben die USA die Warnungen in den Wind geschlagen, dass man sich um die eigenen – und eigentlich nicht vorhandenen – Sozialsysteme kümmern sollte. Der Einzige, der dies anzugehen versucht hatte, war Barrack Obama. Aber er hat es nur halbherzig getan, weshalb ihm dies gleich wieder um die Ohren flog. Und dass man sich um die Sozialsysteme nie gekümmert hat, das fällt den USA nun auf die Star-spangled Füße.

Der Tagesanzeiger aus der Schweiz hat zum bevorstehenden Super-GAU eine hervorragende Analyse veröffentlicht. Es lohnt sich, diese zu lesen. Auch finde ich den aktuellen Bericht zum Thema bei MM News sehr lesenswert. Und wer sich über das Thema Fiscal Cliff informieren möchte, der wird in der Wikipedia fündig.

Wie ich eingangs bereits erwähnt habe: Ich bin kein Experte. Ich beobachte hier nur. Aber was da für das nächste Jahr der Weltwirtschaft bevor steht, klingt sehr verheerend. Und eine Abkehr scheint nicht in Sicht zu sein. Und ein Rezept scheint es auch nicht zu geben. Na dann: Prost Neujahr!

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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