Gedanken wie in Watte gepackt

Das Jahr liegt irgendwie keuchend in den letzten Zügen und schleppt sich allmählich ins Ziel. Die eigenen Gedanken sind wie in Watte gepackt. Kennt ihr das? Euch huschen irgendwelche wirre Fetzen durchs Hirn, und ihr bekommt sie nicht verknotet. Also guckt man aus dem Fenster. Heute war es echt überschaubar angenehmes Wetter. Und so schweife ich ab und sinniere und denke, aber ich kriege nichts so verwurschtelt, dass ich von irgendwie einer Idee sprechen könnte.

Ich bin müde und ohnmächtig

In diesem Jahr habe ich keinen Urlaub „zwischen den Jahren“. Überhaupt: Was ist das für eine selten dämliche Formulierung? Als ob da jemand irgendeine Lücke gelassen hätte, die man dann einfach vergessen hat. Jedenfalls ist das so geplant, dass ich am Arbeiten bin. Mein Kompagnon hat dieses Jahr den Vortritt. So wechseln wir uns halt ab. Naja, aber ich weiß doch, wie das ablaufen wird: Däumchendrehen, da sein, lesen, sowas in der Art.

Und weil das so ist und ich nicht sonderlich gefordert bin, scharwenzeln die Gedanken durch die Gegend. Ich kriege das irgendwie vage mit. Guck, da ist wieder einer. Was der zu sagen hat? Keine Ahnung, und es ist auch egal. So im Ungefähren ziehen sie ihre Bahnen. Wie in Watte gepackt, sind sie nur schwer auszumachen. Und ich merke, wie müde ich bin. Das Jahr hat dann ja doch irgendwie seine Spuren hinterlassen. Aber es war vor ein paar Jahren schon mal viel schlimmer.

Was ist das mit den Gedanken?

Jaja, die Gedanken sollen angeblich frei sein. Meine sind so frei, dass ich sie gar nicht zu fassen bekomme. Sie sind das, was gedacht worden ist. Also habe ich diesen ganzen Quatsch, der da vor mir im Nebel und in all der Watte vorbeizieht, also irgendeinen Schwachsinn, bereits gedacht? Was habe ich mir denn dabei gedacht? Keine Ahnung. Jedenfalls ist das Ergebnis das, was da in loser Form vor mir vorbeizieht. Auch schön. Guck, da ist wieder einer.

So, und schon habe ich irgendwas angefangen zu lesen und war abgelenkt. Aber was ich da gelesen habe, kann ich eh gerade nicht verarbeiten, daher ist es eigentlich auch egal. Es gibt manchmal so Zeiten, da kommt man ja gar nicht raus aus so einem Nebel. Ich werde mich wohl damit abfinden müssen, dass ich da momentan in meinem eigenen Wattebausch sitze und meine Gedanken dabei beobachte, wie sie auch in Watte gepackt sind und an mir vorbeifliegen.

Vielleicht kommt an Heiligabend noch was von mir. Vielleicht aber auch nicht. Lassen wir uns einfach überraschen. Seid ihr da etwa auch so gespannt wie ich?

Einfach mal weitersagen

4 Gedanken zu „Gedanken wie in Watte gepackt“

  1. Hi Henning, das kenne ich, aber vielleicht ein kleines bisschen anders. Bei mir ist es so, dass ich etwas mehr als Mitte 50 bin und seit einigen Jahren erstaunlich anspruchslos und…leider gleichgültig. Teilweise schaue ich dem Leben dabei zu, wie es vergeht. Vieles ist mir egal geworden: wenn meine Frau sich über irgendwas aufregt (sie ist 2 Jahre jünger als ich), dann sage ich oft „reg‘ dich doch nicht auf…“ Ich könnte mich auch aufregen, tue es aber nicht.

    Es ist nicht so, dass ich darunter leide, aber manchmal wünsche ich mir schon ein bisschen mehr eigenen Enthusiasmus.

    Das, was Du beschrieben hast, kann ich mir übrigens sehr gut vorstellen – die Gedanken, die wie Wölkchen sind und die man nicht kommentieren, verarbeiten oder fassen will, sondern einfach nur Notiz davon nimmt, dass sie da sind. Und manchmal schläft man darüber auch ein…

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    • Exakt das ist es, was ich meine. Ich habe mich lange Zeit über alles mögliche aufgeregt. Das ist mit der Zeit eben diesem seltsamen Gefühl gewichen.

      Es ist nicht so, dass ich immerzu keinen Enthusiasmus habe. Aber derzeit ist es halt so. Wer weiß, vielleicht ist es auch „nur“ eine Art Erschöpfung.

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