Griechenland droht der Eurozone – Welch eine Entwicklung!

Vor kurzem wurde noch Blut und Wasser geschwitzt, um durch Griechenland nicht die gesamte Eurozone den Bach runter zu schicken. Nun ist ein neues Jahr angebrochen, und plötzlich stellt Griechenland Forderungen und droht der Eurozone. Bei so einer Entwicklung kommt doch kein Mensch mehr mit.

Die griechische Drohung liest sich wie eine “ganz normale” Erpressung: Kommt es nicht zu einer schnellen Einigung bezüglich weiterer Hilfen, steigt Griechenland aus dem Euro aus. Eine Frage, die sich mir dabei aufdrängt, ist: Hat Griechenland überhaupt das Recht, solche Forderungen und Drohungen auszusprechen?

Nun ja, den Griechen steht das Wasser bis Oberkante Unterlippe. Die Gläubiger Griechenlands sind nicht gerade zimperlich und haben ihrerseits gewaltigen Druck aufgebaut. Außerdem stocken zurzeit die Verhandlungen. Regierungssprecher Kapsis hatte extra angemahnt, dass zwingend im ersten Quartal diesen Jahres eine definitive Übereinkunft über ein neues Hilfspaket über 130 Milliarden Euro erzielt werden müsse. Diese so genannte Bailout-Übereinkunft sollte dann auch zwischen Kreditgebern und Gläubigern unterzeichnet werden. Kommt die Unterschrift nicht zustande, so erklärt Kapsis im griechischen Fernsehen, wäre Griechenland raus aus dem Euro.

Mit den Euro-Ländern, dem IWF und privaten Gläubigern hatte man sich ja eigentlich schon auf dem Gipfel im Oktober geeinigt. Einen teilweisen Schuldenerlass und ein neues Hilfspaket sollte es geben. 100 Milliarden sollen dabei neue Kredite sein, und mit 30 Milliarden sollen den Gläubigern Schuldenerlasse schmackhaft gemacht werden. Griechenland sollte sich dafür nun doch mal grundlegend reformieren sowie sparen, streichen und konsolidieren.

Die Details hätten schon Ende 2011 geklärt sein können, aber bis jetzt hat sich Griechenland noch nicht mit den Kreditgebern auf alle Reformen oder mit dem Gläubigerausschuss geeinigt. Es geht wohl um die Laufzeit, den Zins und den Gerichtsstand neuer Anleihen nach dem Schuldenerlass. Die Höhe soll wohl auch noch ein Thema sein. Die 210 Milliarden Euro Schulden sollen halbiert werden. Aber das ist Griechenland nicht genug. Und sie erzählen auch noch, dass das der IWF ähnlich sehen würde.

Nun wollen also die Griechen den Druck erhöhen, damit auf ihre Forderungen eingegangen wird. Ich habe aber immernoch nicht herausgefunden, was Griechenland zu derartigen Forderungen hinreißt. Bislang ist noch nicht viel von Spar-, Reform- und Verbesserungsbemühungen zu sehen. Klar, das griechische Volk ist strikt gegen die harten Einschnitte, die verlangt werden. Aber jeder, der sich mit dem Thema Insolvenz beschäftigt hat, weiß, dass der Schuldner prinzipiell erstmal nichts fordern kann. Er soll seinen Laden in Ordnung bringen und seine Schulden begleichen.

Das Groteske an der griechischen Situation ist aber, dass der Regierungssprecher zwar droht und poltert, Griechenland würde notfalls die Eurozone verlassen (mit dem Unterton: Das habt ihr nun davon!), das griechische Volk möchte aber zu gern den Euro behalten. Die Übergangsregierung und jede einzelne politische Gruppierung, die bei den bevorstehenden Parlamentswahlen in die Bredouille kommen könnte, regieren zu müssen, alle scheuen sich davor, ernsthaft einschneidende Maßnahmen wie von der Eurozone und dem IWF gefordert umzusetzen. Und das Volk ist seinerseits unwillig, einen Reformgedanken überhaupt erstmal zu Ende zu denken. Es ist halt leichter, Deutschland als größten Kreditgeber übel zu beschimpfen.

Die Deutsche Bundesbank jedenfalls schließt kategorisch aus, dass ein höherer Schuldenschnitt kommen kann. Die EZB als Kreditgeber in letzter Instanz würde dann der Grund sein, warum man alle Prinzipien des Euro-Systems einfach mal in die Tonne schmeißen könnte. Daher – und das ist meine feste Überzeugung – darf die Unterstützung durch IWF, Eurozone, EZB und wer weiß wem nur eine Hilfe zur Selbsthilfe darstellen.

Bailout steht im Übrigen für das englische Verb “to bail out”. Das bedeutet “aus der Patsche helfen”. In der Wirtschaft wird ein solcher Mechanismus angewandt, um Schulden von A an B durch C begleichen zu lassen.

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