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Griechenland ist Papandreou los, aber nicht die Krise

Es kam, wie es kommen musste. Der Sproß einer großen griechischen Politikerfamilie, der von seinem Volk nicht mehr für voll genommen wurde, ist nicht mehr im Fadenkreuz der weltweiten Kritik. Beim neuen griechischen Gesellschaftsspiel namens Übergangsregierung darf Giorgos Andrea Papandreou nicht mehr mitspielen.

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Am heutigen Abend einigten sich Regierung und Opposition in Griechenland auf die Bildung einer Übergangsregierung, die nicht mehr von Papandreou angeführt wird. Er führte entsprechende Gespräche mit Oppositionsführer Antonis Samaras. Die Entscheidung war bei einem Krisentreffen beider Politiker bei Präsident Karolos Papoulias gefallen. Nun soll am Montag ein neuer Regierungschef ernannt werden. Und dann sollen auch Gespräche zur Bildung eben jener ominösen Übergangsregierung begonnen werden.

Laut einer entsprechenden Erklärung am Sonntagabend verständigten sich Papandreou und Samaras auf Neuwahlen, sobald das Sparpaket aus Brüssel in Kraft getreten ist. Am Montag beraten die EU-Finanzminister in Brüssel über die Auszahlung der nächsten Hilfstranche. Laut Finanzminister Venizelos braucht Griechenland bis spätestens 15. Dezember die sechste Tranche aus dem Hilfspaket.

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Und wer soll nun Papandreou beerben? Da schießen die Spekulationen ins Kraut. Fast könnte man meinen, es handelt sich um einen Promi-Unfug wie bei der Nachfolgerfindung bei “Wetten, dass…?”. Es gibt wohl auch Gerüchte, dass der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, neuer Ministerpräsident werden soll. Aber nichts genaues weiß man nicht. Und bestätigt wurde das sowieso nicht.

Können wir nun alle aufatmen? Ist jetzt alles wieder gut? Nein, auf gar keinen Fall. Papandreou ist zwar zurückgetreten. Aber die Krise bleibt. Sie hat es sich wie ein Parasit schön bequem gemacht. Das Beste ist für meine Begriffe immernoch ein völliger Neustart der Volkswirtschaft Griechenland. Das heißt, dass Griechenland seine Hausaufgaben endlich machen muss, ob nun populär oder nicht. Das heißt, dass der Staat saniert werden muss. Und ich vermute, dass dann auch zum Neustart gehört, dass der Staatsapparat und alle ihm dienenden gründlich ausgekehrt werden muss.

Und das wird dauern. Bis das mal geschieht, werden wir wohl weiter Hiobsbotschaften aus Athen erhalten. Und das schaffen die Griechen auch ohne Papandreou. Der hat zwar gelogen und getäuscht, wie man so in den Medien liest. Aber andere werden es auch nicht besser machen können.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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