Güte, nicht Bosheit – Breivik vor Gericht

Anders Behring Breivik erlebte heute seinen zweiten Verhandlungstag zum eigentlich überflüssigen Prozess gegen ihn. Überflüssig deshalb, weil er eh schuldig ist und nie wieder auf freien Fuß kommt, egal, wie der Prozess ausgeht.

Er befand heute, dass seine Tat vor etwa einem dreiviertel Jahr voller Güte und nicht Bosheit waren. Er sprach auch davon, dass die Methode brutal war. Er würde es wieder tun. Und er weiß, dass es den Opfern und Hinterbliebenen grauenvoll geht.

Über das bis letztes Jahr jährlich stattfindende Sommercamp auf der Insel Utøya hat er seine eigene Meinung. Dort wären keine Kinder gewesen, sondern Politaktivisten. Und diese hätten an einem „Multikulturismus“ gearbeitet.

Die Zeit hat einen DPA-Bericht über den heutigen Prozesstag gegen den gemeingefährlichen, schwer gestörten und rechtsradikalen Norweger veröffentlicht. Eine Momentaufnahme, die zeigt, mit welchem Menschen sich das Gericht rund um Richterin Wenche Elizabeth Arntzen herumschlagen muss.

Breivik hält sich an seinem obskuren Manuskript namens „2083: A European Declaration of Independence“ (2083: Eine Europäische Unabhängigkeitserklärung) fest. Daraus liest er vor. Und er scheint nicht imstande zu sein, frei zu sprechen. Er wirkt verstört, wenn er gemahnt wird, sich kürzer zu fassen. Er spricht immer wieder von obskuren Tempelrittern. Und der DPA-Bericht meint, dass dies nur ein Breivik’sches Hirngespinst ist.

Die DPA bringt es auf den Punkt: Wie auch immer die Frage ausgeht, ob Breivik geisteskrank oder nicht ist, das entscheidet über Gefängnis oder Psychiatrie. Und was immer noch bei dem Prozess zu Tage gefördert wurde, für die Antwort auf diese Frage wurde heute der wichtigste Beweis geliefert, nämlich Breiviks Selbstinszenierung.

Auch der Focus, namentlich die Redakteurinnen Vonhoff und Hoerner sehen genau diese Frage als zentrales Thema des gesamten Prozesses. Und ich muss den beiden zustimmen. Ist der Mann nun krank oder böse? Ein Mensch oder ein Tier? Diese Frage muss ja sicher auch bei einem psychologischen Gutachten nachgegangen werden.

Ich glaube, dass Breivik die Antwort selbst gegeben hat. Er meinte, dass seine Tat zwar brutal und grauenhaft gewesen wäre, aber eben notwendig und unvermeidlich, um Norwegen vor einem Bürgerkrieg zu bewahren. Das macht er dann, indem er mit seinem 1500-Seiten-Manuskript wedelt.

Ich glaube, Anders Behring Breivik war zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig. Denn irgendwo habe ich gelesen, seine Tat sei geplant gewesen. Ich habe auch bei weitem nicht die 1500 Seiten gelesen. Irgendwo stand aber gestern zu lesen, dass in dem Manuskript der Plan zu der Tat niederschrieben gewesen sei. Es soll sogar eine Art „Mein Kampf Teil 2“ gewesen sein.

Ob das stimmt, kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe zwar einen Link zu dem Manuskript gefunden. Aber a) werde ich mich nicht mit solchen kranken Gedanken herumschlagen und b) fehlt mir hierfür die Zeit. Ich finde es erschreckend genug, dass jemand auf die Idee kommen könnte, eine größere Gruppe Kinder und Jugendliche zu ermorden, nur weil deren Ideologie nicht gefiel.

Vonhoff und Hoerner zitieren den österreichischen Gerichtspsychiater Reinhard Haller. Ein psychologisches Gutachten beruhe immer auf dem Verhalten und den Aussagen des Untersuchten. Daher wären wohl zwei völlig unterschiedliche Gutachten herausgekommen. Für Haller ist aber dennoch klar, dass Breivik hochgradig gestört ist.

Breivik wird wohl seinen eigenen Wahnvorstellungen aufgesessen sein. Das wird wohl die einzige Störung sein. Ich bleibe dabei, die Tat war geplant und angesagt. Warum soll er zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig gewesen sein? Für mich ist klar, dass Breivik kein kranker sondern ein kaltblütiger Mörder ist.

Einen guten Aspekt hat allerdings die ganze Breivik-Geschichte: In der rechtsradikalen Szene in Deutschland wird er zwar wahrgenommen. Eine große Propaganda-Wirkung kommt allerdings nicht zustande. Das hat der Bielefelder Rechtsextremismus-Forscher Dierk Borstel der Welt gegenüber geäußert. Er rechnet nicht damit, dass die europäischen Rechtsextremen sich nun mit Breivik solidarisieren. Dafür aber mit den Opfern. Und das ist die beste Nachricht zum Prozess.

Hoffen wir, dass der Prozess glimpflich vorüber geht und nicht noch Stolpersteine auf dem Weg liegen. Denn heute wurde ein Schöffe erst einmal abgesetzt. Er hatte gleich erstmal die Todesstrafe für Breivik gefordert. Das ist zwar richtig, aber in Norwegen nicht möglich. Daher wurde er wegen Befangenheit abgesetzt.

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