Es kursieren so einige Blogartikel, in denen es darum geht, ob man noch hart nachdenken kann. Sorry, wenn ich mich da einfach mal einschalte. Es darf ja jeder seine Meinung haben. Und ich habe meine. Und so muss ich mal sehen, wie ich das so mache. Was ist das überhaupt, worüber man da derzeit so diskutiert? Ich glaube, dass mir das Thema gefällt. Denn irgendwie bin ich dabei: „Vor lauter Grübeln tat ihm sein Grübler schon weh“. Keine Ahnung, woher das stammt. Wisst ihr das?
Hart nachdenken: Was soll das sein?
Wer seit Jahren meinen Blog hier verfolgen sollte, hat es sicherlich bei dem einen oder anderen Thema mitbekommen: Ab und zu komme ich bei irgendeinem Thema Monate oder Jahre später zu einem ganz anderen Fazit als ursprünglich. Das liegt daran, dass mich das jeweilige Thema nicht in Ruhe lässt und ich immer wieder darüber ins Grübeln komme. Das ist sowas wie der Stein im Schuh. Nennt es von mir aus „hart nachdenken“. Von mir aus auch irgendwie anders.
Ich bin ja kein „Ich habe mal die KI gefragt“-Typ. Natürlich nutze ich die auch. Hauptsächlich als Sparrings-Partner. Ich habe da so einen Kunden, bei dem kommen Mails aus SAP völlig zerschossen auf dem Exchange Server und damit im User-Postfach an. SAP sagt, dass es nicht an denen liegt. Microsoft sagt, dass es nicht an denen liegt. Jetzt dürft ihr dreimal raten, was da eine KI zu dem Fehlerbild sagt. Genau: Sie orakelt wild drauflos, weiß aber grundsätzlich auch nix.
Und dann stehst du da. Dann hast du nämlich gar keine andere Wahl und musst hart nachdenken. Wir bauen uns da gerade ein Team zusammen, was in Summe um die 100, 150 Jahre Berufserfahrung hat. Und die ganzen Dudes grübeln dann. Denen hilft keine KI – egal, wie sie heißt – weiter. Und die Frage ist dann: Wann habt ihr sowas das letzte Mal gemacht? Probleme wälzen, Fürs und Widers abwägen, um die Ecke denken, die abwegigsten Aspekte einfließen lassen? Wann war das bei euch?
Es ist einfach nicht mehr cool genug
Wisst ihr, Kunden bezahlen viel Geld bei uns, um ggf. Lösungen für ihre Probleme zu bekommen, die sie sonst nirgendwo finden. Mit anderen Worten: Googlen können die selbst. ChatGPT fragen auch. Aber eine richtige Lösung ist da nicht dabei. Wenn ich da an die SAP-Nummer oben denke, weiß ich, dass es irgendeine verfluchte, undokumentierte Stecknadel in einem verfickten Heuhaufen ist. Die zu finden, ist richtige Arbeit. Und die macht niemand mehr, weil es nicht mehr cool genug ist.
Es ist ja viel einfacher, irgendeine Standard-Antwort auf eine Standard-Frage zu haben. Alles darüber hinaus sollen andere machen oder gibt es einfach nicht (mehr). Diskutiert mal mit eurer KI. Die wird dann immer dahin ausweichen, dass sie dir sagt, dass der Fehler bei dir liegt. Aber welcher das ist, sagt sie dir nicht, weil sie schlicht keine Ahnung hat. Aber du bist vielleicht schlau genug, dass du aus der Diskussion irgendwas mitnimmst, was dich dann zur Lösung oder zur Antwort führt.
Gerade komplexe Frage-, Problem- oder Aufgabenstellungen sind nicht dafür geeignet, auf Standard-Lösungen zu setzen. Da muss man schon mal hart nachdenken. Das machen die einen mit Mindmaps. Wir bilden Grübel-Gruppen – oder sowas in der Art. Wieder andere tasten sich an den Kern heran. Und es ist halt so: Nachdenken ist auch Arbeit. Selbst wenn ich irgendeine KI befragen würde, muss ich doch immernoch bewerten, ob das Alles so stimmen kann, was die behauptet.
Und das ist alles nicht einfach. Deshalb schwadronieren ja auch Blogger darüber, dass sie hart nachdenken. Ja, ich auch, wie ihr lesen konntet. Ich bin aber nie den einfachen Weg gegangen. Ich hab das nie gelernt. Und ich weiß, dass ich mir dadurch das Leben unnötig schwer gemacht habe. Aber wenigstens war es dann immer meins. Es ist zwar nicht cool genug. Dafür bin ich der Isotypisierung entgangen.
Und jetzt?
Im Job suche ich erstmal weiter nach Stecknadeln in irgendwelchen Heuhaufen. Das bedingt, dass ich weiter hart nachdenken muss. Bei den Störungen, mit denen ich zu tun habe, werde ich dafür bezahlt, dass mir der Grübler weh tut. Das Werkzeug namens KI wird mich hier und da vielleicht unterstützen. Es kann mir aber niemand abnehmen, dass ich genau nachgucke, ob das so stimmt, was das Werkzeug da behauptet.
Und wie macht ihr das? Wann musstet ihr das letzte Mal hart nachdenken? Und was kam dabei heraus? Im Übrigen habe ich für mein eigenes Linux-Thema – ihr werdet euch noch erinnern – eine Lösung gefunden. Das ging auch nur, weil ich die Nummer neu bewertet habe. Das kann ja bei euch auch passieren. Oder etwa nicht?






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