Immer schön auf den Wulff drauf hauen – Stimmt’s, liebe Qualitätsmedien?

Der große Zapfenstreich für Christian Wulff als scheidender Bundespräsident. Ein eigentlich feierlicher Akt der deutschen Politik. Und was machen unsere Qualitätsmedien? Unfug schreiben. Also alles wie gehabt.

Ja, man muss es nicht ehrenmännisch finden, was Christian Wulff vorgeworfen wird. Nur weil ihm bislang nichts nachgewiesen werden kann, macht ihn das noch lange nicht zu einem Heiligen. Das einzig Greifbare ist aber weiterhin, dass er es nur nicht so genau mit der Wahrheit und mit der Vollständigkeit nahm. Das ist aber auch alles.

Und also verabschiedet sich Deutschland von einem Bundespräsidenten, der aus dem Amt gesteinigt wurde. Ihm wird von den Qualitätsmedien unterstellt, er hätte nichts für Deutschland getan. Ja, wie denn auch? Erstens wäre euch ja ein reiner „Begrüßungsonkel“ zwar sehr recht aber eben zu teuer. Zweitens wäre ein engagierter Bundespräsident wohl auch ins Kreuzfeuer geraten. Drittens war er zu kurz im Amt, um eine bleibende Duftmarke zu setzen. Und viertens haben die Medien ihn von wichtigen Aufgaben schlichtweg abgehalten. So etwas kann auch mal als „Behinderung der Staatsgewalt“ ausgelegt werden. Aber soweit wollen wir mal nicht gehen.

Was mich am meisten an der ganzen Geschichte stört: Wo ist eigentlich der Mitschnitt des Anrufs Wulffs bei Kai Diekmann abgeblieben, mit dem der Rubikon überschritten wurde? Wollte den Mitschnitt die B*LD nicht veröffentlichen? Was wäre denn, wenn es die Aufnahme so in der Form, wie sie geschildert wurde, gar nicht gibt? Hüpfen wir dann wieder zurück über den Rubikon?

Ihr lieben Qualitätsmedien habt es schon ganz schön getrieben mit dem höchsten Amt im Staat. Eine derartige Hetzjagd haben Kohl und Schäuble nicht bei dem CDU-Parteispendenskandal erfahren. Und das war weitaus schlimmer als all das, was man Wulff vorwirft, selbst wenn alles stimmen würde. Und am Abend des feierlichen Großen Zapfenstreiches könnt ihr es auch nicht lassen.

Immer schön auf den Wulff drauf hauen! Irgendwann haut der schon ab nach – sagen wir – Kiribati. Stimmt’s?

  • Ein Leipziger Radiosender (RTL Qualitätsmedium) fragt seine Hörer, was ihre beste Ausrede sei, nicht zum Zapfenstreich zu gehen. Geht’s noch? Warum fragt man nicht gleich, wieso man nicht zu irgendeinem Europa League Spiel geht? Zu beidem die Antwort: Beides findet nicht in Leipzig statt, und irgendwer muss morgen wieder Geld verdienen. Facebook-Link
  • n-tv (RTL Qualitätsmedium) sucht über Facebook den „ultimativen Wulff Weg Song“. Seid ihr noch ganz dicht? Ich weiß nicht, ob die B*LD oder ihr die Meister im Niveau-Tiefstapeln seid. Facebook-Link
  • Ach ja, n-tv ruft ja auch noch die Vuvuzelas von der Fußball WM 2010 in Südafrika in die Erinnerung zurück, um eben diese beim Großen Zapfenstreich einzusetzen. Das könnte als „Anstiftung zum Landfriedensbruch“ aufgefasst werden. Facebook-Link
  • Die Fernseh-B*LD bläst bei den Vuvuzela-Aufrufen übrigens ins selbe Horn. Ist ja klar, dass RTL mitmachen muss. Facebook-Link
  • Die ARD wiederum bemüht sich um Situationskomik und Satire. Extra3 vom NDR bedauert nämlich Christian Wulff, da dieser von Altersarmut betroffen sein dürfte. Facebook-Link
  • Einen richtigen Link gönne ich Dorte Färber vom ZDF. Die bloggt beim ZDF über das Vermächtnis des Kurzzeitpräsidenten und arbeitet derart weit an der Realität vorbei, wie Captain Janeway vom Startrek Raumschiff Voyager am korrekten Kurs vorbeifliegt. Das müssen Sie einfach mal gelesen haben.
  • N24 wiederum spricht davon, dass die Berichterstattung vor dem Zapfenstreich und die Feier selbst alles andere als würdevoll waren. Die Berichterstattung sei dem Anspruch nicht gerecht geworden Google+ Link

Und so geht es frei weg. Spiegel Online freut sich über Vuvuzelas, die TAZ über die Lächerlichkeit von Ulrich Deppendorf als ARD-Kommmentator und über die Lautstärke der Vuvuzelas. Und so weiter und so fort.

Liebe Medien, man kann es auch übertreiben. Ich habe es schon hier und da mal geschrieben: Ihr habt doch nun, was ihr wolltet. Warum das Nachtreten? Wollt ihr, dass Christian Wulff nicht mal mehr zum Bäcker gehen kann, ohne ausgelacht zu werden? Der Mann ist ein Mensch. Nun reicht es aber auch mal.

Ich freue mich regelrecht auf den Tag, an dem Christian Wulff – möglicherweise von allen Anschuldigungen freigesprochen – vor euch Meute tritt und mit einem Finger auf jemanden zeigt, der am meisten von der Hetzjagd profitiert hat, und dann sagt: „Der war’s, und ich habe Beweise“

Nein, keine Sorge, der B*LD-geprügelte Leser wird ihm schon nix glauben. Dafür werdet ihr, liebe Leute von den Qualitätsmedien, ja schon im Vorfeld sorgen. Denn eure Abfalldurchwühler haben ja noch nicht wieder die Finger stillgehalten. Denn nicht umsonst habe ich irgendeinen Eintrag bei Twitter gelesen, der fragt: Und was macht jetzt Bettina Wulff?

Ihr müsst ihn einfach gesellschaftlich und menschlich zerstören. Nicht wahr? Mir ist aber immernoch nicht klar, zu welchem Zweck. Für Gauck? Nein, der ist euch doch viel zu alt und viel zu unwichtig. Für Merkel? Möglich, schließlich trinkt Mutti gern mit Tante Liz Mohn und Tante Friede Springer ein Schlückchen.

Ich weiß nicht, was die trotz Rücktritt weiter laufende Hetzkampagne soll. Wie ihr gesehen habt, liebe Qualitätsmedien, kann ich auf euch verlinken, ohne euch einen Link zu spendieren. Denn ihr seid es derzeit nicht wert. Was auch immer Christian Wulff getan hat, er hat trotzdem ein Recht auf ein Leben. Aber Leben existiert bei euch ja nicht im Wortschatz.

Um es noch einmal klar und deutlich zu sagen: Ich erkläre mich nicht uneingeschränkt einverstanden mit Christian Wulff. Wenn er etwas unrechtmäßiges getan hat, soll er dafür gerade stehen. Keine Frage. Aber so lang das nicht bewiesen ist, gilt: In dubio pro reo. Ich erkläre mich aber ganz gewiss nicht einverstanden mit den meisten von euch Vertretern der Qualitätsmedien. Eine derartige Hetzkampagne gehört verboten. Zumindest gehört ihr von der gesamten Netzgemeinde, die ihr für euer Leistungsschutzrecht bezahlen lassen wollt, ignoriert.

Nicht einen Link soll man mehr auf eure Webangebote setzen. Mögt ihr doch versauern mit euren Nachrichten, die keine sind, wenn es eine solche Kampagne ist. Wenn ihr wieder zur Vernunft gekommen seid, hier ist mein Kontaktformular, ihr könnt mir gern schreiben.

Ach so, und was ich ganz vergessen hätte, hätte ich nicht noch einmal Korrektur gelesen: Christian Wulff hat als Bundespräsident politisch gesehen zwei Duftmarken gesetzt:

  • Er hat anerkannt, dass der Islam durchaus eine anerkannte Religion ist, die man auch in Deutschland ausüben darf.
  • Er hat mitgeteilt, dass er nicht sehenden Auges Deutschland in eine gigantische Pleite führen wird, indem er seine Unterschrift zu ESM gibt.

Vergessen? Macht ja nix. Dankesschreiben sind gern gesehen.

Was Sie auch interessieren könnte:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.