Was ist denn nun mit der Ukraine? Desinformation und Deutungshoheit

Was ist denn nun mit der Ukraine? Was passiert da? Wer setzt uns denn die Brille auf? Die Qualitätsmedien ganz sicher nicht. Die zeigen lieber Panzer und angebliche Sieger und eben den bösen Wolf Wladimir. Man kann sich eigentlich schon fragen, wohin das Mediendesaster die Gesellschaft noch führt.

Die Ukraine zählt zu den größten Staaten Europas. Sie ist zum Beispiel fast doppelt so groß wie das mächtige Deutschland. Nimmt man nur die osteuropäischen Länder, dürfte es sich bei der Ukraine um das größte Land handeln. Wir reden hier über ca. 603000 km². Und wir reden davon, dass die Qualitätsmedien nichts anderes als Sensationsjournalismus und Meinungsmache betreiben. Ein wahres Mediendesaster eben.

Irgendwann habe ich aufgehört, ernsthaft den Nachrichten über die Ukraine zu folgen. Es war mir irgendwie so, als ob einer vom anderen das abschreibt, was dieser „aus gut unterrichteter Quelle“ erfahren hat, die das wiederum durch den Buschfunk hat läuten hören. Wenn man ehrlich ist, scheint es sich bei Medienberichten um das Land um so etwas wie den guten alten Motion Capture Hokuspokus Budenzauber zu handeln.

Da präsentiert die Süddeutsche Zeitung stolz Bilder von russischen Panzern in der Ost-Ukraine. Exklusiv, versteht sich. Aber hat sich mal jemand gefragt, ob solche Bilder nicht einfach mal gestellt sein können? Wer gibt uns unbeteiligten Dummen denn die Garantie, dass solche Berichte echt sind?

Prinzipiell wissen wir eigentlich gar nicht, was im Südosten Europas los ist. Der deutsche Michel weiß besser darüber Bescheid, welches Kleid Prinzessin Madeleine von Schweden auf irgendeinem Empfang hatte, als über die möglichen Gefahren, die uns mit dem Ukraine-Konflikt da erwarten. Der typische Medienkonsument wird eben lieber mit leichter Kost bespaßt, als dass er wirklich aufgeklärt wird. Gut, Katzenbilder sind eben cooler als Bilder von Toten und Verwundeten.

Da gibt es in den Medien die Guten (das sind alle die um „Boxstar Klitschko“) und die Bösen („Eckhard, die Russen kommen“). Es ist doch viel interessanter, eine ordentliche Ballerei zu zeigen, als aufzuzeigen, wie diese ausufernde Krise Europa noch beeinflussen wird.

Was würde denn passieren, wenn es in der Krise – mancher redet von Krieg – die Ukraine auseinander reißt? Geht das Ganze dann weiter? Schließlich will auch Transnistrien als östlicher Teil aus Moldawien heraus und lieber zu Russland gehören. Wie wird auf politischer Ebene verhandelt?

Nichts erfährt man. Stattdessen ist von der Geburtstagsparty von Altkanzler Schröder die Rede, auf der dieser ein paar mit Putin gekippt hat, obwohl das der Philipp Mißfelder von der CDU doch machen wollte. Oder so ähnlich. Darum meine ernstgemeinte Frage: Wie gefährlich ist die Deutungshoheit der Medien? Was man nicht zeigen oder veröffentlichen will, gibt es nicht? Und was es nicht gibt, wird als Hörensagen und Unfug abgestempelt?

Man wird sich ja wohl mal informieren dürfen. Klar, in Sachen Ukraine ist das sehr schwierig. Wenn ich da auf Twitter nachsehe, wie da gemeldet wird, kommt mir das große Grauen. Die einen schlagen wild mit den Flügeln bei allem, was sich dort tut. Die nächsten jubeln über die Wahl, dass Jazemjuk nun übergangsweise Präsident des Landes ist. Wieder andere kommen auf die Idee und meinen, dass es absehbar war, dass Russland die Ukraine zurückholen will. Man blickt eigentlich gar nicht durch.

Die NeoPresse, von der ich nicht abschließend weiß, wie sie einzuordnen ist, meint, dass „wir“ schlecht über die Ukraine informiert sind. Der Meinung bin ich allerdings auch. Man kann doch nicht einfach alles in die Kanäle kippen, man muss schon vorher sortieren. Und zwar so, dass der Verbraucher auch noch etwas davon hat. Diesen Auftrag erfüllen aber in meinen Augen die Qualitätsmedien nicht.

Am Beispiel Ukraine-Konflikt lässt sich sehr gut abzeichnen, wie es um die Qualitätsmedien gestellt ist. Der Blog „Konjunktion“ hat hierzu einiges zusammengetragen. Es lässt schon vieles die Vermutung zu, dass man bewusst falsch informiert wird. Ob das nun die Medien hierzulande sind, die eigentlich nur noch auf Zuruf arbeiten bzw. voneinander abschreiben, oder ob es die großen Nachrichtenagenturen sind, ist dabei eigentlich einerlei. Aber mit Desinformation haben wir leider zu tun. Das ist die Deutungshoheit der Medien.

Ich will ja vielleicht nicht jede Einzelheit wissen. Aber ich will einen realistischen Überblick über die Situation haben. Das Realistische an der Berichterstattung fehlt mir ganz gewaltig. Und so muss man leider drauflos spekulieren. Die Medien haben nicht umsonst einen neuen Kalten Krieg vorausgesehen, also kann man den auch herbei reden. Der Leser hat eh keine andere Wahl.

Wenn ich aber prognostizieren würde, würde ich ganz klar davon ausgehen, dass die Ukraine diese Zerreißprobe, in der sie sich befindet, nicht überstehen wird. Dazu ist die Macht Moskaus zu stark. Und wenn man mich fragen würde, würde ich vermutlich sagen, dass die USA und Europa keineswegs einen Zampano namens Wladimir Putin dulden werden. Und somit werden wir wohl eine neue Weltengrenze erleben: Auf der einen Seite die USA und Europa, auf der anderen Seite Russland, China und Nordkorea.

Oder haben die Medien da noch eine andere Idee?

Bildquelle: Die Ukraine in Europa – (C) nemo via Pixabay

Was Sie auch interessieren könnte:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.