Kinderbewahranstalt Connewitz: Tradition verpflichtet

Was ist eine Kinderbewahranstalt? Das Konzept stammt von Friedrich Wilhelm Fröbel. Und bis heute gibt es in Leipzig Connewitz eine solche. Eine solche Einrichtung ist genau genommen das, was wir heutzutage Kindergarten nennen. Die Einrichtung in Connewitz, die Sie oben auf dem Bild sehen, existiert bis heute als Kindergarten und heißt mittlerweile „meusi“, denn sie liegt in der Meusdorfer Straße.

Mitten in Connewitz

Wie Sie vielleicht wissen, bin ich im Leipziger Stadtteil Connewitz aufgewachsen. Wo wir unsere Freizeit verbrachten, habe ich vor längerer Zeit dokumentiert. Nein, damals wäre niemand auf die Idee gekommen, Connewitz als „linksalternativen Stadtteil“ zu bezeichnen. Wann fing das denn an? Das muss irgendwann kurz vor der Wende begonnen haben.

Jedenfalls waren die Freunde damals über den gesamten Stadtteil verteilt. Man schlug sich den Bauch voll in der Konditorei in der Brandstraße, man schlug die Zeit auf dem Hildebrandplatz tot, ging in der Nitzsche-Straße in die Schwimmhalle oder, oder, oder. Und wir hatten auch Freunde im Einzugsgebiet der „Meusi“, der Meusdorfer Straße.

Als die Hausbesetzer kamen, siedelten die sich in der Stöckartstraße an. Die liegt nördlich der „Meusi“. Die meisten Freunde wohnten aber südlich davon. Deshalb war es klar: Wo wir wohnten, war „Ober-Connewitz“, nördlich der „Meusi“ halt dann „Unter-Connewitz“. Die Meusdorfer Straße teilte Connewitz in zwei Teile. Und mittendrin befindet sich die Kinderbewahranstalt.

Was ist denn nun eine Kinderbewahranstalt?

Die Einrichtung befindet sich unweit der Kreuzung Meusdorfer Straße / Biedermannstraße, direkt neben dem Hotel „Alt-Connewitz“, also direkt in der Mitte des Stadtteils. Ins Mauerwerk eingearbeitet sieht man Kinderfiguren an der Wand und daneben in Großbuchstaben den Begriff „KINDERBEWAHRANSTALT“. Den Kindern musste das irgendwie Respekt eingeflößt haben.

In den Fröbelschen Kindergärten des 19. Jahrhunderts kam die Pädagogik zum Tragen. Aber die erste Kinderbewahranstalt rührt aus dem Jahr 1836, als Teréz Gräfin von Brunszvik die erste Einrichtung namens „Engelsgarten“ in Buda gründete. Sie verfolgte einen anderen pädagogischen Ansatz als Fröbel. So kam es auch dazu, dass die Einrichtung positive Impulse auf die Familie ausstrahlen sollte.

Das Konzept der Kinderbewahranstalt entwickelte sich parallel zu den Fröbelschen Kindergärten. Allerdings wurden letztere dann „wegen ästhetischer Tendenzen“ verboten. Jahre später wurde es wieder aufgehoben. Fortan existierten Kindergärten und Kinderbewahranstalt parallel. Und die Einrichtung in Connewitz? Die ist heute ein freier Kindergarten und arbeitet als Verein.

Unterstützt wird der Kindergarten wohl durch die Kirche. Da das Gebäude nun saniert werden muss, hat die Paul-Gerhardt-Kirche Räume zur Verfügung gestellt. Das Paul-Gerhardt-Haus an der Ecke Brandstraße / Selneckerstraße, in dem zu Schulzeiten ein Schulfreund aufgewachsen war, macht im Obergeschoss Platz für die Kids.

Tradition verpflichtet?

Der Kindergarten – oder halt früher: die Kinderbewahranstalt – hat eine wichtige Aufgabe. Die Einrichtung in Connewitz fördert sie mit eigenem Konzept. Ich finde es gut, dass es solche Einrichtungen gibt, die nicht „nach Schema F“ die Knirpse auf das Leben vorbereiten. Ja, die Kirche… Ich weiß schon. Aber lassen wir das mal beiseite.

Connewitz will nach wie vor einigermaßen anders sein. Nur will der Stadtteil wohl ein Stück weit das Image „Wo die ganzen Linksradikalen wohnen“ loswerden. Das ist ja auch richtig so, da ja das Villenviertel entlang der Prinz-Eugen-Straße nicht auf Extremisten schließen lässt. Dort begann im 12. oder 13. Jahrhundert als „Kvnawiz“ die Geschichte von Connewitz.

Die „Siedlung, wo die Pferde weiden“ entwickelte sich mit Oberdorf und Unterdorf, wobei das Unterdorf in Richtung Norden wuchs. Das Oberdorf war die Prinz-Eugen-Straße mit dem Rittergut. Und mittendrin entstand Jahrhunderte später die Kinderbewahranstalt. In dieser Tradition muss auch weiterhin frühkindliche Bildung und Pädagogik stattfinden. Oder etwa nicht?

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