Knüpft ihn auf! Prozessauftakt gegen Christian Wulff

Heute geht es für Christian Wulff vor seinen ScharfRichter. Es ist Prozessauftakt in der von den Medien “Causa Wulff” genannten Geschichte. Wenn ich meine Timeline bei Twitter anschaue, dann komme ich ganz stark ins Grübeln: Gibt es denn nichts wichtigeres, worüber man berichten kann?

Aber die Medien stehen schon mit Heugabeln vor dem Gerichtsgebäude und skandieren rhythmisch: Knüpft ihn auf! Knüpft ihn auf! Knüpft ihn auf!

Worum geht es? Wie war das? Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD behauptete, er wäre von Christian Wulff – nun ja, wie sagt man? – bedroht worden. Aber ich glaube, das ist gar nicht das Thema. Sondern es geht um Vorteilsnahme. Ich glaube, die Medien hätten gern den Zusatz “in einem besonders schweren Fall” gehabt. Aber es geht – soweit man das sehen kann – um nicht mal – wie viel? – tausend Euro oder so.

Man vergleiche dazu den Präsidenten des FC Bayern München, der große Geldmengen an Steuern hinterzogen hat. Man erinnere sich an schillernde Persönlichkeiten wie Franz-Josef Strauß. Es gibt so viele Dinge, die von den Medien als viel weniger schlimm beurteilt wurden als die Wulff-Sache. Aber wieso?

Christian Wulff wurde angeboten, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Das hat er aber abgelehnt. Bedeutet das nicht, dass er alles aussprechen will? Dass er die Wahrheit auf den Tisch legen will? Was wäre denn, wenn da noch ganz andere Dinge mit zur Sprache kommen? Dinge, die unter Umständen diverse Politiker- und Lobbyisten-Karrieren beenden können.

Wulff hat nichts mehr zu verlieren: Posten weg, Frau weg, Haus weg, Geld weg. Er hat sich nur eins niemals nehmen lassen: seine Würde. Und diese Würde wird er wohl versuchen, auch gesellschaftlich wiederherzustellen.

Was eigentlich verhandelt werden soll, hat die ZEIT eindrucksvoll mit einem einzigen Absatz beschrieben, den ich hier gern einmal zitieren möchte:

Geklärt werden soll, ob Wulff sich 2008 mit einem Oktoberfestbesuch der Vorteilsannahme in seinem Amt als niedersächsischer Ministerpräsident schuldig gemacht hat. Groenewold ist wegen Vorteilsgewährung angeklagt. Es geht um die Frage, ob er Wulff Gefälligkeiten zuteil werden ließ, um sich dadurch nützliche Amtshandlungen zu sichern.

Verstehe ich das richtig? Wulff wurde zu Fall gebracht und wie ein Kinderschänder durchs Dorf getrieben, weil er mit David Groenewold auf dem Oktoberfest ein paar gehoben hat und den Film-Menschen die Rechnung zahlen ließ? Ist das wirklich alles? Spinnt ihr?

Ihr, liebe Medien, habt den Mann vollends ruiniert. Und das wegen eines Trinkgelages, zu dem er eingeladen war? Noch dazu VOR seiner Zeit als Bundespräsident? Dafür wurde der angebliche Telefonanruf bei Kai Diekmann fingiert? Dafür wurde Wulff sonstwas unterstellt? Wegen eines Trinkgelages?

Man sagt, dass die Presse wie eine Art Fahrstuhl sei. Mit der Presse fährt man nach oben und im schlimmsten Fall auch wieder nach unten. Ich gehe davon aus, dass Christian Wulff in Ungnade gefallen ist, aber nicht wegen dieser lächerlichen Anschuldigung Diekmanns, Wulff hätte ihm gedroht. Ich denke nach wie vor, Christian Wulff ist wegen seiner ablehnenden Haltung dem ESM gegenüber bei der Bundeskanzlerin in Ungnade gefallen. Und außerdem ist er über die Aussage gestolpert, dass der Islam zu Deutschland gehören würde.

Die läppische 700-Euro-Vorteilsnahme-Staatsaffäre, die die Medien irgendwie herbei fabuliert haben, wird sich wohl in Wohlgefallen auflösen. Die Skandal-Tröte, in die alle Medien inbrünstig geblasen haben, wird wohl in den nächsten Wochen – vielleicht sogar Monaten – ein letztes Mal gezückt. Danach wird wohl Ruhe einkehren. Die Ehre von Christian Wulff wird durch den Prozess nicht wiederhergestellt werden können, wie auch Malte Lehming im heutigen Tagesspiegel feststellt.

Ich finde es aber trotzdem famos, wie sich die Medien an der Posse weiterhin laben. In diesem Zusammenhang hat auch der tägliche Satire-Aufguss des MDR-Senders Jumpradio sein Statement abgegeben. Die “Supermerkel” nimmt sich heute den “großen-bösen-Wulff” vor und trifft dabei meine Meinung zu 100%. Dieser Clip sollte allen Medien – allen voran die des Springer-Verlags – um die Ohren gehauen werden.

Bildquelle: Unterschrift von Christian Wulff – von Christian Wulff [Public domain oder Public domain], via Wikimedia Commons

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.