La Serenissima – Will sich Venedig abspalten?

La Serenissima – die Durchlauchtigste. Das ist der Beiname der altehrwürdigen Lagunenstadt Venedig im Nordosten Italiens. Über die wird derzeit mal wieder ein wenig philosophiert. Es geht darum, dass man wohl die “Republica Venezia” wiederbeleben will. Das schreibt zumindest der britische “The Telegraph”. Und es gibt einige Leute, die da gleich mal mit einstimmen möchten.

“The Telegraph” – namentlich Nick Squires – erzählt uns, dass seit Sonntag ein Votum in Venedig abläuft, das über die Abspaltung Venedigs und seiner Umgebung vom Rest Italiens und damit über die Reaktivierung der ehemals 1000 Jahre alten souveränen Republik entscheiden soll. Man wolle sich wohl ein Beispiel an Schottland in Großbritannien und Katalonien in Spanien nehmen. Ja, und sogleich wird auch das gestern abgelaufene Referendum über die Abspaltung der Krim von der Ukraine ins Feld geführt.

Es geht wohl unter anderem um die Unzufriedenheit der nördlichen Regionen Italiens, die als wohlhabend gelten, über die Probleme im ganzen Land, die wohl von den ärmeren südlichen Regionen herrühren. Natürlich kommt man da gleich einmal damit um die Ecke, dass man nicht den Zahlmeister für den armen Süden spielen möchte. Sie kennen das ja, das ist im größeren Maßstab in der EU nichts anderes.

Der Blog Maria Lourdes erzählt uns davon, dass wohl mehr als 2/3 der Venezianer für eine Unabhängigkeit sind. “Astrologie klassisch” kommt daher und präsentiert wild ein paar Links und listet mögliche Abspaltungskandidaten auf. Man fragt dazu, warum die großen Medien nicht über Venedig berichten. Denn schließlich ist die “Indepenza Venezia” der Initiator des Votums.

Entschuldigung, aber das klingt doch sehr merkwürdig. Ich habe mal eben ein wenig über dieses Votum recherchiert. Ergebnis: Außer seltsam anmutende Nachrichtenseiten wie “Deutsche Wirtschafts Nachrichten” oder “Schweizmagazin” oder “Stimme Russlands” oder eben diversen Blogs berichtet niemand über das Votum. Mir ist noch nicht klar, wie “The Telegraph” einzuordnen ist. Komisch ist es schon.

Wäre denn ein abgespaltenes Venedig allein handlungs- und lebensfähig? Ich denke, die goldenen Zeiten der Stadt der Rialto-Brücke und des Marcus-Platzes sind vorbei. Tourismus dürfte zwar Einnahmequelle sein, aber ob das zum Überleben als “Republica Venezia” ausreicht, wage ich anzuzweifeln.

Meine Meinung zu den Murmeleien zu Venedig ist, dass da nicht sehr viel dran ist. Die “Indepenza Venezia” mutet für mich so an, wie eine radikale Version der “Alternative für Deutschland” in Deutschland. Ich kann es nicht zur Gänze einordnen. “The Telegraph” ist jedenfalls die Online-Version der renommierten britischen Tageszeitung “Daily Telegraph”, die seit 10 Jahren zum Besitz der Barclay-Brüder aus Schottland gehören.

Was Meinen Sie? Haben Sie irgendwas handfestes zu Venedig gehört? Wie schätzen Sie die Situation ein? Könnte sich Venedig von Italien abspalten und problemlos existieren? Prinzipiell würde es sich wahrscheinlich um den eh schon autonomen Nordosten Italiens mit Venetien, Venedig, Friaul-Julisch Venetien und Triest handeln. Und hier sollte man schon aufpassen, dass man sich nicht verrennt.

Nachtrag: Interessant ist hierzu auch, was “Alles Schall und Rauch” dazu schreibt. Es ist also doch nicht abwegig.

Bildquelle: Die Rialtobrücke, vom westlichen Ufer des Canal Grande fotografiert – By Pascalniff (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.