Leipzig – Oberbürgermeisterwahl – Die Waffen sollen verstummen

Es ist der Vorabend des zweiten Wahlgangs zur Oberbürgermeisterwahl in Leipzig. Morgen sind noch einmal über 400000 Leipziger Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, noch einmal ihre Stimme abzugeben. Und wieder einmal wird eine Wahlbeteiligung um die 40% herauskommen. Und wir werden einen Oberbürgermeister erhalten oder behalten, mit dem keiner so richtig zufrieden sein kann. Eine letzte Bestandsaufnahme.

Leipzig ist dafür bekannt, bei Wahlen immer recht mürrisch zu sein. Die Wahlbeteiligung ließ hier seit der Wende immer zu wünschen übrig. Und so ist es kein Wunder, dass die rund 40% Wahlbeteiligung beim ersten Wahlgang als großer Erfolg gewertet wurde. Aber eigentlich ist das schon schwach für eine so mündige Stadt wie Leipzig.

Am Ende regen sich alle ab Montag darüber auf, dass das falsche Gesicht hinter dem Schreibtisch des Oberbürgermeisters hervor grinst. Aber selbst war man nicht wählen. Dann soll sich mal niemand aufregen. Nur wer wählen geht, hat auch eine Stimme. Und die sollte gut eingesetzt werden. Völlig wertfrei nenne ich noch einmal die Kandidaten mit dem, womit sie aufgefallen sind:

Burkhard Jung: Der Bewahrer der Unbeständigkeit. Der Stadtumbauer. Der Billiglohnarbeitgeber-Anzieher. Der, dem jetzt erst aufgefallen ist, dass Leipzig zu wenig Schulen und Kitas hat, dafür aber einen S-Bahn Tunnel, einen Hafen und luxuriöse Wohnquartiere. Das ist der Amtsinhaber.

Horst Wawrzynski: Der Überwacher. Der Schulwandanstreicher. Derjenige, der ständige Präsenz der Ordnungshüter einleiten will. Derjenige, der es mit zu verantworten hat, dass Leipzig in Sachen Kriminalität, Prostitution und Drogenkonsum deutschlandweit an hoch prominenter Stelle steht.

Barbara Höll: Die Abnickerin. Diejenige, die ein Nachtflugverbot am Flughafen nach Vorstellung der Grünen genauso toll findet wie die steigende Überwachung der CDU. Diejenige, die sonst alles gut findet.

Felix Ekardt: Der Kondomverteiler. Der Nachtwächter des Flughafens, der nachts keine Flugzeuge starten lassen soll. Der Fahrradbevorzuger. Derjenige, der sich nicht zu schade ist, auch mal unkonventionell Kondome verteilt und das rechtfertigt, es wären eh nicht genügend Kita-Plätze vorhanden.

Dirk Feiertag: Der Bürgerrechtler. Der Nahverkehr soll umlagenfinanziert werden. Bürger sollen an allen Entscheidungen beteiligt werden. Die Hälfte des OBM-Gehaltes soll für gemeinnützige Projekte, die die Bürger auswählen, gespendet werden. Wahrscheinlich chancenlos, weil Leipzig nicht weit genug denkt.

Irgendwann werden alle Stoßdämpfer der Autos in Leipzig ruiniert sein. Das schafft Arbeit in den KFZ-Werkstätten. So funktioniert Wirtschaft in Leipzig. Man braucht sich nicht um die Attraktivität des Nahverkehrs zu kümmern, weil man ja kaputte Straßen hat. Kitas sind auch nicht notwendig, weil ja so viele in Leipzig bei Amazon arbeiten, wo – wie wir erst neulich gelernt haben – die fairsten Gehälter der Welt gezahlt werden, sodass man sich die Finanzierung des Kindes (Ja, ein Kind kostet viel Geld) gar nicht erst überlegt.

Leute, ihr wählt doch eh zwischen Burkhard und Horst. Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Kandidaten jedenfalls haben jetzt genügend aufeinander eingehackt. Die sollen jetzt mal ihre verbalen Waffen einpacken, morgen erfahren wir das Ergebnis. Und mir schwant schlimmes.

Meine Prognose ist, dass Burkhard oder Horst gewinnt. Wer von den beiden, ist eigentlich wurscht. Ändern wird sich durch dieses Voting nichts. Das ist wie mit den Kohl’schen blühenden Landschaften, die nie wahr geworden sind. So reden die beiden auch nur honigsüß daher. Sollte das Votum so ausgehen, wie ich vermute, kann man davon ausgehen, dass Leipzig völlig lernresistent ist.

Meine Meinung ist weiterhin, dass die SPD-CDU-LINKE-Koalition im Rathaus beendet werden muss. Und da darf es auch keinen Bürgermeister geben, der entweder von diesen Parteien ist oder von diesen unterstützt wird. Dann muss es eine Alternative geben. Aber das interessiert in Leipzig, der mündigen, stolzen Stadt, niemanden. Meine Prognose in Vollständigkeit daher: 40% Wahlbeteiligung und rund 35% für Burkhard Jung.

Arme Stadt.

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