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Wilhelm-Leuschner-Platz mit Blick in Richtung Uniriesen in Leipzig Wilhelm-Leuschner-Platz mit Blick in Richtung Uniriesen in Leipzig

Leipzig und das Wohnen zum Spottpreis

Im Großraum Leipzig ist Goldgräberstimmung ausgebrochen. Das äußert sich auch darin, dass ununterbrochen irgendwas gebaut wird. Aber was wird dabei gebaut? Es ist ja nicht so, dass ein Überangebot von günstigem Wohnraum herrscht, nur weil Häuser auf Freiflächen geworfen werden. Die Mietpreise werden in der Stadt auch nicht stabil bleiben, weil ein Bahnhofsgelände umgebaut wird oder eine Hafen-Brache zu einem Wohnquartier wird. Aber behaupten kann man es.

Günstig wohnen in Leipzig

Unter den deutschen Großstädten wohnt es sich nominell in Leipzig noch verhältnismäßig günstig. Was die durchschnittliche Mietbelastung betrifft, so befindet diese sich in Bezug auf Leipzig am unteren Rand. Nur rund 22% des Einkommens müssen für die durchschnittliche Nettokaltmiete von 6,11 €/m² aufgewendet werden. Nur Chemnitz ist unter den ostdeutschen Großstädten noch besser. Das klingt doch super, oder? Das fand auch die sächsische FDP. Und dann kommt der Pferdefuß.

Was Einkommen unterhalb der Armutsgrenze betrifft, was an sich ja schon eine bodenlose Unverschämtheit ist, dann sieht es schon nicht mehr so rosig aus. Dann nämlich befindet sich Leipzig im Mittelfeld mit 33% Mietbelastung. Das betrifft in Leipzig immerhin mehr als jeden fünften Haushalt. „Dann sollen die doch umziehen“, werden Sie sich vielleicht sagen. Aber wohin denn? In irgendwelche abbruchreife Buden? Denn wo auch immer jetzt in Leipzig gebaut wird, dort fallen Mietpreise von um die 10 €/m² an. So günstig ist das dann nun nicht mehr.

Die deutsche Politik ist schuld

Natürlich: Ich vertrete die Meinung, dass gute Leistung auch gutes Geld kosten darf. So ist das auch mit guten Waren. Und so verhält sich das auch mit Immobilien. Wenn aber der Niedriglohnsektor von der deutschen Politik forciert, der soziale Wohnungsbau aber fallen gelassen wird, dann kann man nicht behaupten, dass die deutsche Politik die gleiche Auffassung vertritt wie ich. Oder glauben Sie, dass eine allein stehende Friseurin sich derzeit eine neue Wohnung suchen kann, ohne einen Herzkasper zu bekommen?

Die sächsische FDP kommt dann mit Einlassungen um die Ecke, frei nach dem Motto „Es geht darum, was man sich leisten kann“. Das ist aber unredlich. Wo kommen wir denn da hin, wenn ein Zwei-Personen-Haushalt eine Drei-Zimmer-Wohnung in Leipzig bewohnt und sich drei oder vier Mal überlegen muss, welche Ausgaben getätigt werden können und welche nicht? Das ist wie mit der Aussage „Im Prinzip sind die Preise nicht gestiegen“. Wo ist denn das Kaufhaus PRINZIP, wo diese Aussage stimmen könnte?

Leipzig ohne Vernunft

Die „Heldenstadt“, die „Stadt der friedlichen Revolution“ ist schon lange ohne Vernunft unterwegs. Sicher, im Durchschnitt soll der Verdienst hier um 100 oder 200 €/Monat höher sein als im sächsischen Durchschnitt. Ich kenne aber niemanden, der die Werte erreicht, von denen da in irgendwelchen Vergleichen die Rede ist. Trotzdem schickt man sich in Leipzig an, lieber zu klotzen statt zu kleckern. Man will eben Weltstadt sein. Dazu muss man die Menschen von sonstwo her locken. Das schafft man mit exklusiven Wohnungen und Spitzengehältern. Das erklärt auch das Niveau.

Die Stadt wird von außen als eine der attraktivsten Städte Deutschlands wahrgenommen. Aber eben nur von außen. Diejenigen, die ihr ganzes Leben oder einen Großteil davon in Leipzig verbracht haben, sehen das irgendwie anders. Ich habe es bereits mal anklingen lassen: Leipzig hatte immer den Charm des Unfertigen. Leipzig ging gern mal als „Dorf“ durch. Dieser Wandel, bei dem lange nicht alle mithalten können, steht der Stadt nicht gut zu Gesicht. Und so wird Leipzig eben richtig unvernünftig.

Man baut Wohnpaläste und schreibt „exklusiv“ dran. Das können sich immer weniger Menschen hier leisten. Dieses Segment des Wohnungsmarktes ist nicht verknappt worden. Es sind die „normalen“ Wohnungen und der soziale Wohnungsbau, was enorm leidet und verknappt wurde. So kommt es dann vielleicht immer mehr dazu, dass man wieder in irgendein verschrobenes Loch irgendwo im Nirgendwo zieht, wie das schon mal in den Neunzigern stattfand. Aber im Prinzip ist alles in bester Ordnung.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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