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Leipziger Volkszeitung: Stellenabbau für nichts

Zugegeben, „für nichts“ ist etwas drastisch formuliert. Aber bei der Leipziger Volkszeitung wird es drastische Einschnitte geben. Der Eigentümer Madsack geht mit dem Stahlbesen durch die Reihen des traditionsreichen Leipziger Verlagshauses. Und das kann dem Verlag nicht gut tun.

Damit verliert die Medienstadt Leipzig immer weiter an Bedeutung. Es würde mich nicht wundern, wenn die Mediengruppe Madsack das Blatt über kurz oder lang einstellt. Nach den Entwicklungen, die bekannt wurden, wäre das zumindest nicht ungewöhnlich.

Der Deutsche Journalisten-Verband meint, dass bei der Leipziger Volkszeitung derzeit 165 Redaktionsmitarbeiter beschäftigt sind. Bis Ende 2015 soll diese Zahl auf 90 schrumpfen. 75 Stellen fallen also weg, ein Rückgang von knapp 50%. Dieser tolle Plan nennt sich „Madsack 2018“. Wie der Abbau vonstatten gehen soll, hat der freie Journalist Daniel Große in seinem Artikel aufgeschrieben.

Wenn man nun den Ausführungen von Daniel Große weiter folgt, dann kommt man nicht umhin festzustellen: Qualitätsjournalismus kann so nicht mehr stattfinden. Es ist ein alarmierendes Zeichen für die gesamte Medienstadt. Aber das ist dem Hannoverschen Eigentümer Madsack wahrscheinlich egal. Man kann sich auch kaputt sparen. Und das darf man als Leipziger, der an Nachrichten interessiert ist, durchaus kritisieren.

Ich meine, wie ist denn auch das Online-Angebot der Leipziger Volkszeitung aufgebaut? Man könnte fast vermuten, dass man eine leere Webseite öffnet, wenn man die Seite mit aktiviertem Werbeblocker aufruft. Schauen Sie mal, welches Bild sich aktuell bietet:

Startseite von lvz-online.de "Above the fold" - Screenshot Henning Uhle
Startseite von lvz-online.de „Above the fold“ – Screenshot Henning Uhle

Nicht weniger als 10 Werbedinge sind dort aktuell zu sehen. 10 Stück im Vergleich zu 3 Artikeln auf der Startseite. Das alles im Bereich „Above the fold“. Der Bereich ist aus der Zeitung bekannt: Über dem Falz. Also dort, wo die ganz großen Überschriften stehen, damit die Leute die Zeitung kaufen. Im Online-Bereich nennt man „Above the fold“ den Bereich, der ohne Scrollen sichtbar ist. Und das ist für ein namhaftes Haus wie die LVZ ein Armutszeugnis sonders gleichen.

Ich würde davon ausgehen, dass künftig der regionale Anteil im Angebot der Zeitung schrumpfen wird, weil – soweit ich las – ein entscheidender Teil der Zeitung künftig in Hannover produziert wird. Deshalb braucht man ja auch weniger Leute. Damit disqualifiziert sich aber die Zeitung selbst als Informationsmedium für die Region Leipzig und darüber hinaus. Und nach dem, was ich bei Daniel Große las, glaube ich nicht, dass meine Meinung, die LVZ sollte vielleicht mit Leipziger Blogs zusammenarbeiten, real werden kann.

Es ist schade um die Journalisten, die dem Rasenmäher zum Opfer fallen werden. Es ist schade um die Informationsvielfalt und um die Leser. So wird das in jedem Fall nichts mehr mit journalistischer Tätigkeit im größten Verlagshaus der Region Leipzig.

Bildquelle: Rangeln um Arbeit – (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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