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Liebe Bundesregierung, warum ist das so?

Liebe Bundesregierung, ich habe da mal ein paar Fragen. die drängen sich einfach auf, weil ich als Vater meinen Pflichten nachkommen muss und meiner Tochter die Welt erklären muss.

Mir ist klar, dass die Bundesregierung einen Teufel tun wird, diesen Artikel zu lesen. Vielleicht aber doch? Jedenfalls habe ich es dann wenigstens versucht.

Liebe Bundesregierung, ich bin Familienvater und arbeite in der Informationstechnologie, also in der IT. In der Branche wachsen freilich die Bäume auch nicht mehr in den Himmel, das ist klar. Vor längerer Zeit, als ich in meiner Firma anfing, war ich stolz auf mein Monatsgehalt. Warum ist es so, dass mein Gehalt nun nicht mehr für die Butter aufs Brot ausreicht?

Die Lebenshaltung steigt schneller, als man atmen kann. Selbst mit zwei Einkommen reicht es nicht, um ein komfortables Leben zu gestalten. Das liegt aber nicht unbedingt nur an den Einkommen an sich, obwohl die sicher – wie überall – höher sein könnten. Nein, es liegt an ganz profanen Dingen:

  • Es gibt so Standard-Medikamente. Diese sind teilweise in etwa um 50% teurer geworden. Viele Medikamente bekommt man nicht mehr auf Rezept, sondern muss man selbst kaufen. Wer dafür kein Geld hat, hat eben Pech.
  • Nahrungsmittel sind durch die Bank weg teurer geworden. Viele behaupten ja, das läge am Biosprit, am E10. Sie kennen sicher die Diskussion „Teller gegen Tank“. Wenn Futter für die Tiere knapp und daher teuer wird, wird dann natürlich die dann produzierte Wurst teuer. Wenn Pflanzen lieber vertankt werden, kann daraus weniger Margarine hergestellt werden. Da muss man kein Experte sein: Weniger Angebot steigert die Preise.
  • Ominöserweise steigen die Spritpreise immer weiter, ohne dass dafür ein wirklicher Grund vorliegt. Ihr sagt uns, dass es keine Preisabsprachen gäbe, obwohl alle Konzerne gleichzeitig die Preise anheben. Wo kein Wettbewerb ist, gibt es keine seriösen Preise.
  • Dann fahr doch mit der Bahn! Nur ist die auch erheblich im Preis gestiegen, weil die Strompreise so sehr gestiegen sind. Das ist ja auch der Grund, warum ich in etwa 60% mehr Geld für die Stromversorgung zahlen muss, ohne dass ich mehr Verbrauch habe, wenn ich auf die Zeit vor Jahren blicke.

Die Liste kann man beliebig weiterführen, liebe Bundesregierung. Es ist bei jedem Lebensaspekt so, dass die Preise gestiegen sind. Und zwar teilweise erheblich. Ihr erzählt uns, dass die Inflation bei – weiß nicht – 3% liegen würde und dass das nicht weiter schlimm ist. Selbstverständlich ist das schlimm.

Warum müssen denn immer nur die Preise steigen? Warum können sie nicht mal fallen? Und wenn die Preise schon immer nur steigen, warum steigen die Einkommen nicht mindestens genauso stark? Und warum erzählt Ihr in Euren Inflationsberechnungen immer irgendwas davon, dass in dem Einkaufskorb generell Autos, Häuser, Aktien mit dabei sein müssen? Wer kauft sich denn jedes Jahr ein neues Auto? Es ist ja auch selbstverständlich, dass man sich jedes Jahr ein neues Haus kauft. Und Aktien schafft man sich ja auch pausenlos an.

Nein, macht man nicht. Ein Deutscher kauft sich alles X Jahre mal ein ein neues Auto, oft einen Gebraucht- oder Jahreswagen. Und wer sich ein Haus kauft, der macht das einmal im Leben, nicht jedes Jahr. Und Aktien? Man liest und hört ständig, dass die Klein- und Privatanleger (also solche wie ich) dem Markt fern bleiben.

Rechnet also solche Posten aus Eurem Warenkorb heraus, dann werdet Ihr sehen, wie dramatisch die Preise gestiegen sind. Beispiele gefällig?

  • Tomapyrin Classic Kopfschmerztabletten 20 Stück: Vor 2 Jahren 4,85 €, in der gleichen Apotheke dieser Tage: 6,82 €. Preissteigerung: 40,6%
  • eingeschweißte Wurst 200 g Packung: letztes Jahr 0,85 €, die gleiche Wurst im gleichen Supermarkt letzte Woche: 1,09 €. Preissteigerung: 28,2 %
  • Super-Benzin innerhalb der Ökosteuer: vor 3 Jahren 1,399 €/l, gestern an der gleichen Tankstelle: 1,739 €/l. Preissteigerung: 24,2 %
  • Einzelfahrkarte der Leipziger Verkehrsbetriebe für 1 Stunde: Vor wenigen Jahren 1,70 €, zurzeit 2,20 €. Preissteigerung: 29,4 %
  • Waschmittel irgendeiner Marke: Vor 2 Jahren 7,49 €, das gleiche Waschmittel in der gleichen Größe letzte Woche: 10,49 €. Preissteigerung: 40,1 %

Auch diese Liste kann man beliebig fortsetzen. Mein Einkommen stieg in den letzten Jahren zwar auch, aber weit, weit weniger stark als die Preise.

Tja, und da ist schon lange kein Platz mehr, um fürs Alter vorzusorgen. Wenn man sich entscheiden muss, ob man etwas isst oder etwas auf die hohe Kante legt, fällt die Entscheidung leicht. Man deckt halt lieber den Tisch.

Liebe Bundesregierung, ihr prahlt immer damit, dass es Deutschland vergleichsweise gut geht. Und wer meinen Blog verfolgt, der weiß, dass ich eine ähnlich Meinung vertreten habe. Und es ist auch so. In vielen Teilen dieser Welt ist es schlimmer zu leben. Aber das ist doch ein fauler Vergleich.

Ich werde hier das Gefühl nicht los, dass diese immensen Preissteigerungen bei den so genannten Waren des täglichen Bedarfs von der Politik klaglos angenommen werden, weil man durch die höheren Einnahmen bei der Mehrwertsteuer den Staatshaushalt sanieren kann. So muss man nicht ernsthaft über Reichensteuer und Spitzensteuersatz und ähnliches nachdenken.

Ist das so? Dann bedient ihr euch also doch an den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft. Denn die Armen in unserer Gesellschaft können es sich oft nicht leisten, zum Metzger um die Ecke oder zum Bäcker um die Ecke zu gehen. Die müssen zu Supermärkten oder Discountern. Und gerade dort sind die Preise über die Maßen gestiegen. Der Metzger und der Bäcker können sich solche Preissteigerungen gar nicht so leisten, weil sie sonst schließen können.

Ihr redet einem die Ohren voll, dass man dies tun müsse und jenes tun kann. Habt Ihr Euch mal gefragt, wie man das als Familie bezahlen soll? Wie gesagt, man zieht im Zweifelsfall immer den gedeckten Tisch vor.

Man hat auch als einfacher Mensch die dumme Ahnung, dass der deutschen Politik die Lebenserhaltung des Euro und der notleidenden Staaten viel wichtiger ist als ein würdiges Leben der Bürger im eigenen Land. Das mache ich nicht am Wurstpreis fest. Aber ich mache es an folgendem fest: Ihr engagiert Euch für den ESM und alles, was dazugehört. Würdet Ihr Euch nur halb so viel dafür engagieren, dass die Preise – sagen wir mal – stabil bleiben, weil die Löhne und Gehälter eben auch nur stabil sind, dann wäre für Deutschland schon viel gewonnen und der einfache Bürger würde sich nicht so ausgenommen vorkommen.

Aber, liebe Bundesregierung, das interessiert Euch ja alles nicht. Stimmt’s? Und warum ist das so?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 thoughts to “Liebe Bundesregierung, warum ist das so?”

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