Meckerer in die Wüste

Thilo Sarrazin wird wohl nun abberufen. Er wird wohl direkt in die Wüste geschickt. Und das, weil er gemeckert hat. Wie ich bereits schrieb, fand ich die Art und Weise der Äußerungen auch nicht korrekt. Und ich fand auch, dass hier Konsequenzen folgen müssen. Nun sind diese wohl im Anmarsch.

Ja, wir brauchen eine sachliche Integrations-debatte. Nicht umsonst spricht Bundespräsident Wulff von versäumten Anstrengungen bei der Integration und dass mehr getan werden muss.

Aufgrund dieser Äußerung wirft der Berliner Innen-senator Ehrhart Körting dem Bundespräsidenten vor, die Bundesbank dazu ermuntert zu haben, sich von ihrem Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin zu trennen. „Für noch skandalöser halte ich, dass der Bundespräsident als derjenige, der über die Abberufung Sarrazins neutral und unabhängig entscheiden soll, sich vorher schon äußert und die Bundesbank ermuntert, tätig zu werden“, sagte er n-tv.

Körting sprach von einer problatischen Hexenjagd auf Sarrazin. Der Bundesbank warf er vor, den Fall noch gar nicht geprüft zu haben. Körting legte Sarrazin nahe, von selbst aus der SPD auszutreten. Sarrazin wäre gut beraten, Privatier zu werden und nicht Mitglied einer Partei.

Sarrazin hat das Land gespalten. Es gibt nicht wenige, die meinen, dass er Recht mit seinen Äußerungen hat. Aber selbst wenn das so wäre, gibt ihm das noch nicht das Recht, in einer solchen Art und Weise loszuledern. Als Mann der Öffentlichkeit muss er meiner Ansicht nach den guten Ton bewahren.

Die Bundesbank hat gestern einstimmig entschieden, dass Bundespräsident Wulff Thilo Sarrazin aus dem Vorstand abberufen soll. Mit sofortiger Wirkung wurden die Ressortzuständigkeiten neu verteilt, so dass Sarrazin ohne Geschäftsbereich bleibt. Bislang war Sarrazin für die  Bereiche Revision, Risiko-Controlling und Informationstechnologie  zuständig gewesen.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf dich warten:

Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel ließ erklären: „Die Bundeskanzlerin hat die unabhängige Entscheidung des Bundesbankvorstandes mit großem Respekt zur Kenntnis genommen.“

Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel: „Es ist eine konsequente Entscheidung.“

Grünen-Chefin Claudia Roth: „Das war überfällig. Bundespräsident Wulff muss nun schnell handeln, um der diskriminierenden Ausgrenzung von Muslimen, Juden und sozial benachteiligten Menschen, die Sarrazin betrieben hat, entgegenzuwirken.“

Der Berliner SPD-Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, der mit integrationskritischen Analysen bundesweit für Aufsehen sorgte: „Wenn jemand wegen umstrittener Thesen mit einem Berufsverbot belegt wird, geht das den Menschen gehörig gegen den Strich. Es gibt bei uns immer noch die Meinungsfreiheit.“

Der frühere Bundestags-Vizepräsident Burkhard Hirsch (FDP): „Wenn ich Firmenchef wäre und er mein Mitarbeiter: Ich würde ihn rauswerfen. Denn jede Firma ist auf das Vertrauen ihrer Kunden und der Öffentlichkeit angewiesen, das durch solche Äußerungen gestört wird.“

Hessens SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel: „Herr Sarrazin hat mit seinen unerträglichen Äußerungen dem Ansehen der Bundesbank großen Schaden zugefügt. Deshalb ist der Antrag vollkommen berechtigt.“

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat: „Das ist ein eindeutiges Signal gegen die menschenverachtende Diffamierungspolitik von Herrn Sarrazin.“

Die internationale Presse kommentiert diesen Schritt auch, wie der Spiegel zusammengetragen hat.

Aus dem Bundespräsidialamt stammt dann noch diese Mitteilung: „Nach Eingang des Antrages des Vorstandes der Deutschen Bundesbank auf Abberufung von Dr. Thilo Sarrazin als Mitglied des Vorstandes wird der Bundespräsident diesen prüfen. Bis zum Abschluss der Prüfung kann der Bundespräsident nicht Stellung nehmen.“

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