Kennt ihr die Mecklenburgische Seenplatte? Ich war da schon mal als Kind. Und jetzt wieder, wie ich neulich schrieb. War das wieder schön! Ja, ihr kennt solche Hach-Äußerungen eher weniger von mir. Aber was soll ich denn machen, wenn es exakt so war? Oben seht ihr einen Teil vom Krakower See, fotografiert vom Aussichtsturm auf dem Jörnsberg bei Krakow am See am Südzipfel des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommerns. Und wir haben es genossen.
Die Mecklenburgische Seenplatte
Wer denkt, dass Mecklenburg außer plattem Land nicht viel zu bieten hat, hat sich geschnitten. Die Mecklenburgische Seenplatte zum Beispiel entstand in der Weichsel-Kaltzeit vor vielleicht 20000 Jahren. Es entstanden beim Rückzug des Inlandseises Urstromtäler, aus denen dann mit der Zeit die Seen entstanden. Am bekanntesten ist sicherlich der größte innerhalb Deutschlands existierende Binnensee, die Müritz.
Man kann sagen, dass sich dieses Gebiet in West-Ost-Richtung von Ratzeburg in Schleswig-Holstein bis Eberswalde in Brandenburg erstreckt, von Nord nach Süd ist es etwa Güstrow, der Hauptstadt des Landkreises Rostock, bis zur Prignitz in Brandenburg. Unzählige Seen, unfassbare Natur, kleine Städte und Dörfer, viel Natuschutz, Vögel und eine überall fühlbare Pausentaste machen die Gegend aus. Und wir waren nahe Krakow am See.
Genauer gesagt, haben wir einen Bungalow in einem kleinen Dorf namens Möllen angemietet. Der steht auf einem Grundstück am Möllener See, einem Seitensee des Krakower Sees. Rundherum ist alles Natutschutzgebiet. Man hört, wie sich die Vögel balgen und unterhalten. Das erdet ungemein. Das ändert sich auch nicht, wenn man größere Städte in der Region besucht, wie Güstrow oder auch Schwerin. Plötzlich bist du wieder Kind, wenn du schon mal da warst.
Kindheitserinnerungen
Ja, ich habe schon mal als Kind die Mecklenburgische Seenplatte besucht. Damals mit meinen Eltern. Wir hatten einen Wohnwagen auf einem Campingplatz zwischen dem Breiten Luzin und dem Feldberger Haussee in der Feldberger Seenlandschaft. Zwischen hohem Schilf trieb ich mich als Achtjähriger damals herum. Und ich hatte damals beim erfolglosen Angeln mit meinem Vater die mit Abstand beste Zeit. An sowas erinnerst du dich halt und wirst sentimental.
Du erinnerst dich, wie dein Vater auf dem Bauernhof nahe dem Campingplatz frisch gelegte Eier geklaut hatte und Camping-Nachbarn Geld geboten hatte, um ihnen Fische abzukaufen, damit die Mutter uns nicht wegen unserer Erfolglosigkeit auslacht. Das war eine großartige Zeit in den paar Sommern, in denen mein Vater den Wohnwagen von seinem Betrieb anmieten konnte. Das bleibt für immer, egal wie dann das Verhältnis zu ihm wurde. Und dann hockst du mit 52 Jahren auf nem Kahn, und dir fällt das wieder ein.
Eine unvergessliche Zeit
Jeden Morgen, wenn du mit deiner Kaffeetasse aus dem Bungalow trittst, wurdest du von Vogelgezwitscher empfangen. Der Anblick haut dich jedes Mal um, wenn du aus der Großstadt kommst. Wir haben einiges gesehen, als wir die Mecklenburgische Seenplatte erkundet haben. Wir waren auf dem Jörnberg und auf dem dortigen Aussichtsturm, haben Plau am See gesehen, Waren an der Müritz, Schwerin und Güstrow. Es war sensationell.
Und wie so ein paar Touris sind wir auf Schiffen auf dem Krakower See und auf der Müritz herum geschippert. Gerade auf den Schiffen kamen mir die Kindheitserinnerungen. Wir haben Unmengen an Fisch gegessen und waren in einem litauischen Restaurant. Na klar, wir waren auch am Schweriner Schloss mit seinem unfassbaren Garten. Es war eine Zeit, in der wir irgendwie zu uns gefunden haben. Diese Zeit kann uns niemand mehr nehmen. Und wir kommen mal wieder dorthin.
Man fährt doch in kein Nazi-Land
Ich kann es euch nicht ersparen. Wir müssen natürlich auch über Rechtsradikale reden. Was wird da alles behauptet! Und natürlich weiß ich von den Umfragen. Aber so, wie ihr – vor allem die, die die Mecklenburgische Seenplatte nicht mal ansatzweise jemals gesehen haben – das vielleicht denkt, ist es nicht. Bis auf wenige Ausnahmen waren alle Menschen in Mecklenburg-Vorpommern freundlich, offen, weltgewandt, alles andere als radikal und erst recht keine Nazis.
Das litauische Restaurant wird von Litauern geführt und betrieben. In Güstrow sahen wir eine bunte Gesellschaft in allen Farben und mit allen möglichen Religionen. Ja, nahe unseres Bungalows weht eine Reichsflagge. Und ja, im Imbiss an einer Strandpromenade ist einer Tellerwäscher, der gern ein schwarzweißes T-Shirt mit Frakturschrift trägt. Aber sonst? Keine Spur von doofen Menschen, das müsst ihr mir unbedingt glauben. Radikale haben dort keine Überhand, das ist einmal Fakt.
Spart euch also eure Besserwisserei. Wir haben es doch gesehen. Es mag sein, dass es an der Urlaubsregion Mecklenburgische Seenplatte liegt. Die Mosel ist aber auch eine ausgewiesene Urlaubsregion, und da waren die Menschen weniger offen als dort. Wir kennen beides, wie ihr wisst. Also könnt ihr getrost eure Vorurteile steckenlassen. Der Einfluss der AFD muss an etwas anderem liegen, nicht an Rechtsradikalismus. Und damit ist das Thema durch.
Fahren wir wieder hin?
Die Mecklenburgische Seenplatte hat extrem viel zu bieten. Natürlich sind es die unfassbar vielen Seen. Aber es ist auch die andere Natur, also die Wälder, die Weiten, die hügelige Landschaft. Wer nach einer Periode des Arbeitens im Affenzahn einfach der Welt den Stecker ziehen will, kommt eigentlich gar nicht unhin, einmal dort Urlaub zu machen. Aber spart euch Hotels. Sucht euch einen Bungalow oder ein Ferienhaus oder so. Das ist viel besser, als jedes überteuerte Hotel.
Wir haben es fest im Auge, wieder dorthin zu fahren. Natürlich können wir uns auch vorstellen, direkt wieder zu der älteren Dame zu fahren, die neben ihrem Haus diesen Bungalow stehen hat. Wir hatten komplett unsere Ruhe und konnten die Batterien aber sowas von wieder aufladen. Und Sonne haben wir auch jede Menge abbekommen. Es war halt einfach schön, so irgendwo im Nirgendwo in einer Gegend, die alle Welt willkommen heißt.







So einfach ist das nicht. Es stimmt: Ich war nie da. Muss ich auch nicht mehr. Mich erinnert dein Plädoyer an Thomas Gottschalk, der in irgendeiner alten Werbung davon redete, dass keiner McDonald’s mag und die „Restaurants“ trotzdem voll sind. Freut mich aber, dass du Spaß hattest und dich hoffentlich gut erholt hast.
Das sind schöne Aufnahmen und ich bin sicher, die Gegend muss wunderschön sein! Ein paar mal hat es mir im Kopf rumgespukt, dort mal Urlaub zu machen, da muss ich nur noch den Mann ein bisschen bearbeiten.
Ich denke, spätestens wenn Enkel da sind, wird das ein Ziel sein!
Freut mich, dass du so eine schöne Zeit hattest und keinerlei Kontakt zu irgendwelchen Radikalen hattest!
Liebe Grüße aus dem Mausloch
Sabine
Hallo Sabine,
es lohnt sich tatsächlich, dort mal Urlaub zu machen. Eigentlich wollte ich das Thema Radikale gar nicht so ausdehnen. Aber ich bin dann ins Schwafeln gekommen. Mir ist jedenfalls bis auf „kleine Abzüge in der B-Note“ nichts aufgefallen.