Neue Harth: Naherholung und Bergbau-Erinnerungen

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Südlich von Leipzig befindet sich das Waldgebiet Neue Harth. Das entstand auf dem ehemaligen Bergbau-Abraumgelände des Tagebaus Böhlen. Ich habe aus früheren Tagen noch ganz andere Erinnerungen an das Gelände. Damals war es lange nicht so friedlich wie heute. Und weil das so ist, möchte ich gern mal meine Erinnerungen aufschreiben, die die Neue Harth betreffen.

Was ist die Neue Harth?

Eine Harth ist ein bewaldeter Hang oder ein Bergwald. Jetzt ist der Gebiet rund um Leipzig nicht unbedingt als bergig bekannt. Aber dennoch gab es in früherer Zeit eine Harth, eine bewaldete Erhöhung südlich von Leipzig. Die befand sich früher zwischen den Ortschaften (im Uhrzeigersinn, von Nordost begonnen) Gaschwitz, Debitzdeuben, Großdeuben, Probstdeuben, Stöhna, Zeschwitz, Zwenkau und Prödel.

Die Harth mit dem Gasthof zur Deutschen Eiche, Zeschwitz – Urheber nicht zu ermitteln. Gemäß Rückseite der Karte 1910 gelaufen – via Wikimedia Commons

Und dann kam der Tagebau. Zuerst wurde das südlich gelegene Zeschwitz 1943 abgebaggert. In der Folge baggerte der Tagebau zwischen 1960 und 1970 das gesamte Gebiet, auch mit der durchführenden Bahnstrecke nach Meuselwitz, die westlichen Gebiete von Gaschwitz und Großdeuben, Teile von Zwenkau und schließlich Prödel mit der Pflegeanstalt für psychisch Kranke namens Hartheck, weg.

Die Auen verschwanden, die Flüsse wurden umgeleitet, und übrig blieb ein großes Loch. Durch dessen Flutung entstanden der Cospudener See und der Zwenkauer See. Und das beschädigte Gebiet wurden allmählich aufgeforstet und stellt wieder ein Mischwaldgebiet zur Naherholung dar. Angesiedelt hat sich der Freizeitpark Belantis. Und nichts erinnert mehr an die alte Harth.

Welche Erinnerungen habe ich?

Ich wuchs im Leipziger Stadtteil Connewitz auf. Ich fuhr leidenschaftlich gern Fahrrad. Und so erkundete ich auch den Südraum mit seinem Tagebau. Über Markkleeberg-Zöbigker fuhr ich damals am „Volksgut“ in die Prärie und war dann mitten im Tagebau. Gespenstische Riesen baggerten wie blöd den Dreck aus der Erde, es quietschte und rasselte.

Und irgendwo waren auch immer wieder Gleise. Zwischenzeitlich kamen die Züge mit der Kohle vorbei. Wenn man weiterfuhr, kam man irgendwo an den Imnitzer Teichen bei Zwenkau heraus. Und dort fuhr man nach Norden durch ein Niemandsland. Wie aus dem Nichts tauchten ein Ortseingangsschild, ein Ortsausgangsschild, eine verfallene Kirche und eine Bushaltestelle auf. Das war der Rest der Kleinstadt Eythra.

In den Neunzigern wohnte ich eine Weile mit meiner damaligen Freundin im südwestlichen Stadtteil Knauthain. Wenn der Wind günstig stand, konnte man das schwere Gerät bei Hartmannsdorf quietschen und rammeln hören. Ab und zu sind wir zur Abbruchkante an der Erikenstraße gelaufen. Und irgendwann sind wir weggezogen.

Mittlerweile mäandert die Weiße Elster zwischen Cospudener See und Knauthain / Knautkleeberg umher. Die Pleiße auf der anderen Seite kann immernoch keine Sümpfe wieder bilden, weil sie so enorm begradigt wurde. Nachdem 1998 Schluss war mit dem Tagebau, rekultiviert man das Gebiet. Und es wird schöner als ursprünglich gedacht.

Heutiger Zustand: Neue Harth

Die Neue Harth befindet sich zwischen (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend) Markkleeberg-Zöbigker, Markkleeberg-Gaschwitz, Großdeuben, Zwenkau, Zwenkauer See, Freizeitpark Belantis, Leipzig-Hartmannsdorf und Cospudener See. Mittendurch führt die Autobahn A38. Eingefasst wird sie östlich von der Bundesstraße B2 und westlich von der Bundesstraße B186.

Die Tagebaue Cospuden, Böhlen und Zwenkau sind weg. An der A38 gibt es einen „Bergbau-Technikpark“. Man gibt sich Mühe. Aber der Grundwasserspiegel in der Neuen Harth steigt seit 2016, sodass Vegetation auch wieder abstirbt. Der angebaute Mischwald ist zum großen Teil tot. Und eine Entwässerung ist für die Tagebau-Nachfolgegesellschaft LMBV unrentabel.

Gleichwohl gibt es einen Zweckverband in Leipzig, der die Neue Harth weiterentwickeln will. Es gibt auf der Bistumshöhe einen „Drei-Städte-Stein“ an der Grenze zwischen Leipzig, Markkleeberg und Zwenkau und ein Gehege für Bisons. Das Bistum selbst, ein Waldgebiet, fiel ebenfalls den Tagebauen zum Opfer.

Es geschieht also etwas, damit außer Schlamm und Seen noch mehr zu erleben ist. Die Natur wurde jahrzehntelang schwer beschädigt. Man muss sich darum kümmern, dass wieder etwas repariert wird. Darum ist es wichtig, dass man sich um so etwas wie die Neue Harth mit großer Anstrengung kümmert. Finden Sie nicht auch?

Der Markkleeberger See
Der Störmthaler See
Der Bahnhof Zwenkau

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