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Neue Scheine braucht das Land

Man sagt sich hier und da: Wenn man sich nicht mehr wohl fühlt, einfach mal malern. Offenbar sagt sich das Europa zurzeit auch, denn es soll neue Banknoten geben. Frei nach dem Motto von Ina Deter: “Neue Männer braucht das Land”.

Die Tagesschau berichtete, dass schrittweise die bisherigen Banknoten der Eurozone aus dem Verkehr gezogen werden und durch neue ersetzt werden sollen. Vom Aussehen her sollen sich die Neuen gar nicht so sehr von den Alten unterscheiden. Die Neuerungen stecken im Details, denn es sollen neue und vermutlich bessere Sicherheitsmerkmale eingeführt werden.

Aber löst das auch nur eins der prekären Probleme der Eurozone? Schützt man Europa davor, dass die Währung weiter zerfällt? Nein, nicht ein Aspekt der Euro-Krise wird damit gelöst. Und das sollte auch klar sein. Und es ist wohl damit auch klar, dass man mit dem neuen Anstrich versucht, neuen Schwung in den gebeutelten Euro zu bringen.

Aber wird das am Ende den Euro wieder stabilisieren? Durch die neuen Sicherheitsmerkmale wird er wohl hauptsächlich fälschungssicherer. Eine bessere Währung wird er aber nicht. Und ich habe die leise Befürchtung, dass damit die bestehenden Probleme lediglich auf die lange Bank geschoben werden. Denn man wird sich wohl hinstellen und irgendetwas von psychologischen Effekten wegen der neuen Banknoten erzählen. Und dann, Monate später, wird man feststellen, dass das Euro-Gebilde weiterhin fragil ist und die Probleme weiterhin bestehen.

Man kann aber trotzdem erst einmal Horden von Sprayern losschicken, die an jede Wand sprühen: “Neue Scheine braucht das Land”.

Es gibt im Übrigen nicht wenige, die der Meinung sind, dass die Euro-Zettel gar keine Banknoten seien. Das Wort Banknote, Wertangabe (Nennwert / Nominalwert / Kurswert), Seriennummer , der Name des betreffenden Staates als Hoheitsträger, der genaue Ausgabeort (Sitz der ausgebenden Notenbank), das genaue Ausgabe-Datum, zwei Unterschriften (Präsident der Notenbank und sein Stellvertreter), Strafrechts-Klausel (Hinweis auf die Strafbarkeit des Fälschens) und Sicherheits-Merkmale – das alles ist nach Meinung von diversen Leuten maximal unzureichend auf den Scheinen vorhanden.

Wäre das wirklich der Fall, hätte Europa die ganze Zeit mit Spielgeld bezahlt. Und dann kann man nicht einmal die wilde Zockerei verurteilen. Europa wäre dann quasi ein Casino. Nicht auszudenken, wie man diese Gedankengänge weiterspinnen könnte. Aber wir machen erstmal das mit den neuen Scheinen.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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