Skip to main content

Neues aus Euro-Absurdistan

Wenn man die Zustände in seiner Umgebung nicht mehr nachvollziehen kann, sagt man schnell “Willkommen in Absurdistan!” – So kann man auch derzeit über die Euro-Zone denken. Donnerstag und Freitag soll nun der Euro-Krisengipfel steigen, und vorher werden allerlei Nachrichten gestreut.

Weihnachtliche Wall Street - morguefile free photo

Gestern erst habe ich über den gesenkten Daumen von S&P geschrieben, heute geht das Poltern der edlen Herren munter weiter. Waren es gestern der ESFS und ganze Volkswirtschaften, macht man heute die Prophezeihung komplett und sieht sich in der Rolle der Erleuchteten, also eine neue Illuminaten-Vereinigung.

In Deutschland stehen nun seit heute die Commerzbank und die Deutsche Bank unter “Beobachtung”, und nicht mal vor der Kreditanstalt für Wiederaufbau macht man halt. Auch hier droht apokalyptisches Ungemach, wenn man S&P glauben darf.

So attackiert S&P sich lustig durch Europa. Ob das jemand maßlos übertrieben findet oder jemand den Ratingagenturen Einhalt gebieten möchte, interessiert dabei nicht die Bohne. Es ist einzig und allein wichtig, dass die richtigen Empfänger, nämlich die Devisenhändler, so meine Meinung, erreicht werden.

Nun ja, jetzt zur Weihnachtszeit hat das ganze Gebahren von S&P den Anschein, als wollten sich die Leute dort in einem doppelten Spiel üben: Für die USA spielen sie den Weihnachtsmann und nach Europa kommen sie mit einer dicken Rute.

Ein Euro-Pokal - morguefile free photo

Ich glaube, dass hier das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist. Schließlich soll Frankreich um 2 Stufen herabgestuft werden. Und morgen beginnt der Gipfel um den Euro.

In Brüssel finden sie sich nun wieder zusammen, die Staatslenker und Finanzregenten der Eurozone. Mittendrin wird sich auch die geheime Doppelspitze, Merkozy (also Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, Wortschöpfung bei n-tv gefunden), wieder beweisen müssen. Und es ist keineswegs gesagt, dass am Ende des Gipfels sicher ist, dass es den Euro in naher Zukunft noch geben wird.

Es hat ganz stark den Anschein, als müsste der Gipfel scheitern. Es gibt einige Beobachter, die genau dies prophezeihen, denn zu viele Positionen sind zu unterschiedlich und werden noch dazu zu vehement verteidigt. Trotzdem haben Merkozy schon angekündigt, dass beide den Gipfel nicht verlassen werden, ohne dass eine tragfähige Vereinbarung geschlossen wurde.

Dazu kann ich vom jetzigen Standpunkt her nur orakeln, dass Carla Bruni samt pétit Sarkozy und Joachim Sauer wohl Weihnachten allein feiern müssen. Vielleicht trifft man sich zum gemeinsamen Feiern.

Nebenbei kommen jetzt auch noch Diplomaten und die immer wieder gern zitierten “gut informierten Kreise” um die Ecke und prognostizieren schon vor Beginn des Gipfels eine Verlängerung desselben oder sogar einen Parallelgipfel.

Eurobanknoten - keine Werbung - aus Wikipedia

Was soll denn dieser Unfug? Parallelgipfel! Es soll tatsächlich Staaten der Eurozone geben, die sich weigern wollen, den EU-Vertrag zu ändern, und das tiefgreifend und umfassend. Na dann eben nicht, aber dann sollen sie eben auch zusehen, wo sie bleiben. Das Problem ist eben nur, dass einer solchen Änderung nur durch alle Mitgliedsländer zugestimmt werden kann. Und danach sieht es momentan nicht aus.

Nun kommen von der Bundesregierung Äußerungen zu der misslichen Lage. Einige “Akteure” hätten den Ernst der Lage nicht erkannt, wird da ins Rund gerufen. Ach was! Und Angela Merkel will sich dafür einsetzen, dass für Änderungen, den Euro betreffend, nur die Stimmen der 17 Euro-Länder, aber nicht aller 27 EU-Mitgliedsstaaten nötig sind. Und hier sehe ich großen Streit vorprogrammiert, aber Frau Merkel wird es schon richten.

Es sollen nämlich schwächere Staaten besser überwacht werden. Und von wem? Nicht etwa von einer Behörde, sondern von den starken Staaten. Außerdem sollen deutsch-französische Vorgaben gelten. Und dagegen wehren sich die Staaten. So ein Diktat kommt wohl nicht infrage.

Und so müssen wir abwarten, was der Gipfel bringt. Was er nicht bringt, ist ja schon klar: eine einheitliche Linie in Euro-Absurdistan.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.