Niedersachsen und die Wahl – Liberale Parteien

Gestern hat Niedersachsen gewählt. Und irgendwie sind die Prognosen der Wahlforscher gar nicht eingetreten. Man hat sich bei der einen oder anderen Partei relativ weit verrechnet. Und sie werden sich sicher sagen: Naja, bei Prognosen kann man sich schon mal vertun, Wahlergebnisse sind etwas völlig anderes.

Ich habe die Wahl nur am Rand verfolgt. Trotzdem muss ich mal eben ein paar Worte dazu verlieren.

Wählerin in einer Wahlkabine - (C) Alexander Hauk / www.alexander-hauk.de - BILD-BY via Wikimedia Commons
Wählerin in einer Wahlkabine – (C) Alexander Hauk / www.alexander-hauk.de – BILD-BY via Wikimedia Commons
Es gab eine wichtige Frage zu zwei Parteien: Was wird aus FDP und Piraten? Es sollte festgestellt werden, ob es auch nur eine der beiden in den Landtag in Hannover schafft. Das Ergebnis ist klar: Die FDP hat es noch einmal geschafft, die Piraten hingegen bleiben draußen.

Vor der Wahl hieß es von den Wahlforschern praktisch unisono: Die FDP wird es auf keinen Fall schaffen, die werden so um die 2% bekommen. Die Piraten könnten es schaffen, die werden so in etwa 4 – 6% einfahren. Und dann kam es ganz anders: Die FDP landete bei etwa 10%, die Piraten bei um die 2%. Hat man sich also einfach mal getäuscht.

Die Wahl hat zur Folge, dass man sich bei der FDP nun etwas Luft verschafft hat und eben diese bei den Piraten dünner geworden ist.

Warum nehme ich eigentlich gerade diese beiden Parteien her? Warum schreibe ich nicht über David McAlister oder sonstwen? Ganz einfach: Sowohl die FDP als auch die Piraten gelten als liberale Parteien. Erstere haben es sogar im Namen.

Die FDP hat es in Niedersachsen recht gut verstanden, ihre liberale Show durchzuziehen. Man hat es ihr einfach abgekauft, dass die schlingernde Partei die echten Liberalen sind. Die Piraten stattdessen haben einen Teil ihrer Kernthemen ein wenig in den Hintergrund geschoben und sind auf den liberalen Zug einfach mal aufgesprungen. Und das hat man der orangen Partei einfach nicht so sehr geglaubt.

Der Berliner “Tagesspiegel” bringt es mit ein paar Worten direkt auf den Punkt. Wahrscheinlich haben die Niedersachsen auch die Piraten als “Zeitgeistgruppe” und nicht als Partei gesehen. Und daher sieht das Berliner Blatt eine gewisse “Rückkehr zur Normalität“.

Bei Twitter hieß es gestern Abend dann zuhauf bei Piraten und Leuten, die ihnen nahe stehen, dass man sich doch nun bitte wieder auf “piratige Themen” konzentrieren soll und wieder reeller und viel bissiger werden soll.

Die Erkenntnis kommt spät. Aber sie kommt. Ob das zu spät ist, kann doch niemand ernsthaft wissen. Ich denke halt bloß, dass die Konzentration auf die Kernthemen der Piraten zwar richtig ist, aber der ständige Schlingerkurs der ambitionierten Partei genauso wenig gut tut wie die ständige Personaldiskussion.

Insofern glaube ich, es handelte sich in Niedersachsen um die Wahl, welche Politik glaubwürdiger ist. Der SPD hat sicherlich die Steinbrück-Diskussion geschadet. Aber alle Welt hat darauf gehofft, dass die Piraten der FDP die liberalen Wähler wegschnappen. Und genau das ist nicht passiert. Darum ist das Ergebnis entstanden, wie es die Niedersachsen seit dieser Nacht haben.

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