Peer Steinbrück – Durch Egozentrik ins Abseits

Hatten bei der Nominierung von Peer Steinbrück noch viele Beobachter eine große Koalition kommen sehen, so ist es jetzt völlig anders. Völlig anders deshalb, weil der Protagonist selbst diese Möglichkeit ad acta gelegt hat.

Ich habe noch nie sonderlich gutes Verhandlungsgeschick gehabt. Und ich würde nie und nimmer behaupten, ich wüsste darüber irgendwas, was sonst keiner weiß. Aber das, was Peer Steinbrück auf dem Parteitag der nordrhein-westfälischen SPD abgelassen hat, ist doch irgendwie ein Fehler gewesen. Und der wird dem eigentlich so brillanten Denker noch auf die Füße fallen.

Genau gesagt, hat er eigentlich zwei Fehler begangen. Er hat einerseits kategorisch ausgeschlossen, mit den Piraten oder den Linken zu koalieren. Was auf Länder- oder Kommunalebene funktioniert, ist eben auf Bundesebene nicht tragbar. Aber er hat auf der anderen Seite auch ausgeschlossen, mit der Union nach der nächsten Bundestagswahl eine große Koalition aus der Taufe zu heben. Damit hat er folgendes erreicht:

Er hat sich und die Bundes-SPD auf Gedeih und Verderb an die Grünen ausgeliefert mit der Hoffnung auf ein besseres Wahlergebnis als die derzeitigen Umfragen. Und er hat erreicht, dass sich die FDP kaputt lacht, weil sie wahrscheinlich unwahrscheinlich liebkost wird. Es ist ja kein Geheimnis, dass inzwischen nicht wenige eine Ampelkoalition SPD-Grüne-FDP für gut befinden würden.

Er hat es aber auch geschafft, dass er sich auf seifiges Geläuf begeben hat. Er ist damit nicht mehr so stark gegenüber Niedersachsen-Siggi. Sollte es z.B. bei der nächsten Bundestagswahl nicht so kommen, dass die SPD stärkste Kraft wird, kann er mit niemandem koalieren. Und wäre damit abgemeldet. Wenn aber die SPD stärkste Kraft wird und es rein rechnerisch nichts anderes funktioniert als rot-rot-grün bzw. eine große Koalition, dann steht er ebenfalls ganz weit im Abseits.

Gabriel wird das sehr genau beobachten. Ich kann mir vorstellen, dass ihm die Äußerungen nicht so sehr geschmeckt haben. Aber vielleicht kommt noch alles anders. Die Menschenzeitung jedenfalls philosophiert bei der Aktion von Steinbrück über Egoismus, und sie hat dabei nicht ganz unrecht.

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