Privatfernsehen: Eine Grenzerfahrung

Da willst du auf einem Sender im Privatfernsehen einen spannenden Film sehen und bist heillos enttäuscht. Es handelte sich um einen Spielfilm, dem das Prädikat „Besonders wertvoll“ verliehen wurde. Wir haben uns darauf gefreut. Aber so richtiger Filmgenuss wollte einfach nicht aufkommen. Ich erkläre hier mal, warum. Es ist einfach kein Filmerlebnis mit dem Privatfernsehen. Und darauf möchte ich gern mal eingehen.

Habe ich etwas gegen das Privatfernsehen?

Wenn der Artikel hier begonnen hat, als würde ich über das Privatfernsehen schimpfen, dann ist das nicht ganz richtig. Es ist wichtig, dass es sowohl Öffentlich-Rechtliches Fernsehen, Pay TV und Privatfernsehen gibt. Und dazu nehmen wir auch noch die Streaming-Anbieter wie Netflix oder Amazon Prime. Alle müssen sich irgendwie finanzieren. Die Einen machen das über Gebühren und einem kleinen Anteil Werbung, die anderen über monatliche Beiträge und die dritten über einen ganzen Haufen Werbung.

Mir geht es aber um die Art und Weise, wie das mit der Werbung veranstaltet wird. Das stört mich schon immens auf einem deutschen Sportsender, auf dem ich immer mal wieder eine Talkshow über Fußball sehe. Gefühlt alle 15 Minuten ist dort Werbung, dazu wird pausenlos der Sponsor genannt. Jeder Furz „wird präsentiert von“ irgendwem. Und gestern bei dem Film war es ähnlich schlimm. Wohingegen bei der Talkshow ein Thema für die Werbung beendet wurde, ging der gesamte Handlungsfaden im Film verloren.

Alle 15 bis 20 Minuten wurde der Film für knapp 10 Minuten unterbrochen. Ehrlich, kann man so noch der Handlung folgen? Nur mal so: Der Sender lässt prinzipiell den Abspann weg, was ja nicht schlimm ist. Da fehlen bestimmt knapp 10 Minuten. Netto hat der Film 142 Minuten Spielzeit mit Abspann. Als Sendezeit waren aber 170 Minuten vorgesehen. Und abgesehen vom Abspann hatte ich das Gefühl, als ob irgendwas in der Handlung fehlen würde. Als ob der Film gekürzt worden wäre. 30 bis 40 Minuten Werbung, fehlender Genuss und dann noch eine gefühlte Kürzung? Das geht nicht in meinen Augen.

Wie könnte man es denn besser machen?

Ich verstehe ja, dass das Privatfernsehen Geld verdienen muss. Und das tun die Sender über Werbeeinblendungen. Aber gerade so ein Film, der auch einen Teil der deutsch-deutschen Geschichte beschreibt und auf Tatsachen beruht, darf nicht pausenlos unterbrochen werden. Dann sollen es die Sender doch wie im Kino machen: Zeigt die 30, 40 Minuten Werbung am Stück vor dem Film, aber unterbrecht ihn nicht. Sonst braucht ihr euch nicht zu wundern, wieso euch die Marktanteile wegbrechen.

Und bitte macht es nicht so wie der Sportsender, der zwischen den Werbeblöcken dann einfach mal das Bild verkleinert und eine elend große Werbung einfach mal los feuert. Bei so etwas muss sich niemand wundern, wieso die Öffentlich-Rechtlichen Sender, Pay TV und Streaming-Dienste so enorm beliebt sind. Wer die Handlung zerstört wie gestern bei dem Film oder die Leute durch zu viel Werbung vergrault wie der Sportsender, muss sich nicht wundern, wenn niemand mehr einschaltet.

Und was die Filmkürzungen betrifft: Der gleiche Sender, bei dem ich gestern gefühlt habe, der Film wäre irgendwie gekürzt, hatte mal vor Jahren einen Film gezeigt, der auch pausenlos durch Werbung unterbrochen war, dessen Ende und somit die Auflösung aber fehlte, weil sie irgendwie weggeschnitten war. Ich dachte, das hätte sich inzwischen geändert. Meine gestrige Grenzerfahrung zeigte mir aber, dass alle so geblieben ist wie vor Jahren. Es war ein Fehler, den Sender überhaupt einzuschalten.

Fazit

Ich hätte mich darüber gefreut, einen Film, der auf Tatsachen der deutsch-deutschen Geschichte beruht, zu sehen. Es wäre nicht der erste, nur eben nicht im Kino. Es wäre aber besser gewesen, wenn dieser Film im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen gezeigt worden wäre. Die aber haben es sonntags mit Krimiserien und Schmonzetten. Da hätte ein solcher Film nicht hingepasst. Es ist daher kein Wunder, wieso wir immer mehr das lineare Fernsehen verlassen und uns mit dem Streaming einrichten. Denn so einer Erfahrung wie gestern müssen wir nicht noch einmal haben.

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