Wie kommt eine „Hete“ dazu, sich eine Meinung über queeres Leben bilden zu wollen? Nach dem CSD in Berlin hört man viele Wortmeldungen dazu. Jetzt maße ich mir nicht an, in irgendeiner Weise etwas darüber zu wissen, wie es ist, schwul, lesbisch, trans oder, oder, oder zu sein. Wer diesen Blog kennt, weiß, dass ich ein stinknormaler Typ bin, der in einer ziemlich stinknormalen Ehe mit einer stinknormalen Frau lebt. Deshalb will ich nicht über „Hach, so und so ist es“ schwafeln. Sondern mehr das drumherum.
Wovon ich alles so nichts halte
Wie gesagt, ich kann mir kein Urteil darüber erlauben, wie queeres Leben so ist. Und ich möchte darum bitten, davon Abstand zu nehmen, mir den Mund verbieten zu wollen. Das ist nämlich eine der vielen Dinge, von denen ich in dem Komplex nichts halte. Ebenso wenig wie das Gebrabbel, dass ich „als Hete“ eh stinklangweilig und weniger wert sei. Oder dass „die Homos“ alls nicht ganz dicht seien. Das stimmt alles nicht, darum spart es euch.
Ich halte auch nichts davon, wenn jemand über Trans-Menschen geifert, dass die sich heute als Salatgurke und morgen als Lampenschirm identifizieren. Lasst diesen Schwachsinn. Oder sowas: „Die Lesben wurden nur noch nicht richtig gebumst“ bzw. „Die Schwulen haben noch nie ne richtige Frau gevögelt“. Unterlasst sowas einfach. Gesteht es jedem bitte einfach zu, so zu leben, dass die jeweilige Person glücklich und zufrieden ist. Können wir uns darauf einigen?
Ich halte nichts von solchen Attacken. Und gewalttätige Attacken sind das Allerletzte. In diesem Sinne: Können wir bitte mal alle abrüsten? Ich halte nämlich auch nichts davon, der Bundestagspräsidentin wegen der Weigerung, eine Flagge zu hissen, Protofaschismus zu unterstellen. Und wieso kommt ihr auf die Idee, Friedrich Merz ein Feigenblatt zu attestieren, weil er am Schauplatz des Anschlags aufgekreuzt ist und sichtlich angefasst ein paar durchaus wichtige Worte gesagt hat?
Wir können sicherlich über die Politik schimpfen und krakeelen. Dafür bin ich auch immer gern zu haben. Dass Politiker aber als Faschisten bezeichnet werden, ist ein gewaltiges Maß zu viel. Da gibt es nur eine Partei, bei der ich das durchgehen lasse. Alle anderen sind es halt einfach nicht. Alle respektieren queeres Leben, ob sie damit etwas anfangen können oder nicht. Deshalb halte ich von all diesen verbalen Grabenkämpfen überhaupt nichts. Und das werde ich nicht weiter rechtfertigen. Punkt.
Angriff auf queeres Leben
Ihr habt es ja sicherlich mitbekommen, dass ein deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln, der gewaltbereit war und als Sympathisant des Islamischen Staates bekannt war, einen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin verübt hatte. Der Täter ist mittlerweile tot. Er hatte ein längeres Vorstrafen-Register und wurde beobachtet. Dennoch konnte er mit einem Kleinbus in die Parade fahren und mit einer Machete auf Teilnehmende losgehen.
Ich bin ja der Meinung, dass man Dinge auch zu Tode ermitteln kann. Warum konnte ihm nicht beigekommen werden? Wie konnte das Alles passieren? Warum wurden Strafen ausgesetzt, sodass er immer weitermachen konnte? Und bevor die rechtsradikalen Sprücheklopfer irgendwas von sich geben: Islamismus wie in dem Fall ist im politischen Spektrum etwa da, wo auch die Rechtsradikalen sitzen. Also zumindest sehe ich das so, und ich mache es mir bewusst einfach.
Ich bin so aufgewachsen, dass idealerweise jedem Menschen die Möglichkeit gegeben werden sollte, im Rahmen der Gesetze nach der eigenen Fasson zu leben. Queeres Leben hat nicht immer die Entfaltungsmöglichkeit. Und durch so einen Anschlag wird einem das immer wieder bewusst. Ich will gar nichts über die Beweggründe des Täters wissen. Es ging darum, das Leben anderer Menschen einzuschränken bzw. gar auszulöschen. Und mir fällt es schwer, hier fortzufahren.
Ich kenne Menschen mit allerlei Wurzeln, Haltungen, Orientierungen, biologischen Eigenheiten etc. Ist irgendein Mensch weniger wert, weil dieser Mensch nicht ins „Schema F“ passt? Das läuft meinem eigenen Weltbild völlig zuwider. Ich kann nichts über queeres Leben sagen, das habe ich ja oben erwähnt. Aber Menschen sind zum großen Teil halt „nur“ Menschen, ein paar sind Arschlöcher. Das hat aber nichts mit dem Lebensentwurf oder der Herkunft zu tun.
Und deshalb sollte jeder die Klappe halten, der queeres Leben nun für sich vereinnahmt, um gegen Muslime zu schießen. Die sind auch zum allergrößten Teil einfach nur ganz normale Menschen. So wie der schwule Kneiper oder die Trans-Person, mit der man zusammenarbeitet. Daher stimmt es, was Friedrich Merz sagte: Dieser Angriff auf queeres Leben ist ein Angriff auf uns alle. Und deshalb müssen wir abrüsten und uns alle unterhaken. Etwas anderes fällt mir nicht ein.






@henning-uhle.eu können wir Schutz mal erfahren oder bekommen wir wieder antiqueere Verordnungen, weil alle trans Leute betrügen und Karteien brauchen, damit Schergen der baldigen AfD Regierungen uns ungeschützt von Wohnungen ubd Arbeitsstätten abholen? Wann soll ich mit Express Entry nach Kanada anfangen, um mich vor dieser Regierung zu schützen?
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Woher weißt du, dass es künftige AFD-Regierungen geben wird? Und woher weißt du, dass Trans-Menschen aus Wohnungen und Arbeitsstätten abgeholt werden? Weißt du es, oder ist das eine Befürchtung?
Ich verstehe die Sorge. Natürlich tue ich das. Wie im Artikel beschrieben, kenne ich die verschiedensten Menschen mit unterschiedlichen Biografien. Je enger man mit Menschen zu tun hat, desto besser kann man sich in sie hinein fühlen. Und ja, ich weiß, dass es ein Unterschied ist, weil ich nicht betroffen bin.
Welche Regierung soll das sein? Glaubst du wirklich, dass eine Union ernsthaft „gemeinsame Sache“ mit den Rechtsradikalen machen würde? Man kann ihr viel vorwerfen, aber ich glaube, das nicht. Wir haben ja eine Verfassung, und da verweise ich Artikel I. Ja, auch hier weiß ich, dass Betroffene nur müde darüber lächeln. Aber was soll ich denn anderes dazu sagen?
@henning-uhle.eu wenn man weiterhin diese Attacken als Lone wolfs sieht und immer wieder Flüchtlinge und Migranten als Täter sehen will, wird man eben eine AfD Regierung in Kauf nehmen wollen. Man schiebt tausende ins absolute elend ab und diese Attacken werden nicht weniger. Die AfD braucht Islamismus.
Die AfD hat die Macht, rechtsextreme zu vereinigen, die sich bestimmt dazu verleiten lassen, "Staatsfeinde" wie LGBTs und Ausländer anzugreifen.
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@henning-uhle.eu die CDU redet über meine Community, wir wären ein Circus. Sie überlegt seit dem anfang der Legislatur, trans Listen anzufangen. Die CDU ist Rechtsradikal.
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Ich möchte dich bitten, im Kommentarbereich meines Blogs nicht mit solchen Anschuldigungen um dich zu werfen. Dieses Wort gilt halt nur für eine Partei.
Zur AFD habe ich hier im Blog etliches aufgeschrieben. Die AFD braucht eigentlich nur Chaos. Wer es stiftet, ist der Partei grundsätzlich erstmal egal.
@henning-uhle.eu scussi, ich bin in der Masto app.
@henning-uhle.eu ichsag nur eines: https://duckduckgo.com/?q=merz+zirkuszelt&ia=web
@henning-uhle.eu die CDU verursacht mit ihrer Dickköpfigkeit das Chaos, was die AfD braucht. Unzufriedene Menschen, marginalisierte überwachte Minderheiten, abgeschobene Unschuldige, geschwächte Zivilgesellschaft, gestrichene Gelder für Demokratievereine, und anlasslose Massenüberwachung. Es sind alle Fakten.
@henning-uhle.eu wusstest du nicht, dass von papen der Centrumspartei (Vorgängerin der CDU) zu zeiten der Weimarer Republik genau Hitler geholfen hat? Sie haben vor gut 100 jahren schon.mit rechts paktiert. Zu viele Unionpolitiker wie Elisabeth Apel, Martin Hohmann sind nun AfDler.
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Hallo Henning,
ich kann deinem Appell zum Abrüsten grundsätzlich nur zustimmen. Gerade bei einem Thema wie queeres Leben sollten wir viel öfter miteinander als übereinander reden – und vor allem nicht vergessen, dass hinter all den Diskussionen Menschen stehen.
Mir ist allerdings wichtig: „Abrüsten“ darf nicht bedeuten, dass wir bei Queerfeindlichkeit, Diskriminierung oder Angriffen einfach schweigen. Da müssen wir weiterhin deutlich widersprechen. Denn niemand sollte sich dafür rechtfertigen müssen, wer er ist oder wen er liebt.
Und bei aller Diskussion über die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, dürfen wir meiner Meinung nach die Bedeutung der CSDs nicht kleinreden. Sie sind und bleiben wichtig. CSDs sind nicht nur bunte Paraden oder große Partys, sondern Demonstrationen für Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und Akzeptanz. Gerade in Zeiten, in denen queere Menschen wieder stärker angefeindet werden, ist diese Sichtbarkeit umso wichtiger.
Ein guter Anfang wäre es, wenn wir alle ein bisschen weniger übereinander und dafür mehr miteinander reden würden. Aber genauso wichtig ist es, dass wir dort laut werden, wo Menschen aufgrund ihrer Identität oder Liebe angegriffen werden. Beides gehört für mich zusammen.
Liebe Grüße
Lorenzo
Volle Zustimmung, Lorenzo. Es kann einem ja seltsam vorkommen, wenn jemand nicht so ist, wie man selbst. Aber dann irgendein Urteil zu fällen, ohne diejenige Person in den Gedankengang mit einzubeziehen, ist völlig falsch. Ich fand es immer schon besser, mit jemandem zu reden, statt über die Person.
Und mit dem Abrüsten sehe ich das tatsächlich auch so, dass Diskriminierung und all das klar benannt werden muss. Keine Frage. Es ist dann eher die Frage, ob es so klug ist, wahllos andere Menschen zu beschimpfen. Was erreicht man damit?
Danke, Henning! 😊
Genau so habe ich deinen Beitrag letztlich auch verstanden. Diskriminierung muss klar benannt werden, aber pauschale Beschimpfungen bringen niemanden weiter. Oft führen sie nur dazu, dass sich die Fronten weiter verhärten und ein echtes Gespräch kaum noch möglich ist.
Ich glaube, wir brauchen beides: eine klare Haltung gegen Menschenfeindlichkeit und gleichzeitig die Bereitschaft, mit denjenigen ins Gespräch zu kommen, die dafür offen sind. Denn nur so besteht die Chance, Vorurteile abzubauen.
Liebe Grüße
Lorenzo
Im ersten Absatz verlinkst du zu einem Artikel, in dem jedoch keinerlei Wortmeldungen zum Thema „Wie es ist, quer zu sein“ zu finden sind, sondern lediglich Kritiken bezügl. des Umgangs mit diesem „Gefährder“.
Ansonsten volle Zustimmung zu deinen Apellen – eigentlich sollte das alles selbstverständlich sein!