Rösler, Merkel, Gauck und die Sache mit dem Frosch

Wenn Sie einen Frosch in heißes Wasser werfen, dann hüpft er sofort heraus. Wenn Sie aber einen Frosch in kaltes Wasser setzen und dann langsam die Temperatur erhöhen, wird er zuerst nichts merken und nichts machen, und wenn er etwas merkt, dann ist es zu spät für den Frosch. So viel zum netten Herrn Rösler.

(Zitat aus der Antrittsrede von Philipp Rösler als Parteichef der FDP.)

Als ich diese Abfolge von Worten damals hörte, war ich schwer beeindruckt vom kleinen Deutsch-Vietnamesen, der sein eigenes Geburtsdatum nicht kennt. Zwischendurch fand ich ihn eigentlich nicht besser als eine verstopfte Seifenspender-Dose. Ab und zu rief der Mann nur noch Kopfschütteln in mir hervor.

Aber sich bei der Auswahl des Kandidaten für den Bundespräsidenten gegen Mutti aufzulehnen und den aufmüpfigen Bengel zu mimen, dieser Aktion gebührt Respekt. Auch wenn ich mit Gauck immernoch nicht zufrieden bin. Auch wenn ich mit der FDP nichts zu tun haben will. Aber Mutti Merkel in die Ecke zu drängen, das hatte Charme.

Nun war Philipp Rösler bei Markus Lanz zu Gast. Natürlich war genau diese Aktion Thema. Nach allem, was man so als Reaktion auf diese Sendung liest, fühlt sich Philipp Rösler durchaus gestärkt. Er hatte gewonnen. Wie: Mutti hatte das Zungenpiercing erlaubt. Weil er gedroht hatte, sonst nicht mehr den Müll runter zu bringen.

Das Ganze soll aber auch politisches Kalkül gewesen sein. Nach allem, was man so liest, ist es ja so: Die FDP droht, in der Versenkung zu verschwinden. Auch in Schleswig-Holstein (Landtagswahl im Mai) scheint die 5%-Hürde nicht zu überwinden zu sein. Die Partei läuft Gefahr, eine reine gelbe Splittergruppe zu sein, politisch schwächer als die Piraten oder solche Ansammlungen wie die Biertrinker-Partei. Genau deshalb musste eine große Aktion her. Und genau deshalb hat die FDP auf Joachim Gauck als Präsidentschaftskandidat bestanden. Hört man zumindest.

Wenn man diesem Hörensagen allerdings Glauben schenkt, dann ist es doch so, dass Angela Merkel spätestens mit der Pro-Gauck-Aktion der FDP realisiert hat, dass sie der Frosch ist.

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