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Staatsanleihen sollen unbegrenzt aufgekauft werden – und einer ist dagegen

Er ist der Last Man Standing. Axel Heitmann, Präsident der deutschen Bundesbank. Er war der einzige, der gegen den Beschluss der Europäischen Zentralbank war, über den heute abgestimmt wurde. Mit dem Beschluss soll es nun möglich sein, von notleidenden Staaten Staatsanleihen aufzukaufen. Wenn nötig sogar unbegrenzt.

Mario Draghi hat nun ein Programm in die Runde gehauen, womit klammen Staaten – also Spanien, Portugal, Italien usw. – unter die Arme gegriffen werden kann. Draghi war so frei, von einer Bazooka zu sprechen. Also will er mit Waffen wie einer Panzerfaust gegen die Eurokrise ankämpfen. Wenn sich das mal nicht rächt. Das ZDF spricht gar davon, dass das nun wie Drogen wirken könnte: Man wird immer mehr davon brauchen.

Axel Heitmann war dann bei der Abstimmung über das tolle Programm, also über die “Bazooka 2”, der Einzige, der dagegen gestimmt hat. Er sieht offenbar kommen, dass Deutschland durch solch ein Programm womöglich auch leer geschnorchelt werden könnte. Und das könnte sogar tatsächlich passieren. Aber diese Bedenken sind dem Italiener Draghi völlig egal. Deutschland sollte das aber nicht egal sein.

Die “Deutschen Wirtschafts-Nachrichten” schreiben offen von Tricksereien von Draghi. Mit der Aktion von heute will er wohl auf den Status als bevorzugter Gläubiger verzichten, wozu er offenbar gar nicht in der Lage ist. Der Artikel dort ist sehr lesenswert und lässt vermuten, dass die Europa-Politik ein riesiger Sumpf von Ränkespielen und gefährlichen Tricks ist. Draghi wird auf jeden Fall mit seiner Bazooka 2 kein einziges Problem der europäischen Schuldenkrise lösen können. Und das sollte ihm als EZB-Chef eigentlich klar sein.

Das Schlimme an der derzeitigen Situation ist aber, dass Draghi mit seiner Aussage, der Euro sei unumkehrbar, sogar Recht haben könnte. Man hat es geschafft, dass alle Staaten der Eurozone zumindest mit einem Bein und zumindest knietief im Schuldensumpf festsitzen. Und keiner wird sich dagegen wehren können. Ob das so eine gute Sache ist? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass bei solchen Dingen in den letzten Monaten Deutschland erpressbar geworden ist.

Man mag fast gar nicht mehr hinsehen. Wer weiß wohin das alles noch führt. Zumal heute der europäische Leitzins unverändert bei 0,75% blieb, was damit begründet wurde, dass der Leitzins nur noch bedingt leitet. Was sind denn das für Zeiten? Und ich glaube, genau deshalb war Heitmann dagegen.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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