Standard & Poor’s senkt europaweit den Daumen

Das hat Europa nun davon. Erst versucht man, den Ratingagenturen gegenüber willfährig zu erscheinen, und versucht die Vermeidung von Staatspleiten. Nun, da „große Leistungen“ zum Gelingen dieses heillosen Unterfangens erbracht sind und die Ratingagenturen Europa gegenüber wohlgesonnen sein müssten, senkt die größte von denen schon mal den Ausblick.

Schriftzug von Standard & Poor's - Standard & Poor's, User:Stepshep - gemeinfrei aus Wikipedia

Das schlug ein wie eine Bombe: Das mit einem tadellosen Bonitätszeugnis ausgestattete Deutschland und etliche weitere Staaten haben einen negativen Ausblick zur Kreditwürdigkeit erhalten. Standard & Poor’s, der Ratingriese, warnte damit die Eurozone. Die Amerikaner reden dabei von einem systemischen Streß und gehen davon aus, bei ihrer „Prüfung“ die Ratings von Staaten wie Deutschland um eine Stufe, von anderen Staaten um zwei Stufen absenken zu müssen.

Standard & Poor’s führt als Gründe u.a. an, dass für einige Staaten (auch mit AAA bewertet) inzwischen höhere Risikoprämien gelten. Außerdem sind der Agentur die Streitereien, die hohe Verschuldung und das gestiegene Risiko einer Rezession nicht entgangen.

Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt / Main - ArcCan - Creative Commons 3.0 - aus Wikipedia

Das war aber noch nicht alles, was Standard & Poor’s heute zum Besten zu geben hatte. Da gibt es ja noch den Europäischen Rettungsfonds ESFS. Für den senkte die Agentur auch gleich mal den Daumen, sicher ist sicher. Und warum tut sie das? Der ESFS könnte sein „AAA“ verlieren, wenn ein EU-Mitgliedsstaat abgestuft wird. Also schlagen sie damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Das nenne ich Effizienz.

Durch dieses Theater, was die Amerikaner veranstalten, befürchtet nun Halb-Asien, dass die Krise auf sie überschwappen könnte. Von der Asiatischen Entwicklungsbank kommt die Warnung vor akuten Ansteckungsgefahren. Sicher werden bald Reisewarnungen nach Europa ausgesprochen, und irgendwer wird sicher an einem Impfstoff arbeiten.

Moritz Kraemer übrigens, seines Zeichens Europa-Chefanalyst bei S&P, wiegelt gleich einmal ab. Wenn jemand den Ausblick senkt, bedeutet das angeblich nicht gleich eine Herabstufung. Man erwartet glaubhafte Lösungen für die Schuldenkrise vom bevorstehenden Treffen der Europäischen Staats- und Regierungschefs und gibt 90 Tage Zeit für Entscheidungen.

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Und was sind die Reaktionen? Jean-Claude Juncker, Chef der Eurogruppe, nennt die geplatzte Bombe unfair und exzessiv. Von IG Markets kommt die Einschätzung, dass die Einschätzung ein riesiger Schritt rückwärts sei. Verschiedene Analysten sehen es allerdings positiv, dass nun der Druck zur Entscheidungsfindung erhöht wird.

Und die beiden größten Volkswirtschaften Europas? Frankreich tut recht gelassen. Anleihen zu begeben, würde wohl auch künftig kein Problem darstellen. Schließlich handelt es sich (nur?) um eine Drohung. Und Deutschland könnte Opfer einer weltweiten Rezession werden.

In einer messerscharfen Analyse der FAZ ist zu lesen, dass Standard & Poor’s das Drucken von Geld fordert und die Analyse rein durch die amerikanische Brille erfolgte. Dabei müsste doch auch S&P klar sein, dass die USA seit einiger Zeit schon nicht mehr der Nabel der Welt sind.

Da stellt sich mir die ernstgemeinte Frage: Will S&P möglicherweise das amerikanische Weltbild und ein Wirtschaftsgefüge nach US-Belieben zurück erzwingen? Ich bin jetzt wirklich mal gespannt, wass die anderen beiden Ratingagenturen, Fitch und Moody’s, zum Besten geben. Vielleicht kommen die nicht nur mit einem negativen Ausblick sondern gleich mit einer Massenabstufung um die Ecke.

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