Ukraine – Propaganda und offene Fragen

Man fragt sich, was eigentlich in der Ukraine los ist. Es wird viel behauptet. Und das zeigt eigentlich, wie unklar die Situation eigentlich ist. Ich denke, dass niemand in Deutschland, Frankreich oder in den USA abschließend beurteilen kann, wer die eigentlichen Akteure sind und an wessen Marionetten-Fäden sie hängen. Man läuft stattdessen Gefahr, nicht alle Informationen vorliegen zu haben und deshalb die Situation nicht objektiv genug beurteilen zu können.

Was wilde Behauptungen betrifft, so hat Andreas Hoose bei Rott & Meyer einen interessanten Artikel verfasst. Wie Sie sicher mitbekommen haben – auch ohne Interesse für die Börse – ist, dass der DAX mehr oder weniger durch die Decke gegangen ist. Aber seit einiger Zeit geht es wieder leicht rückwärts. In dem Artikel wird die Frage aufgeworfen, was in der Ukraine los ist. Denn es ist irgendwie absehbar, dass die Börse von der Krise in der Ukraine beeinflusst wird.

Es wird ja immer erzählt, dass Börsen geordnete politische Verhältnisse bevorzugen, weil sich dann die Wirtschaft sauber entwickeln kann. Nun ja, ob es nun der Gaza-Konflikt ist oder ganz besonders die Ukraine-Krise oder was auch immer sonst noch, diese geordneten Verhältnisse sind eben nicht gegeben. Da treten Führungspolitiker zurück, da fallen Flugzeuge vom Himmel, da werden wilde Gerüchte in die Welt gesetzt. Glaubt denn wirklich jemand ernsthaft, dass dies eine gute Nachrichtenlage für steigende Kurse ist?

Wer weiß, vielleicht wettet ja auch jemand auf fallende Kurse. Der macht derzeit dann aber mal so richtig Geld. Und ich glaube nach wie vor, dass man zum Thema Ukraine einem Missverständnis aufgesessen ist. Die  spannende Frage ist hier doch, wer denn wirklich die Deutungshoheit hat. Da das nach all den bisherigen Konflikten und Kämpfen nach wie vor niemand abschließend beantworten kann, schweben viele Fragezeichen durch die Luft und bieten Raum für einen ganzen Wust an neuen Spekulationen und Behauptungen. Da die Lage unübersichtlich ist, ist dieser Raum nach wie vor unvorstellbar groß.

Andreas Tautenhahn schreibt daher völlig auf den Punkt bei „Écrasez l’infâme!“:

Was in der Ostukraine tatsächlich passiert, ist unklar. Klar ist, dass derzeit nicht nur ein mit Waffen geführter Krieg tobt, sondern auch ein Krieg der Worte. Medien und Journalisten aus Deutschland blamieren sich auf ganzer Linie, indem sie Spekulationen, ungeprüfte Informationen sowie persönliche Eindrücke in die Welt hinaus posaunen und diese als Wahrheit verkaufen.

Ich denke, genau das ist es. Russland behauptet irgendwas, die Ukraine behauptet irgendwas, die Separatisten (von denen niemand weiß, inwieweit sie tatsächlich die Rückendeckung erhalten, die man vermutet) behaupten irgendwas und die westlichen Mächte behaupten auch irgendwas. Dazwischen sitzen die Journalisten und sollen möglichst objektiv und vollständig berichten. Und wenn dann die Situation so undurchsichtig ist, dann passieren Fehler.

Da kann man sich schnell hinstellen wie die NeoPresse und sagen, dass ZDF-Mann Claus Kleber lügt. Hintergrund war hier die Behauptung Klebers, dass es keine Faschisten in wichtigen Postitionen in der Staatsführung der Ukraine geben würde. Ob das nun stimmt oder nicht, kann doch niemand ernsthaft wissen. Vielleicht sind sie Nationalisten, vielleicht Faschisten – die Grenzen sind so oft nahezu fließend.

Wir sind ja nach wie vor in einer Gemengelage mit jeder Menge Marionettenspielern gefangen. Man darf eben nicht außer Acht lassen, dass es gefährliche Bestrebungen gibt, die historische Rus wieder aufleben zu lassen. Und da haben die Städte Kiew, Weliki Nowgorod und Nishni Nowgorod eine zentrale Rolle gespielt. Ich gehe davon aus, dass der Konflikt in und rund um die Ukraine nur ein Teil dessen ist, was da klerikal-nationalistische Bestrebungen in Russland mit einem Hang zu einem Großrussland vorhaben. Da dies die Sache nur noch unübersichtlicher macht, kann man von einer Nachrichtenzusammenfassung nicht erwarten, dass die Berichterstattung vollständig ist.

Die offenen Fragen bleiben. Und je mehr offene Fragen unbeantwortet sind, desto mehr wird Propaganda geschürt. Jeder kann nur einen kleinen Ausschnitt dessen zeigen, was sich wirklich abspielt. Ein umfassendes Bild kann sich derzeit nicht ergeben. Ich habe keine Ahnung, wohin das alles führen könnte. Und von daher kann sich die Weltwirtschaft auch nicht orientieren, weshalb Börsenkurse verrückt spielen müssen.

So lang Propaganda und offene Fragen die Situation vergiften, so lang wird keine nüchterne Aufarbeitung geschehen können. Die Ukraine-Krise, der Ukraine-Krieg wird jedenfalls noch eine ganze Weile weitergehen. Dem russischen Präsidenten Putin kann das so nicht in den Kram passen. Oder wie sehen Sie das?

Bildquelle: Eine Karte zur politischen Gliederung der Ukraine – By Sven Teschke (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

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