Was ist denn da in Mali los?

Derzeit schaut die halbe Welt auf das afrikanische Land Mali, das mit einer glorreichen Vergangenheit glänzt und trotzdem bitterarm ist. Es ist die Rede von Terroristen, von Militärputsch, von der Spaltung der Nation.

Manch einer vermutet sogar noch viel größere Probleme auf die Staatengemeinschaft zukommen. Aus diesem Grund muss man wirklich ernsthaft fragen: Was ist denn da in Mali los?

Lage Malis in Afrika - (TUBS) - CC 3.0 via Wikimedia Commons
Lage Malis in Afrika – (TUBS) – CC 3.0 via Wikimedia Commons

Der große westafrikanische Binnenstaat Mali mit dem Motto „Ein Volk, ein Ziel, ein Glaube“ war lange Zeit nicht in den Medien. Als es jedoch vor kurzem einen Militärputsch in der Hauptstadt Bamako gab und Separatisten den Norden des Landes namens Azawad für unabhängig erklärt haben, ist die Welt aufgeschreckt und schaut bangen Blickes nach Mali.

Das große Problem an dem Konflikt in Mali ist die unübersichtliche Situation, die Thomas Wiegold auf „Augen geradeaus“ feststellt. Es ist im Gegensatz zu Afghanistan oder vor längerer Zeit im Golfkrieg oder sonstwo nicht so, dass es so genannte Front Line Journalists gibt, also Journalisten, die direkt von vorderster Front berichten. Daher erreichen auch nur widersprüchliche Informationen Deutschland. Das ist auch der Grund, warum ich bisher noch nicht über die Lage dort meine Gedanken habe schweifen lassen.

Jedenfalls ist die französische Armee in die ehemalige Kolonie einmarschiert. Die Wikipedia äußert sich erstaunlich detailliert zu den Geschehnissen. So ist davon die Rede, dass seit Januar letzten Jahres Tuareg-Rebellen im Azawad den Aufstand proben. Den wollen sie für unabhängig erklären. Und diesen Aufstand haben die Regierungstruppen nicht in den Griff bekommen, weshalb es dann im März zu einem Putsch kam.

Aufgrund dieser Entwicklung wurden sämtliche Entwicklungshilfen für das bitterarme Land von Seiten der EU auf Eis gelegt. Es wurden Wahlen angekündigt, ein Abkommen über die Beendigung der Sanktionen geschlossen usw. In der Zeit hat sich niemand um Azawad gekümmert, weshalb sich dort die Rebellen breit machten und einseitig ihre Unabhängigkeit erklärten. Diese wurde aber u.a. von der EU nicht anerkannt, es gab gar eine Resolution für die Einheit Malis. Kurz vor Weihnachten dann kam es zu einer EU-Resolution zur Unterstützung eines Militäreinsatzes der Nachbarstaaten. Und seit ein paar Tagen läuft eine Militäroperation der Streitkräfte Malis, die von Frankreich unterstützt wird.

Nun berichtet Herr Wiegold in dem oben verlinkten Artikel auch von der Luftwaffe, die nun mit 2 Transall-Maschinen die afrikanischen Truppen transportieren will. Aber ansonsten klingen die Berichte doch alle sehr vage.

Es ist bei den Meldungen, die man in letzter Zeit über Mali so mitbekommt, festzuhalten, dass man davon ausgeht, dass es – wie praktisch immer – um Rohstoffe geht. So sollen die französischen Truppen einmarschiert sein, um den Zugang zu den Uran-Vorkommen des Landes sicherzustellen. Aber das soll nicht alles sein.

Blogger Constantin Crusher schreibt, dass das Uran nur ein – gewissermaßen – „nettes Zubrot“ sei. Er geht davon aus, dass es um „Provokation und Destabilisierung“ geht. China als Vorreiter in der Region soll provoziert werden. Schließlich werden mit chinesischer Unterstützung viele Dinge gebaut und ermöglicht. Crusher hält es durchaus für möglich, dass China eben nicht mehr Nr. 1 Investor in Afrika sein soll und Frankreich den Konflikt in Mali auch auf andere Länder ausweiten könnte, um China so zu provozieren, dass es unter Umständen gar zu einem dritten Weltkrieg kommen könnte.

Nun ja, ich halte seine Ansicht zwar für legitim, aber sie ist etwas zu überspitzt. Sicher, China investiert Unmengen von Geld in afrikanischen Ländern, um an die Rohstoffe der Länder zu kommen. Das ist natürlich den ehemaligen Kolonialmächten ein Dorn im Auge. Aber es soweit zu treiben, wie es Crusher skizziert, das wird wohl jeder vermeiden.

Unterm Strich würde das ja auch bedeuten, dass Frankreich die Separatisten im Azawad direkt oder indirekt unterstützt haben muss, sollten solche Ziele tatsächlich verfolgt werden. Und das halte ich für nicht glaubwürdig.

Im Übrigen hat sich Bundestagspräsident Norbert Lammert gegenüber der Saarbrücker Zeitung geäußert. Er meinte, dass die Entsendung der 2 Transall-Maschinen „ganz sicher nicht“ reichen würde. Wie man sich am Ende zu Mali positionieren wird, hängt von der weiteren Entwicklung und von Verhandlungen ab. Er geht auf jeden Fall nicht davon aus, dass man sich wie in der Lybien-Geschichte heraushalten wird. Das jedenfalls berichtet der Politik-Express.

Meine Meinung zur deutschen Position ist da, dass sich Deutschland durch solche Engagements unnötig selbst zur Zielscheibe macht. Die undurchsichtige Lage in Nord- und Westafrika lässt viel Raum für Gruppierungen, die besser nichts in Deutschland vorhaben sollen. Und da man sich nicht wirklich umfassend über Mali informieren kann, begibt man sich unnötig in Gefahr.

Wenn die Berichterstattung irgendwie deutlicher werden sollte, könnte man auch abschätzen, was die Entwicklungen in Mali für die ganze Welt bedeuten könnte. Wenn da jetzt allerlei große und starke Staaten mitmischen sollten, könnte sich wirklich ein gewaltiges Potential für eine große Auseinandersetzung ergeben. Und die kann keiner ernsthaft wollen.

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