Was machen denn nun die armen Abmahner?

Was soll ich sagen? Es ist ein bisschen Zeit ins Land gegangen, seitdem ich darüber geschrieben habe, dass die Nachrichtenagentur dapd in die Insolvenz gegangen ist. So allmählich sickerten dann auch noch weitere Daten durch. Und so langsam stellt sich eine Frage: Wenn die dapd die Abmahnanwälte aus Hamburg nicht mehr bezahlen kann, weil sie insolvent ist, was wird denn dann aus den besagten Abmahnern?

Es kristallisiert sich so ein bisschen heraus, dass die Forderungen – ob berechtigt oder unberechtigt – der dapd wohl in die Insolvenzmasse fließen werden und damit an irgendwen anderen verkauft werden. Und ganz plötzlich könnten dann die Anwälte aus Hamburg eine wilde Forderung im Namen von Firma XYZ stellen. Und diese Firma muss dem Empfänger der Forderung nicht einmal ein Begriff sein. Könnte sein, muss aber nicht.

Der befreundete Blog Duckhome hat übrigens mit nicht wenig Sarkasmus heraus gearbeitet, wie es zu der Pleite kommen konnte. Schuld ist nämlich nämlich an der Pleite der dapd die Nachrichtenagentur AFP aus Frankreich. Ja, richtig, das sind die, die auch über die Straße in Hamburg Briefchen mit Rechnung verschicken lassen. Die AFP nämlich wird vom französischen Staat gefördert, die dapd wird von Deutschland nicht gefördert.

Nach Informationen des Magazins MEEDIA ist es wohl nun so, dass auch der Insolvenzverwalter Wolf von der Fecht die Zukunft nicht rosig sieht. Es ist wohl geplant, die Pleite-Töchter des dapd-Konstruktes zu verkaufen. Es gäbe wohl auch Interessenten, aber trotzdem braucht man mal einen Plan B.

Jedenfalls stelle ich noch einmal die Frage: Was machen denn die Abmahner, wenn die dapd insolvent und deren Töchter nicht vermittelbar sind? Von wem wollen sie Aufträge haben, irgendwelche angeblich begangenen Urheberrechtsverletzungen anzuzeigen und dafür völlig unverständliche Forderungen zu erheben?

Haben wir es eventuell demnächst mit einem Sterben der Rechtsanwälte zu tun? Nicht jeder Rechtsanwalt möchte einer insolventen Firma hinterher galoppieren, und nicht jeder möchte ein Geschäftsfeld beackern, was das Kerngeschäft der derzeitigen rechtlichen Vertreter ist. Ich denke, dass vielleicht die Anwälte der Kanzlei, die ein Geschäftspartner von AFP und dapd ist, vielleicht demnächst ein anderes Geschäftsfeld suchen müssen. Denn wer immer die insolventen Teile der dapd aufkauft, der wird wohl die Forderungen – nun ja – günstiger durchsetzen wollen.

5 Kommentare

  1. Hallo Leidensgenossen,

    auch wir haben diverse Schreiben der ksp Anwälte hier vorliegen, in denen es um kopierte Nachrichtentexte der dpa und (man höre und staune) der lieben netzwelt.de geht.

    Natürlich waren diese Texte irgendwann mal auf unserem Server in irgendwelchen Archiven, aber stets mit Angabe der Quelle und entsprechenden Links, da wir uns nicht mit fremden Federn schmücken wollten.

    Nun haben wir zum Glück einen Anwalt beauftragt und verhandeln gerade mit ksp über die tatsächliche Höhe des Streitwerts, der derzeit mit einem hypothetischen Betrag um die 300 Euro pro Artikel natürlich völlig utopisch ist.

    Hat jemand eine Ahnung, was ein freier Redakteur bei netzwelt.de eigentlich für einen Artikel von ca. 2000 Zeichen bekommt? Bei der Menge an Artikeln, die netzwelt.de jeden Tag veröffentlicht, müssten die ja ein Vermögen ausgeben, wenn sie für jeden Artikel 300 Euro bezahlen. ;)

    Wir werden uns auf jeden Fall weiter wehren und dies notfalls auch vor Gericht austragen und hoffen, auf einen Richter zu stoßen, der sich nicht von den Inkassao Haien der ksp beeindrucken lässt, die offenbar diese Massenabmahnungen im ganz großen Stil http://www.youtube.com/watch?v=g7fNqS6LsJE durchziehen.

    Das Internet und vor allem das Bloggen ist heutzutage zum echt gefährlichen Geschäft geworden … Zeit für Piraten und andere Freibeuter den Widerstand gegen solche ‘Geschäftspraktiken’ zu forcieren.

    1. Hallo und danke für den Kommentar.

      Das ist etwas neues, dass auch die Netzwelt da nun mit macht. Ich war immer der Meinung, dass Medien wie dieses das Zitatrecht beherrschen. Und dort heißt es, dass zur Verdeutlichung von irgendetwas das Zitieren unter Angabe von Quellen erlaubt ist, soweit es dies und jenes nicht übersteigt. Ich vermute, dass das bei euch auch so war.

      Der Youtube-Link ist natürlich hoch interessant, bietet das Video doch ein wenig Einblick.

      Richtig, Bloggen ist nicht einfacher geworden. Mir scheint, als ob die deutschen “Qualitätsmedien” die deutsche Bloggerszene beseitigen möchten. Es hat zumindest einen solchen Anschein.

      Mir ist bereits eine Vereinigung bekannt, die etwas gegen diese Praktiken unternehmen möchte. Leider fehlt scheinbar noch mehr die Durchschlagskraft. Was die Piraten betrifft, mir erscheinen die nicht willens genug, etwas an der Situation zu ändern. Wären die Piraten willens, würden die sich nicht gegenseitig die Augen auskratzen und würden lieber konstruktiv an einer wirklichen Veränderung arbeiten.

  2. Hallo Liebe Leser!

    Traurig, aber wahr! Die KSP arbeitet weiterhin für die insolvente dapd. Jedenfalls bkam ich wieder Post! Hoffentlich geht dort bald das Licht aus!

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