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Was soll ich nur von PEGIDA halten?

Sie werden als Schande für Deutschland bezeichnet. Und die, die der PEGIDA keine Unterstützung zubilligen, werden als Gutmenschen hingestellt. Was bitte soll man denn davon halten? Es vergeht faktisch keine Nachrichtensendung, in der nicht über die Bewegung erzählt wird. Das kann man ignorieren. Man kann sich aber auch damit auseinander setzen.

Wissen Sie, ich fühle mich eigentlich schon als charakterlich starker Mensch. Ich habe eine eigene Meinung, die speziell in den letzten Monaten nicht einfach so umgeworfen werden konnte. Trotzdem ist es so, dass bei PEGIDA, LEGIDA und wie sie alle heißen Dinge veröffentlicht und skandiert werden, mit denen man sich eigentlich einverstanden erklären kann. Wenn Sie so Parolen der Bewegung hören oder lesen, wird es Ihnen ähnlich gehen.

Aber man hört eben auch „Wir sind das Volk“ und „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“ und sowas. Was soll ich damit anfangen? „Wir sind das Volk“ ist der legendäre Ausspruch der Montagsdemos in der damaligen DDR, mit dem gegen die Machenschaften der Staatsführung protestiert wurde und eigentlich nur die eigene Freiheit verlangt wurde. Was bitte hat das mit PEGIDA zu tun? Und der zweite Ausspruch klingt schon fast ein wenig nationalistisch und braun-gefärbt.

Ich kann viele Leute verstehen, die bei den Spaziergängen und Demonstrationen mitlaufen. Die haben einfach Sorge darum, was aus ihrem Viertel, ihrem Kiez wird. Und nachdem, was in Sydney und in Pakistan dieser Tage passiert ist, wird die Sorge einfach nur zunehmen. Aber ich kann mich nicht damit anfreunden, dass PEGIDA der Weisheit letzter Schluss ist. Ich kann auch nicht einfach akzeptieren, dass die Bewegung faktisch rechts ist. PEGIDA an sich besteht aus vielen Bürgern, denen eine politische Verortung an den rechten Rand einfach mal zuwider ist. Aber die Bewegung wird nun einmal von rechtslastigen Leuten organisiert.

Insofern sind die ganzen Aussprüche – vor allem „Wir sind das Volk“ im Osten – eine wüste Makulatur. Da laufen politisch nur mäßig interessierte Leute mit, die einfach mal von der einen oder anderen (auch nur gemutmaßten) Bedrohung gehört haben und fühlen sich beim Rufen dieser Sprechchöre als die Größten. Aber an einer wirklichen Lösung sind viele wohl gar nicht interessiert.

Ich gehe nach wie vor davon aus, dass in Deutschland kein Islamismus-Problem existiert. Ich denke aber, dass die Politik diese Bewegung ernst nehmen sollte und sich mit ihr auf sinnvolle Art und Weise auseinander setzen sollte. Man kann sie nicht einfach nur als rechte Spinner abtun. Dazu sind einfach zu viele aus der so genannten „bürgerlichen Mitte“ dabei. Die Bewegung – also deren Organisatoren – spielt mit Ängsten, und damit sollte man sich beschäftigen. Oder was meinen Sie?

Bildquelle: Foto einer PEGIDA-Veranstaltung – (CC BY-SA 3.0 DE) – by indymedia.org

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

3 thoughts to “Was soll ich nur von PEGIDA halten?”

  1. Das ist das Problem, wenn einer die Freie Meinung hat “Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen” wird das so wie bei dir „[…]der zweite Ausspruch klingt schon fast ein wenig nationalistisch und braun-gefärbt“, als Nazi-Kram angetan. Und da frage ich mich doch ernsthaft, ob wir noch in einer Demokratie leben. Es wird schneller verurteilt als man überhaupt schauen kann, sobald Worte wie deutsch oder Deutschland fallen sind einige Menschen, die meinen eine politische Meinung zu haben sofort auf der Matte stehen zu müssen. Sie verurteilen pauschal 1000de vom Menschen als Nationalsozialisten. Diese Menschen selbst haben oft doch ein Problem mit der aktuellen Regierungsform, aber Hauptsache es wird demonstriert und protestiert.
    Diese Leute kommen nicht mit holen Phrasen wie „Deutschland den Deutschen“. Sie sind für ein Miteinander, aber eben auch nur mit Menschen die unser Land ebenso mögen wie wir. Ich ziehe auch nicht nach Schweden, sage das Schweden totaler Müll ist und freue mich über das Sozialsystem und verlange Geld fürs nichts tun. Da würde ich wohl hochkant rausfliegen. Ich glaube die Deutschen sind immer noch etwas arg überempfindlich, wenn eine Person nur einen Hauch von Nationalstolz oder Sympathien für Deutschland hegt.
    BTW: Wenn ich solche Diskussionen höre, ob man den Christkindelmarkt oder Weihnachtsmarkt umbenennen will, in Wintermarkt oder Winterfest, weil sich einige in Deutschland sonst nicht integriert fühlen, wenn sie über den Weihnachtsmarkt laufen, dann frag ich mich wieder allen ernste: Warum wird sowas überhaupt diskutiert. Wer nach Deutschland kommt möchte doch die Kultur kennenlernen und sich einfügen. Klar ist, jeder möchte sich, egal wohin er auswandert, etwas seiner Kultur erhalten. Dies bedeutet nicht, dass ich dann auf biegen und brechen versuche meinen Mitbürgern meine Kultur aufzuzwingen. Oder würden Sie nach Indien ziehen und anstreben die heiligen indischen Feiertage zu kastrieren, da sie Christ, Moslem, Jude oder anderer Glaubensrichtung angehörig sind. Nur um sich selbst wohler zu fühlen?

    Links zum Thema: Google;
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/political-correctness-winterfest-statt-weihnachten/9259614.html
    http://www.stern.de/familie/feldzug-gegen-diskriminierung-linke-will-sankt-martin-an-den-kragen-2069256.html

    1. Hallo Stefan,

      erstmal danke für deinen Kommentar. Und schon sind wir bei einer Diskussion, die wohl wertvoll werden kann. Lass mich dazu mal ein paar Gedanken schreiben.

      Wer Deutschland nicht liebt…“ beinhaltet das Wort Liebe. Und hier könnte man wirklich fragen, wie ein Zuwanderer die höchste aller Zuneigungen entwickeln kann. Zumal ja diese höchste aller Zuneigungen bedingungslos und ohne die Erwartung irgendeiner Gegenleistung stattfinden soll. So, wie sich da manche brüsken, könnte man denken, da schwingen Gedanken an die Borg aus Star Trek mit: „Sie wurden assimiliert„. Manche rechtsdrehenden Gestalten stehen unter dem Verdacht, dass die Zuwanderer sich wie die Borg verhalten. Aber auch manche Kritiker der Bewegung stehen in dem Verdacht, dass sie vermuten, dass die PEGIDA genau das denkt.

      Es ist eben schwierig, dieses Thema zu behandeln. Ich habe ja dargelegt, dass ich den Grundtenor der Bewegung durchaus nachvollziehen kann. Viele Teilnehmer an PEGIDA haben eben die Sorge vor gesellschaftlichem Abstieg. Dann aber von Zuwanderern zu erwarten, dass sie ohne jegliche Erwiderung für das Land, in das sie einwandern oder gar hin verteilt werden, die höchste Zuneigung empfinden, ist etwas weit hergeholt. Daher wäre hier die Mutter aller Fragen: Muss man denn Liebe verlangen? Kann man das nicht anders formulieren?

      Ich verurteile doch gar nicht den Gebrauch von „deutsch“ / „Deutschland“ udgl. Ich bin selbst dafür, dass man nun auch mal auf sein Heimatland stolz sein kann, ohne in eine nationalistische Ecke gedrängt zu werden. Diese oft kritisierte „Deutschtümelei“ ist nicht kritikwürdig. Wie soll denn jemand ein Nationalbewusstsein haben, wenn er nicht stolz auf sein Heimatland ist. Das Alles dann in Verbindung zu bringen mit „Wir haben eine historische Verantwortung“ geht dann entschieden zu weit. Ich sehe mich in einer Verantwortung, meinen Teil dazu beizutragen, dass so etwas wie historisch belegt nicht noch einmal passieren kann. Aber ich selbst habe die Verbrechen der Vergangenheit nicht begangen, weshalb ich das auch nicht als falsch ansehe, stolz auf dieses Deutschland zu sein.

      Aber zurück zu „Wer Deutschland nicht liebt…„: Denkst du ernsthaft, dass jemand zur Liebe genötigt wird, wenn er nach Schweden, Indien oder Kanada einwandert? Als Einwanderer hat man die Pflicht, die Gepflogenheiten – aber hauptsächlich die Gesetze – des Landes, in das man einwandert, zu beachten. Etwas anderes kann man in meinen Augen auch in Deutschland nicht erwarten. Eine Liebe zu dem Land, dessen Volk einen in eine terroristische, bösartige Ecke drängt, darf da niemand erwarten.

      Natürlich ist eine Umbenennung der Weihnachtsmärkte in Wintermärkte Bullshit. Ich denke, das kann man in Deutschland nicht durchsetzen. Ich denke auch nicht, dass das irgendwer ernsthaft in Erwägung gezogen hat. Ebenso das Martinsfest. Schau mal hier im Blog, da habe ich bereits vor längerer Zeit darüber geschrieben. Wenn mich nicht alles täuscht, hat so etwas schon eine Gesichtspalme erhalten.

      Ich denke, als Angehöriger einer Religion (egal welcher, auch Nichtgläubige zähle ich hinzu) gehört es einfach dazu, dass man den Glauben und die Gefühle des anderen respektiert. Und als Einwanderer / Zuwanderer / Asylbewerber / Flüchtling aus einem anderen Kulturkreis muss man es einfach akzeptieren, dass in dem Land eine andere Religion vorherrscht. Man soll sich ja nicht unterordnen, aber man sollte es akzeptieren, dass da andere Gesetzmäßigkeiten herrschen. Ich nehme aber einfach mal an, dass das die Meisten sogar tun.

      Wenn du ehrlich bist, sind doch solche Erscheinungen wie diese Scharia-Polizei eher nur Randerscheinungen. Das ist doch nicht wirklich ein beherrschendes Problem. Zu einem solchen wird das Ganze ja durch die Medien und die Politik. Vielleicht sollten sich alle etwas entspannen. Ich kann die PEGIDA-Bewegung verstehen. Aber ich kann die Kritiker auch verstehen. Und irgendwo dazwischen müsste so etwas wie ein vernünftiger Mittelweg zu finden sein.

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