Wenigstens hat die FDP frisches Brot

Als große Umgestalter sind sie in den Wahlkampf gezogen. Sie wollten Deutschland voran bringen. „Deutschland kann es besser“ war einer ihrer Sprüche. Politisch und gesellschaftlich dem Ende nahe, müssen die Liberalen nun aufpassen, sich nicht gänzlich lächerlich zu machen. Aber wenigstens haben sie frisches Brot dabei.

Die FDP hat interessante Charaktere. Da gibt es die verbalen Revolverhelden Westerwelle und Lindner, die in einer Art Königszug ins Abseits gedrängt wurden. Man findet weiter die weit vor dem politischen Zenit angestaubten Rösler und Bahr und die ständig rast- und ziellos umher wetternde Leutheusser-Schnarrenberger. Nachdem die ehemalige I-Tüpfelchen-Partei und nun zur vollständigen Farce verkommene Rotte am Abgrund zum politischen Schachmatt steht, fragt man sich, was da das Deutsche Volk bei der letzten Wahl zusammengewählt hat.

Die Hauptakteure der Liberalen waren vor der Wahl bekannt. Und leider ist das deutsche Volk zuhauf auf die vollmundigen Reden von Großklappe Westerwelle hereingefallen. Unvergesslich ist sein nach der Wahl gut pointierter und sagenhaft zielführend in Szene gesetzter Ausraster von der spätrömischen Dekadenz. Da konnte einem schon Angst und Bange werden. Nach weiteren ähnlich sinnfreien Ausdünstungen wurde er schließlich als Parteichef geschasst. Das hat auch etwas gutes für den Mann von Welt. Nun kann er sich voll und ganz auf sein Außenminister-Dasein konzentrieren und jedem, der es haben will, frisches FDP-Brot servieren.

Westerwelle hatte ja im Frühling jede Beteiligung deutscher Truppen an Angriffen auf Libyen ausgeschlossen. Nun stellt sich heraus, dass dem ganz und gar nicht so war. Damit hat es Westerwelle mal wieder geschafft, sich schnell und ohne Klimmzüge zu machen unglaubwürdig zu machen. Mich würde es nicht wundern, wenn man ihn weltweit als einen der höchsten Vertreter Deutschlands gar nicht mehr ernst nimmt.

Christian Lindner war ja auch so frei, als Wolf seinen Schafspelz auszuziehen. Schließlich war er es, der Kindern aus Hartz IV-Familien ungenügende Pflege und Versorgung attestierte. Nachdem nun angesichts der Euro-Krise etwas ernsthafter über eine europäische Schuldenbremse nachgedacht wird, jubelt er gleich mal in seiner unnachahmlichen Art in Stammtischmanier nach dem 5. Bier los: „Die Schuldenparty ist zu Ende.“ Ansonsten darf der hochgehandelte Generalsekretär immer mal wieder drauflos schwafeln, ob ihm jemand zuhört oder nicht. Möglicherweise philosophiert er dabei auch hin und wieder über frisches Brot.

Wir haben schon lang nichts mehr von Dirk Niebel gehört. Kennen sie den noch? Ja, das ist der deutsche Entwicklungshilfeminister. Der Hamburger jettet um die Welt und gibt große Hilfsbereitschaft des deutschen Staates vor. Und das macht er richtig gern, obwohl er vor der letzten Bundestagswahl als damaliger Generaler der Liberalen dafür geworben hatte, dieses Ministerium abzuschaffen. Möglicherweise wurde er deshalb gleich nach der Wahl auf die ministerielle Strafbank geschickt. Nun gut, er reist also in allerlei von Elend heimgesuchte Staaten dieser Welt. Als Oberentwicklungshelfer verteilt er dabei sicher immer körbeweise frisches Brot.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist eine der ärgsten Widersacher von Guido Westerwelle. Sie war mit dafür verantwortlich, dass Schandmaul-Guido als Parteichef nicht mehr antrat. Daneben hat sie sich erfolgreich gegen die Einführung von Internetsperren eingesetzt. Und die von ihr mit verantwortete Vorratsdatenspeicherung ist für verfassungswidrig erklärt worden. Da sie mit derlei Aktionen nun nicht wirklich erfolgreich war, sollte sie wahrscheinlich doch lieber wieder zu der Kabarettgruppe „Mindener Stichlinge“ zurückkehren. Und sei es nur für das Catering, um frisches Brot zu verkaufen.

Daniel Bahr… Wer ist das denn? Ach ja, der Nachfolger von Philipp Rösler als Bundesgesundheitsminister. So nichtssagend der Name, so erfolgeich ist er. Denn er hat geschafft, wozu sein Vorgänger nicht in der Lage war: Privatversicherte Empfänger von Hartz IV sollen laut einem Kompromiss mit den privaten Krankenversicherungen ihre Beitragsschulden erlassen bekommen. Mehr konnte er noch nicht fabrizieren, aber dies zeigt, dass ein FDP-Minister doch zu etwas nutze ist. Dafür bekommt er sicher von seinem Chef einen Korb frisches Brot.

Womit wir beim Chef wären. Philipp Rösler. 100 Tage in Amt und Würden. Angetreten war der Vizekanzler und neuer Bundeswirtschaftsminister als Reformer der bröckelnden FDP. Nun hat er alle Hände voll zu tun, die Brocken noch halbwegs zusammenzuhalten. Zum Antritt hatte er gesagt: „Ab heute wird geliefert“. Ist ihm das gelungen? Stimmen im Internet sagen aus: „Welche Arbeit denn?“, „Wer ist Rösler?“, „Als Gesundheitsminister nichts getaugt und auch sonst nichts auf die Beine gestellt“ und und und. Mit anderen Worten, man nimmt nicht wahr, was sein eigentliches Tagwerk ist. Und somit wissen wir, was er liefert: Frisches Brot.

Bei der ganzen Brotschlacht geht sein Vorgänger,  Ex-Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle fast unter. Dabei hat er den elektronischen Entgeltnachweis ELENA nach einer eingereichten Petition beendet. Er hat nach dem unsäglichen Hickhack nach der Fukushima-Katastrophe das Ende der Atomkraft eingeläutet. Aber er hat sich schwer geziert, sobald das Thema Mindestlöhne angesprochen wurde oder als es um Geld zur Rettung für Opel ging. Für seinen beherzten Einsatz für das weitere Erlauben von Klonfleisch in der Europäischen Union hat er sich aber eine echte Familienportion frisches Brot verdient.

Was ich damit sagen will: Die FDP bleibt den Nachweis schuldig, zu etwas nützlich zu sein. Immer nur dagegen zu sein, hilft einer Regierungspartei nicht weiter. Und gegen die sozial Schwachen im Land zu hetzen, fördert auch nicht unbedingt die Glaubwürdigkeit. In zwei Jahren ist wieder Bundestagswahl. Bisher sehe ich die FDP außerstande, weiter die Regierungsgeschäfte mitzubestimmen. Schließlich bestehen diese aus weit mehr als frischem Brot.

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6 Kommentare

  1. Es ist nicht die Aufgabe einer libertaeren Partei ein Herz fuer weniger Leistungsfaehige zu haben. Es ist auch keine Schande das sich eine libertaire Partei einspannen laesst die Mehrwertsteuer fuer ihre spendende Clientel zu senken.
    Es ist eine bodenlose Frechhheit wenn sie mit dem Stiefel auf die regulierende Kraft des Marktes tritt und ihrer Atomlobbyclientel die Pflicht erlaesst die Risiken des Atomkraftwerksbetrieb am freien Markt versichern zu muessen – und so den Staat in die Pflicht nimmt das Risiko tragen zu muessen.

  2. Herr Grunert, Ihre Ausdrucksfähigkeit ist unter aller Sau. Hab kein Wort verstanden. Was meinen Sie mit nicht Leistungsfähigen? Herrn Westerwelle? Frau Merkel?

  3. Weniger Leistungsfaehige = vom Arbeitsmarkt nicht abgefragte = H4ler.
    Die deutsche Parteienlandschaft ist ein Kindergarten bei denen es zuviel um Einzelpersoenchen geht, und weniger um klare Inhalte.
    Eine echte liberale Partei verlangt das die Privatwirtschaft ihre Risiken selbst versichert, sie haette die Laufzeitverlaengerung davon abhaengig gemacht ob die Atomindustrie eine Versicherung findet die fuer das Restrisiko haftet. Eine solche Versicherung haette den Neubau auf hoechsten Niveau billiger werden lassen als Pannen AKWs zu verlaengern.

  4. Sorry, da hatte ich Sie missverstanden. Aber Ihre Definition ist trotzdem fragwürdig. Nur dass Leute auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt werden, heißt nicht, dass sie leistungsfähig sind. Ich sehe ab und an die größten Luschen in hohen Positionen.

  5. ähm, das ist mein Fehler, dass ich das missverstanden hab. Danke für die Erklärung :-) Ist aber auch ein dickes Brett, so mitten in der nacht ;-)

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