Wenn Meinung bedeutet, in einer Blase zu sitzen

Liebe Leser, mir wurde mal wieder unterstellt, ich würde in einer Blase sitzen, weil ich das eine oder andere Thema hinterfrage. Ist das nicht gewünscht? Ich bin mir da nicht so sicher, wie ich mich verhalten soll. Wobei: Eigentlich weiß ich es schon. Aber eigentlich will ich mich gar nicht entsprechend verhalten. Genau genommen bin ich es leid, es irgendwem recht zu machen. Das funktioniert eh nicht. Das hier ist ein Blog voller Meinung. Und das hat nichts mit irgendwelchen Blasen zu tun.

Gefangen in der Blase

Eine Filterblase ist eine Informationsblase, die entsteht, wenn Webseiten voraussagen wollen, was der Benutzer auffinden möchte. Dies machen sie mit Algorithmen, die auf Parameter des Benutzers wie Standort, Sprache, Klickverhalten zurückgreifen. Ein gutes Beispiel sind Suchmaschinen und soziale Netzwerke. Und daraus ergibt sich eine Art Isolation der Dinge, die nicht dem Nutzerverhalten entsprechen. Denn diese Dinge werden einfach ausgeblendet und sind nicht mehr sichtbar. Es sei denn, man ändert sein Surf-Verhalten.

Es ist wie der Spruch “Wir haben alles, was Sie brauchen. Was wir nicht haben, brauchen Sie auch nicht”. Algorithmen versuchen, uns weiszumachen, dass sie wüssten, was uns interessieren könnte. So kann es dazu kommen, dass bei der Suche nach Nachrichten zu einem Ölkonzern dem Nutzer A Investitionen angezeigt werden, Benutzer B aber vielleicht eine Ölkatastrophe. Und ich soll mich nach Meinung anderer auch in einer solchen befinden. Allerdings, weil ich eine Meinung habe. Das ist schräg, ich weiß.

Alles Meinung

Wenn Meinung bedeutet, dass man in einer Blase hockt, dann mag ich meine Filterblase. Ich denke schon, dass ich mich zu Themen, die mich interessieren, ausgiebig informiere. Dass ich mich dann in meinen Artikeln eher auf Medien berufe, die in einschlägigen Kreisen als “Lügenpresse” bezeichnet werden, ist mein gutes Recht. Denn ich habe es so oft erlebt, dass das, was die gleichen Kreise als “echte Nachrichten” bezeichnen, reine Luftnummern waren. Ich lese sie, um mir ein Urteil erlauben zu können. Aber darauf berufen muss ich mich nicht unbedingt.

Daraus eine Blase zu konstruieren, ist ein wenig einfach. Aber es ist nun einmal so, dass es genügend Leute gibt, die einem erzählen wollen, dass man nur richtig suchen müsse, um die richtigen Informationen zu finden. Belegt man dann mit anderen Quellen deren Unwahrheit, sitzt man nach deren Meinung in einer Filterblase und wurde “von den Systemmedien versifft”. Ich lasse mir meine Meinung nicht verbieten. Egal, welche Blasen man um mich herum zusammen orakelt.

Ein Kommentar

  1. Alles muss man heutzutage hinterfragen. Ich mache das auch und öffene meine Blase, obwohl das – wie man ja weiß – durchaus schmerzhaft sein kann. Was ich in den letzten Wochen dabei erlebt habe, war nicht ermutigend (https://goo.gl/Nh6ccR). Aber ich halte es trotz der schlechten aktuellen Erfahrungen für absolut richtig und für wichtig, sich eben nicht in eine Blase zu verkriechen. Es gibt ja genug Leute, die andere dafür kritisieren, dass sie ihre Informationen im wesentlichen immer noch aus den ör Medien nehmen. Wenn ich all das grässliche Zeug lese, was die Weltverschwörer (egal, welcher Fraktion) in die Welt hinausblasen, krieg ich Depressionen, wenn ich nicht sicher wäre, dass das allermeiste davon totaler Spinnerkram ist. Vom Segen des Internets kann man unter solchen Voraussetzungen schon lange nicht mehr sprechen. Wer nicht aufpasst wie ein Schießhund geht solchen Idioten leider schnell auf den Leim. Also Henning! Du machst es richtig.

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