Wolgograd in den Medien

Man ist erschüttert, was man so aus Wolgograd hört. Die südrussische Stadt befindet sich ja derzeit in der totalen Terrorzone. Das alles kurz bevor die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi stattfinden. Alles in allem könnten die gelaufenen Anschläge nur ein Anfang für eine ganze Welle sein. Hat sich das Präsident Putin ernsthaft so ausgemalt?

Gestern sprengte sich jemand im Bahnhof von Wolgograd in die Luft. In russischen Bahnhöfen ist es so, dass dort Metalldetektoren aufgebaut sind. In der Schlange, die sich vor einem solchen Gerät gebildet hat, wurde eine Bombe gezündet. Es wurden viele Dinge behauptet. Aber es klingt vieles danach, als ob das eine so genannte „Schwarze Witwe“ war, also eine tschetschenische Frau, die ihren Mann im Krieg verloren hat. Knapp 20 Tote sind dort zu beklagen.

Und heute morgen kam die nächste Meldung: Mitten in Wolgograd flog ein ganzer Linienbus in die Luft. Erst hieß es, es hätte sich um eine Fernzündung gehandelt. Aber ich lese im Moment immer mehr, dass auch hier ein Selbstmord-Attentäter am Werk war. Mindestens 14 Tote gibt es hier zu zählen. Noch dazu habe ich von einer russischen Kleinstadt nahe Sotschi gehört, in der auch ein Anschlag verübt wurde.

Fällt nun Präsident Putin auf die Füße, dass er wahrscheinlich wider besseren Wissens behauptet hat, dass die Olympischen Winterspiele sicher seien? Ich meine, der Tschetschenien-Konflikt und überhaupt der ganze Krampf am Kaukasus scheint ja alles andere als ausgestanden zu sein. Außerdem hat Putin immer wieder mit inländischen Geschehnissen zu kämpfen. Da kann er sich nun mal nicht hinstellen und behaupten, dass Russland sichere Spiele ausrichten wird.

Jedenfalls berichten bei den Vorfällen die Medien ganz offen über die Anschläge. Allerdings wird hier und da weiterhin irgendein Hintergrund zusammen orakelt. Es wäre ja auch denkbar, dass das alles gar nichts mit dem Kaukasus zu tun hat. Was wäre denn, wenn die Anschläge ein klarer Protest gegen Putin sind? In jedem Fall ist davon auszugehen, dass der Anschlag auf den Bus heute morgen nicht das Ende der Fahnenstange war. Da kommt sicher noch das Eine oder Andere auf Russland zu.

Was aber merkwürdig an der ganzen Sache ist: Hätten die Anschläge in den USA stattgefunden, wären unsere lieben Medien sofort dabei gewesen und hätten Live-Ticker und Sonderberichte und Programmunterbrechungen und sonstwas gestartet. So aber gibt es „nur“ Nachrichtenartikel. Die meisten davon von Nachrichtenagenturen. Und da weiß ich noch nicht, wie ich das finden soll.

Bildquelle: Der durch eine Bombe im Oktober zerstörte Linienbus – www.volganet.ru [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL 1.3 (www.gnu.org/licenses/fdl-1.3.html)], via Wikimedia Commons

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