Wulff unter Beschuß – auch von unter der Gürtellinie

Ich denke, niemandem ist die leidige Diskussion um Bundespräsident Christian Wulff entgangen. Aber ist sie überhaupt gerechtfertigt? Ich habe so meine Zweifel. Ich habe auch meine Zweifel, dass der Beschuß mit lauteren Mitteln erfolgt.

Bundespräsident Christian Wulff / Offizielles Porträt 2010 und 2011 - (C) Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
Bundespräsident Christian Wulff / Offizielles Porträt 2010 und 2011 - (C) Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Natürlich ist Christian Wulff ein sehr blasser Bundespräsident. Es hat wesentlich stärkere gegeben. Als er damals von Bundeskanzlerin Merkel als Nachfolger für Horst Köhler vorgeschlagen wurde, habe ich das nicht so richtig verstanden.

Und ich vermute, aufgrund der Tatsache, dass er ein unpräsidialer Präsident ist, gibt es einige Hinterbänkler – so aus der 3. oder 4. Reihe mit einigem Einfluss zu Wirtschaft und Medien – die Christian Wulff besser heute als morgen entfernen möchten. Was wirft man ihm denn eigentlich vor?

1. Die unsäglichen Worte zum Thema Islam. Das Zitat lautet: „Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ (Quelle: Zitatensammlung Wikiquote)

2. Sein „Sponsorenverhältnis“ zu AWD-Oberguru Carsten Maschmeyer. Es war eine selten dumme Idee, eine Werbekampagne anlässlich der Buchveröffentlichung ausgerechnet zu „Besser die Wahrheit“ von dieser in der Gesellschaft als zwielichtig angesehenen Person finanzieren zu lassen.

3. Der leidige Privatkredit zum Hauskauf für sich und seine zweite Frau, dieser stammte ja vom Unternehmer-Ehepaar Geerkens.

Wie wird nun geschossen?

Dem Bundespräsidenten wird Amtsmissbrauch, Lug und Trug vorgeworfen. Aber – Leute, alle mal sachlich bleiben – wie hätte Wulff nach der Scheidung von seiner ersten Frau Geld zum Hauskauf ansparen sollen? Und hätte er zu einer Bank wackeln können? Die hätten ihm erzählt: Sie sind noch Ministerpräsident, der geschieden ist. Das ist uns zu heikel. Und in der Bildzeitung hätte am nächsten Tag in 50 Meter großen Buchstaben gestanden: Ministerpräsident nicht kreditwürdig!

Aber nein, die Medien konnten noch nie Fairness walten lassen. Es wird kräftig draufgehauen. Und wenn das Opfer dann halbtot am Boden liegt, wird noch kräftig draufgetreten, damit das Opfer ja nicht so unverschämt ist, wieder aufzustehen.

Da wird Transparency International aus dem Hut gezaubert, die gleich erstmal in Schockstarre verfallen dürfen. Da kommen Politiker der konkurrierenden Parteien zu Wort, die von Schweinereien und Entsetzen berichten können. Der Wulff-Biograf, der geschätzte Herr Müller-Vogg, wird nicht müde zu betonen, dass ihm die ganze Sache höchst rätselhaft ist.

Und irgendwie drängt sich mir der Gedanke auf, dass hier einiges recht merkwürdig ist, was da die Medien loslassen. Freunde, seid ihr so marktanteilsgeil, dass ihr einen schwachen Präsidenten so sehr peitscht, bis er davonläuft? Ich habe bislang noch keinen Anbieter gefunden, der die Meinung vertritt: Leute, ruhig Blut, es war ein Privatkredit, kein Massenmord. Aber nein, drauflosdreschen verkauft sich scheinbar besser.

Und wie die Schlaumeier, die jetzt vor Mikrofone und durch Nachrichtenportale gezerrt werden, alles besser wissen! Sicher, Wulff hätte sagen können: Jawohl, ich hab da mal einen Privatkredit mit den Geerkens ausgehandelt, weil ich doch damals die missliche Situation mit der Scheidung hatte. Hätte ihm das was gebracht, was die Schlaumeier jetzt alle wollen? Nein, todsicher nicht, da dann die Bildzeitung mit 50 Meter hohen Buchstaben getitelt hätte: Ministerpräsident pleite!

Wie dem auch sei, Wulff wäre in jedem Fall in der Zwickmühle gewesen. Und einem so angekratzten Präsidenten, der noch dazu kein schillernder Horst Köhler oder Richard von Weizsäcker ist, kann man doch schnell den Garaus machen. Nicht wahr?

Da der Dauerbeschuß auf Wulff allein nicht ausreicht, nimmt man sich mit technischen Mitteln Bettina Wulff zur Brust. Man kann es auch übertreiben, und da wird das Theater schon leicht widerlich und gerät ziemlich weit unter die Gürtellinie. Bettina Wulff wird ganz plötzlich mit dem Horizontalen und der rechten Szene in Verbindung gebracht. Den Beweis liefere ich Ihnen per Bildausschnitt aus der Google-Suche:

Bettina Wulff Mobbing per Google-Suche
Bettina Wulff Mobbing per Google-Suche

Die nachfolgenden Suchergebnissen behandeln ihr Tatoo, was ja schon bei Wulffs Amtseinführung für Entsetzen sorgte. Sie befassen sich mit dem Leben von Bettina vor Christian Wulff. Sie gehen davon aus, dass Frau Wulff Protituierte war, angeblich bekannt als „Tatoo-Betty“.

Dass man mit einem Menschen nicht einverstanden ist, ist völlig OK. Man kann auch gegen die Politik von Parteien kämpfen. Nichts dagegen. Aber muss man jemanden nebst Anhang gesellschaftlich vernichten, weil er einen Privatkredit verhandelt hat? Mir drängt sich der Verdacht auf, dass diese ganzen Guerilla-Angriffe gegen den ersten Mann im Staat von irgendwo her angezettelt sind. Und da wage ich einfach eine Theorie.

=======Theorie, die durch nichts bewiesen ist.=======

Wenn Christian Wulff zurücktritt, und das wird das Ziel der Angriffe sein, muss es ja einen neuen Bundespräsidenten geben. Und der wird von der Bundesversammlung gewählt. Und in der hat Bundeskanzlerin Merkel keine Mehrheit. Eine Schmach dieser Größenordnung und eine nahezu klinisch tote FDP als Koalitionspartner – das wäre das Ende für Schwarzgelb und für Kanzlerin Merkel. Neuwahlen zum Deutschen Bundestag wäre die Konsequenz. Und bei diesen kommt natürlich eine andere Konstellation zustande.

Da jede Partei lobbygetragen ist, sollten wir uns fragen, ob das im Interesse irgendeiner Lobby wäre. Und in der Tat, ich bin davon überzeugt, dass die ESM / ESFS-Debatte nicht jedem gefallen hat. Und vielleicht möchte jemand einfach, dass über den Europäischen Rettungsfonds anders entschieden wird. Und das kann nicht passieren, so lang Angela Merkel ihr Kabinett führt.

Aber wie gesagt, alles eine Theorie. Fakt ist, dass es einige Schwergewichte im Halbschatten geben muss, die das Dauerfeuer auf Christian Wulff steuern. Und das ist hochgradig feige. Ich bin dafür, dass diese Leute aus dem Halbschatten treten sollten. Da werden sie aber nicht, bis sie Christian Wulff politisch vernichtet und Neuwahlen angezettelt haben.

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3 Kommentare

  1. Die armen Wulffs, aber laut der Umfrage auf http://www.firstlady-skandal.com stehen die meisten Deutschen ja trotzdem hinter Wulff, gut so.

    Letztendlich zählt doch was er geleistet hat und nicht was seine Frau früher gemacht hat.

    Ausserdem ist es auch kein Wunder, dass die Sache nicht von Familie Wulff bei Antritt herum posaunt wurde. Man sieht ja jetzt schon, wie es auf die Frau herumgehackt wurde, was wäre geschehen, wenn sie es gleich selbst erzählt hätte.

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