Facebook-Erfahrung: Die Wut einer Mutter und was durch Fake-Meldungen passieren kann

Nun habe ich meine eigene Erfahrung gemacht, was durch Fake-Meldungen in sozialen Netzwerken wie Facebook werden kann. Ich habe etwas als nicht wahr gedeutet und den Zorn auf mich gezogen.

Nahezu täglich erfahre ich durch Newsletter oder Facebook- und Twitter-Meldungen von Fakes, also von Falschmeldungen. Da werden Bilder von kranken Kindern in das Netzwerk geschleust und instrumentalisiert. Da werden falsche Suchmeldungen ausgegeben. Da wird sonstwas getrieben, um möglichst viele Kontaktdaten von Nutzern zu erhalten. Sie kennen sicher selbst solche Meldungen.

Ein treffendes Beispiel ist ein Bild von einem Kind, das dringend operiert werden muss. So lautet die Meldung. Die Eltern würden sich wohl die Operation nicht leisten können, weshalb nämlich das Bild so oft wie möglich geteilt, also weiterverbreitet, werden soll. Denn für jedes Teilen würde wohl Facebook einen Betrag X bezahlen, meist 3 Cent pro Teilen.

Wie oft wurde ich nahezu zur gleichen Zeit auf Warnungen aufmerksam, das Foto nicht zu teilen, da es sich um eine Falschmeldung handelt! Also habe ich mir zur Prämisse gemacht, selbst zu hinterfragen und erst einmal die Suchmaschinen meiner Wahl zu bedienen. So weit, so gut.

Also begab es sich, dass eine Bekannte, mit der ich einige Zeit zusammengearbeitet habe, eine Suchmeldung über Facebook teilte. Es wurden zwei Teenager gesucht. Man solle den Suchaufruf so oft es geht teilen. Da man nun nicht weiß, ob dies alles soweit richtig ist, habe ich also gemäß meiner Prämisse gesucht.

Ich gab den Namen des ersten Teenagers in eine Suchmaschine ein. Neben irgendwelchen künstlerischen Darbietungen wurde mir auch eine Singlebörse als Ergebnis geliefert. OK, für mich war damit klar, dass dies ein Fake sein KANN.

Als Kommentar zu der Suchmeldung habe ich dann also das Profil aus der Singlebörse verlinkt. Leider war ich dann abgelenkt, sodass ich nicht gleich nach dem Namen des zweiten Teenagers suchen konnte. Schließlich wollte ich ja meiner Bekannten und ehemaligen Kollegin weiterhelfen. Es bestand ja immerhin der Verdacht, dass da etwas dran war. Denn was sagen denn Profile in Singlebörsen schon aus?

Als ich dann später wieder Zeit fand, mich um die Suchmeldung zu kümmern, stellte ich fest, dass mich eine gemeinsame Bekannte meiner ehemaligen Kollegin angeschrieben hatte und mich darauf hinwies, dass mein Kommentar unpassend war. Da musste ich erst einmal schauen.

In den Kommentaren zur Suchmeldung wurde ich mit ziemlich viel Fäkalien beworfen. OK, da wusste ich schlagartig: Das war kein Fake. Das war bitterster Ernst. Und mir wurde auch sofort klar, dass hier erst einmal eine Entschuldigung her musste.

Zwischenzeitlich habe ich die Suchmeldung über meinen Twitter-Account verbreitet. Schließlich habe ich da auch einige Kontakte. Wer weiß, vielleicht hätte ja jemand etwas gewusst?

Und dann habe ich die Suchmeldung wieder geöffnet, um nach dem Namen des zweiten Teenagers zu schauen. Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich sah, dass der Nachname des zweiten Teenagers der gleiche wie der meiner ehemaligen Kollegin war. Da musste ich keine Suchmaschine bedienen, um zu wissen, wohin der Name gehört.

Ich formulierte nochmals eine Entschuldigung. Eine Kommentatorin der Suchmeldung überzog mich mit Häme, Spott und Wut. Ich gab an, dass mir als Vater der erste Kommentar leid täte. Ich wüsste selbst nicht, wie ich als Vater einer prächtigen Tochter auf so einen Link in einer Singlebörse reagiert hätte. Jedenfalls wurden die Hasstiraden immer bösartiger.

Mittlerweile war dann raus, dass beide Teenager wieder aufgetaucht waren. Ein bisschen froh war ich da auch darüber. So konnten beide Mütter erst einmal ihre Situation klären. Meine ehemalige Kollegin hatte ja schon lange vorher die erste Entschuldigung angenommen. So hoffte ich auf etwas Beruhigung bei der anderen Dame.

Aber nichts da. Die zog weiter vom Leder. Ich war quasi alles, nur kein Mensch. Ich meine, ja, es war unpassend. Aber es war eben das einzige, was ich zum ersten Teenager beitragen konnte. Und es war ja auch nicht böse gemeint.

Die Hasstiraden kamen erst zum Ende, als ich der Dame damit drohte, sie gegenüber Facebook zu melden. Ich lasse ungern meinen Namen verunglimpfen.

Meiner ehemaligen Kollegin habe ich dann noch ins Profil geschrieben, dass ich ihr und ihrer Familie alles gute wünsche und dass alles, was so war, möglichst bald ins Lot kommen möge. Ich meine, was auch immer war, ich habe die Situation einfach falsch eingeschätzt.

Die Folge könnte jetzt sein, dass ich mich mit Suchmeldungen gar nicht mehr befasse. Ich habe ja auch genug andere Sachen zu erledigen. Schade wäre es nur, wenn wieder eine echte Suchmeldung durch Ignoranz untergehen würde.

Darum eine Notiz an mich: Prüfe Meldungen genau, bevor du darauf in irgend einer Form reagierst. Sonst ziehst du dir wieder die Wut einer Mutter auf dich.

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