Bremse auf den Plattformen: Ich kann das nicht mehr

Ich kann das Alles erstmal nicht mehr ertragen. Deshalb habe ich jetzt erstmal in Sachen Mastodon und Bluesky und so auf die Bremse getreten. Da wir eh erstmal im Urlaub sind, passt das ganz gut. Ich muss mal meinen Kopf durchlüften. Nein, wir fahren nicht weg. Und ich bin auch im Blog nicht weg. Aber diesen ganzen Quatsch, der so im Fediverse und auf Bluesky und wo auch immer stattfindet, den kann ich mir erstmal nicht antun. Meine drei Wochen Urlaub von der Arbeit nutze ich auch zum Urlaub von Social Media.

Quality Time muss echt mal sein

Meine Frau und ich haben später im Jahr einen etwas kostspieligeren Urlaub vor. Da hier im Osten zwar die Preise genau so gestiegen sind wie im Westen, die Gehälter aber lange nicht so sehr, haben wir die Entscheidung getroffen, lieber unsere 3 Wochen Sommerurlaub während der teuren Hauptsaison ausfallen zu lassen. Wir lassen alle fünfe grade sein. Statt großer Reise ist Quality Time angesagt. Es ist der erste Sonntag unseres Urlaubs, bevor die 3 Wochen beginnen.

Man hat den Samstag vergammelt, und der Sonntag ist auch schon mehr als halb rum. Mit Müh und Not haben wir uns ein umfangreiches Frühstück in die Wänste gestellt. Meine Frau hat sich nun gerade so mit letzter Kraft wieder in die Waagerechte geschleppt, und ich blogge hier irgendwelchen Dreck zusammen, von dem ich nicht mal weiß, ob das jemanden interessiert. In so einem Zustand guckt man bei Mastodon und Bluesky vorbei und fragt sich, was das soll.

Das ist der Punkt, an dem ich auf die Bremse trete. Wir werden unsere 3 Wochen Quality Time genießen. Nach so vergammelten 40 Stunden – rund – merkt man ja erst, wie einem die letzten Wochen und Monate zugesetzt haben. Die Batterien sind echt leer, da ist keinerlei Kapazität mehr vorhanden. Ende, aus, Mickymaus. Und was die beiden Netzwerke oben betrifft, so muss ich echt sagen, dass ich da auf dem besten Weg zum Doomscrolling war. Und das muss dringend aufhören, deshalb Abstand.

Vor allem Mastodon ging mir die letzte Zeit ziemlich auf die Nerven. Ich will gar nicht die ganzen Themen, die da wie Säue durch die Dörfer mit ihrer Lagerfeuerromantik getrieben wurden, nacherzählen. Leute, ich hab’s ja verstanden: Wir haben das Ende der Welt schon lange hinter uns gelassen. Nun lasst mich in Ruhe und heult ohne mich weiter. Diese Scheiße macht was mit mir. Ich hab das schon mal durch und brauche das nicht nochmal.

Und es ist echt nur eine Bremse?

Leute, ich habe keine blassen Schimmer, wie es weitergeht. Auf Mastodon habe ich ein paar echt coole Leute in meinen Kontakten. Auf Bluesky ebenso. Aber diese ganzen Weltuntergangsprophezeiher nerven mich schon extrem hart. Und wie sagte schon der „Dunkle Parabelritter“ Alexander Prinz? „Du kannst sie nicht alle töten“. Keine Ahnung, ob das von dem stammt. Es wird sicherlich jemand um die Ecke biegen und mir Unwissen vorwerfen und mich geflissentlich korrigieren. Es ist mir wumpe.

Irgendwann hast du den Punkt erreicht, an dem du einfach nur noch Blei in den Beinen hast und mit beiden Stelzen auf die Bremse trittst. Bei den kommerziellen Plattformen gelingt mir das erstaunlich gut, obwohl ich da noch die Accounts habe. Wenn ich alle paar Tage oder Wochen mal Bock habe, gucke ich dort mal vorbei, lache ein bisschen und haue wieder ab. Wer weiß, vielleicht wird das bei Mastodon und Co. genau so. Vielleicht bin ich für diesen ganzen Kram einfach nicht mehr gemacht.

Wie habe ich mir das also mit den Plattformen gedacht? Ich schaue jetzt erstmal auf mich. Es gibt ja irgendwie Gründe, warum mich alles so nervt. Ich habe echt zum Teil Schmerzen, wenn ich den Unfug lese, der da in den Netzwerken verteilt wird. Jaja, ihr wisst es eh schon wieder besser, und nur ich liege falsch. Ja, von mir aus, steckt euch doch eure Erkenntnisse an den Hut. Ich habe vielmehr eine ganz andere Beobachtung machen müssen.

Speziell auf Mastodon wird ja immer behauptet, auf X – früher Twitter – würde viel Hass und Hetze stattfinden. Wenn ihr mal ehrlich seid, wo ist denn bei Mastodon der Unterschied? Alles, was nicht eurer Haltung entspricht, ist gleich rechtsradikal. Damit meine ich nicht die blau angemalten Seelenverkäufer von rechtsaußen. Wenn ich mir nicht oftmals auf die Finger hauen würde, würde auch ich als „Nazi“ bezeichnet werden. Und das ist echt höllisch anstrengend mit der Zeit.

Deshalb lasse ich es erstmal sein. Ich trete auf die Bremse. Das Einzige, was ihr auf Mastodon von mir lesen werdet, sind meine automatisiert geteilten Blogartikel. Mehr nicht. Und nach meinem Urlaub werde ich mal sehen, ob ich wieder Kapazitäten für den Laden habe. Auf Bluesky habe ich leider keine Alternative. Aber dann ist das so. Die Aufrufe von dort auf meine Blogartikel sind eh nicht der Rede wert. Naja, und dann schauen wir mal.

Hier ändert sich gar nichts

Ich mag in Social Media – Bluesky und Mastodon gehören ja dazu – auf die Bremse treten. Und das passiert ja auch. Hier im Blog aber nicht. Und auch an meiner Musik werde ich weiter basteln. Was soll sich da auch ändern? Ich bin aber müde, das immer wieder aufgewärmte Schlechtreden irgendwelcher Menschen oder Situationen auf den Plattformen zu ertragen. Und ich will das auch nicht mehr. Ich habe die Schnauze gestrichen voll. Keine Ahnung, ob sich das wieder ändert.

Ich habe immer gesagt, dass mein Blog meine Homebase im Internet ist. Warum sollte ich da irgendwas anders machen wollen? Klar, ich werde jetzt nicht ständig am Rechner hängen, dann hätte ich auch keinen Urlaub einreichen müssen. Aber ich werde dann lieber hier erzählen statt in Social Media. Und Themen, die andere auf die Palme bringen, muss ich auch nicht immer mitbekommen, sonst bringen die mich auch auf die Palme. Und das will ich alles nicht.

So, jetzt reicht es aber auch mit dem Artikel. Ich denke, es ist klar geworden: Ich bin genervt von den Plattformen und meine damit ausdrücklich hauptsächlich Mastodon, und deshalb trete ich da erstmal kürzer. Wer weiß, vielleicht tut mir das ja auch ganz gut, mal richtig auf die Bremse zu treten.

Einfach mal weitersagen

16 Gedanken zu „Bremse auf den Plattformen: Ich kann das nicht mehr“

  1. Schönen Urlaub gewünscht und möge es eine entspannte Zeit werden. Ich habe mich vor Jahren aus dem „Game“ verabschiedet und konsumieren nichts mehr mit dem Ernst wie damals. Ausser Youtube, sind die anderen Netzwerke in den Hintergrund getreten. … liegt wohl am Alter ;-)

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  2. Ich wünsche dir einen schönen Urlaub 🙂

    Ich habe auf Mastodon keinen Stress. Das liegt wohl daran, dass ich dort nicht sehr aktiv bin. Es kann durchaus sein, dass ich mehrere Tage hintereinander nicht reingucke. Auf politische Diskussionen verzichte ich sowieso. Da sind die Meinungsunterschiede zu groß und jeder denkt, dass seine Ansicht die einzige richtige ist.

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  3. Zu Mastodon und Co kann ich nichts sagen, ich bin vor Jahren aus Twitter ausgestiegen und hab mich nie wieder irgendwo angemeldet. Bleibt mir nur, euch einen schönen Urlaub zu wünschen. Grüẞe und Peace.

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  4. „Urlaub von Social Media“ – Ach, Henning. Davon redest du doch schon seit Jahren. Komm: Raff deinen Mut zusammen und melde deine Account überall dort ab. Ich schwöre dir: Das Leben geht weiter, sogar auf besondere Art ;)
    (Später kannst du dann darüber bloggen, wie dich die ganzen auf-die-Handys-starrenden-Leute überall erstaunen)

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    • Naja, stimmt schon. Ich hab ja auch lange Zeit überhaupt gar nix in Social Media gemacht, bis irgendwann dieses Mammut-Dings aufkam. Das hatte erst nicht gut für mich funktioniert, dann – nach einer Pause – lange Zeit war ich doch recht zufrieden dort. Aber seit einiger Zeit nervt es. Deshalb mache ich ja die Pause.

      Wenn ich nix vermisse, kann ich das immernoch alles totlegen. Keine Frage. Und die Smombies lache ich doch jetzt schon aus.

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  5. Ich höre hier beim Lesen gerade einen gestern schnell klicki-klicki notierten viertaktigen Loop auf ||: Gm Gm7/F, Eb, D7 :|| ab – ja, ich weiß, ich habs aber auch immer mit dem Dunklen – und muss sagen, dass der sehr gut zum Text passt. Einen schönen Urlaub vom Wahnsinn! Niemand braucht die heißen Bratpfannen für die Psyche, aber innerer Frieden ist für jeden Menschen gut.

    (Das USENET war früher auch nicht so viel besser. Jedenfalls nicht mehr seit dem September 1993. Aber die Leute hatten ihr Internet nicht ständig in der Tasche und es hat immer auch ein bisschen gedauert, bis es zu Reaktionen kam. Ein Herausnehmen der Unmittelbarkeit würde vermutlich helfen, sich nicht gleich von einer Herde Teufel umgeben zu sehen und vernünftiger heranzugehen. Aber die Leute wollen es so. Die wollen den Vollrausch auf Psyche. Ich bin so froh, dass heute keiner mehr über Diaspora spricht und dass Diaspora so inkompatibel zu den anderen großen Fediverse-Social-Media-Nachbauten ist. Es ist sehr ruhig geworden, und manchmal sogar ein bisschen hübsch. Was mir an einem ganzen Tag in die Timeline kommt, kann ich in einer Viertelstunde überfliegen.)

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    • Ooooch, die Akkordfolge hab ich grad mal vor mich hin geklimpert. Soooo düster ist sie gar nicht. Wenn du bei einem G-Moll-Stück deine Akkordfolge mit einem reinen D-Dur beenden würdest, wäre das viel schlimmer.

      Nein, ich glaube auch, dass diese ganze Unfug zu hoch gehängt wird. Ich merke ja, dass es mich entspannt, nicht mehr auf irgendeinen Feed zu starren, egal wo er läuft.

      Genau, es ist das Unmittelbare, was alles kaputt macht. Natürlich hast du in diesem Damals auch gestritten und debattiert. Aber ich glaube, es ging noch ganz gut, weil du dieses so genannte Internetz nicht immer dabei hattest. Und das ist der Unterschied.

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  6. dein Artikel hat mir gewissermaßen auch aus der Seele gesprochen – im Urlaub letztens habe ich es ähnlich gemacht und, naja, man fremdelt dann schon, wenn man wieder „zurück“ kommt. Es macht zwar Sinn, dass in wilden Zeiten auch die eigene Timeline wild ist und dass die großen Erschütterungen dieser Zeit auch Schockwellen quer durch die Postings werfen, aber irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass die Stimmung auf Mastodon aktuell arg gekippt ist. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass viele User auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt aufmerksam machen wollen, was ja einerseits wichtig ist, aber einem als Rezipienten halt auch nachhaltig die Laune versauen kann: Dann ist ein schöner Sommertag, die Sonne scheint, Trump zerstört die US-Demokratie, die AfD ist auf dem Vormarsch, das Meereseis in der Arktis hat einen neuen Tiefstand erreicht und keiner tut was, irgendeine Petition gegen eine Ungerechtigkeit hat noch nicht das Quorum erreicht, die Vögel singen draußen, in nicht nur einem Land herrscht gerade Krieg und das alles kommt so geballt, dass es nicht mehr zu bewältigen ist.

    Ich arbeite dort mittlerweile stark mit Filtern und das hilft schon sehr: Man kann sich so bestimmte Themen und Aufreger („Trump“, „Musk“, „Spahn“) ausblenden. Eine gepflegte Filterliste ist wirklich Gold wert und es hilft auch, wenn man recht gezielt Leuten entfolgt, die Quatsch posten. Da habe ich mittlerweile recht harte Prinzipien und das hilft. Wer etwa gruppenbezogene Menschlichkeit postet, fliegt sofort. Wer verkürztes Denken postet oder sich nur über die Überschriften eines Artikels lustig macht, statt ihn zu lesen, der fliegt. Ist schade, von manchen Usern hatte ich eigentlich mehr erwartet, aber tja. Ich kann dich gut verstehen.

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  7. Moin Henning, ich habe auch von Zeit zu Zeit mal U-Boot-Phasen. Und die sind aus meiner Sicht wichtig für meinen mentalen Zustand. Niemand muss sich diesem Strahl aus Negativität aussetzen. Immerhin funktionieren im Fediverse für mich die Filter ganz gut. Ich habe eine lange Liste an geblockten Hashtags und bei manchen Begriffen kann ich dann je nach Tagesverfassung entscheiden, ob ich den Post lesen will oder nicht. (Haha, ich lese gerade über mir von gehemin, dass meine Filterbegriffe auch anderer Leute Filterbegriffe sind, wen wundert’s)

    Ich habe schon den Eindruck, dass die Debatte im Fediverse ziviler ist, aber es ist schon so, dass sich da manchmal eine Grundnegativität und allgemeine Vorwurfshaltung einschleicht. Da bin ich für mich immer noch dabei die feinen Signale zu lernen, mit denen mein System mir meldet, dass es mal wieder Zeit für ein Abtauchen ist.

    Liebe Grüße
    Angela

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