„Das Internet“ hat nun beschlossen, dass an jedem ersten Sonntag im Monat der DI.DAY stattfinden möge. Digitale Unabhängigkeit soll sein. Was irgendwie wie eine neue Art des virtuellen Lagefeuers gilt, ist schon ein bisschen mehr. Und ich glaube, dass wir uns einfach mal ein paar Takte darüber unterhalten müssen. Kann sein, dass ich ein bisschen ausfällig werde. Aber wie sagt man so schön? Es dient ja nur der richtigen Sache. Oder so. Habt ihr alle eure Hashtags dabei?
Was ist denn der DI.DAY schon wieder?
Ihr kennt ja alle die Tech Bros. Die Zuckerbergs, die Bezos, die Nadellas, die Cooks und so weiter und so fort. Die bestimmen quasi, was im Internet passiert. Ich musste mir einen neuen Bürostuhl bestellen, weil mein bisheriger, mit dem ich unfassbar glücklich bin, nun doch nach 5 Jahren langsam den Geist aufgibt. Also habe ich nach dem gleichen Modell gesucht. Ich bin auch bei Amazon rausgekommen. Fortan werden mir dann Bürostühle bei Facebook und Google und so angezeigt. Reizend.
Und sowas ist es, was die Initiatoren des DI.DAY anprangern, was sich unbedingt ändern muss. Ihr glaubt vielleicht, dass das, was ihr bei Google, Facebook, Instagram und so weiter und so fort seht, „Das Internet“ ist. Ist es nicht. Aber es wird euch vorgegaukelt. So, wie euch vorgegaukelt wird, dass das, was euch die großen Plattformen so unterjubeln, alternativlos ist. Das ist es nämlich nicht. Was denkt ihr, warum es das Fediverse mit Mastodon, Pixelfed etc. gibt, warum es Blogs gibt und so weiter?
Jedenfalls gibt es da so eine Initiative, mit der man quasi ermuntert werden soll, von den angeblich alternativlosen Plattformen zu echten Alternativen zu wechseln. Die Macher vom DI.DAY waren sogar so frei und haben so genannte Wechselrezepte gebastelt. So könnte das dann klappen, dass man hier und da mal einem der US-Monster den Rücken zu kehrt. Und nein, niemand „muss“ irgendwas tun. Aber es ist schon so, dass Alternativen euch schützen und euch auch nützen.
Aber warum denn da ein Tag?
Ich halte ja eigentlich nichts von solchen „Tagen“. Es gibt keinen guten Zeitpunkt, sein digitales Leben wieder in den Griff zu bekommen. Glaubt ihr, dass ihr alle Suchergebnisse in der Google-Suche angezeigt bekommt oder dass euch alle Posts eurer Kontakte auf den US-Plattformen angezeigt werden? Bei Alternativen ist das halt der Fall, weil die gar kein Interesse daran haben, euer digitales Leben in irgendeiner Form zu steuern, nur um Profit daraus zu schlagen.
Wichtig ist halt, dass man irgendwann damit anfängt. Ich habe mich irgendwann von Twitter / X, LinkedIn, Pinterest und all dem Kram getrennt. Für Facebook gibt es quasi keinerlei Relevanz mehr, ebenso für Instagram. Ich tue mich halt derzeit überhaupt mit allen Plattformen schwer, weshalb ich da eh kaum vertreten bin. Ich bin auch nicht weiter auf Mastodon aktiv, obwohl das ja als der Heilsbringer gilt. Aber ich brauche für so einen Wechsel keinen speziellen Tag. Aber vielleicht ihr, weshalb es den DI.DAY gibt.
Das größte Problem sind ja unsere Dateien. Die Urlaubsfotos bei Google Photos, die Rechnungen, Nachweise und Dokumente bei OneDrive, was ihr wollt. Ich bin derzeit dabei, mal wieder an meiner Nextcloud herumzubauen. Ich lade Daten dort hoch, die ich von anderer Stelle dann entferne. Aber sowas dauert halt. Es gibt da wohl auch Synchronisationsmechanismen. Aber so kann ich gleich mal aussortieren. Auch hier gilt: Es braucht da keinen besonderen Tag, man muss es halt machen.
Welcher Sinn steckt denn dahinter?
Ich habe ja eingangs geschrieben, dass ich da auch ausfällig werden kann. Wenn ich mich so umsehe, dann stelle ich fest, dass viele jetzt daher kommen und in Kumbaya-Manier predigen, dass es ja quasi nur diesen einen Ausweg gibt und man sonst verloren sei. Es dürfte nicht wenige Menschen geben, die den kommerziellen Plattformen treu sind und die so ein Verhalten als „cringe“ bezeichnen würden. Könnt ihr das mal weniger wie eine Monstranz vor euch hertragen?
Nicht falsch verstehen, die Nummer mit dem DI.DAY – das steht übrigens für „Digital Indepence Day“ oder so – ist gut. Aber vielleicht ist es dann besser, wenn es den Menschen, die erst überzeugt werden müssen, schmackhaft gemacht wird? Was ist „das Geile“ an Mastodon oder Friendica, was bei X oder Facebook nicht geil ist? Gleiches dann für Pixelfed im Vergleich zu Instagram. Und ich meine nicht „Das Geile ist der Datenschutz“. Das interessiert einen Instagram-Nutzer halt nicht.
Mich braucht niemand zu überzeugen, ich weiß, dass das eine gute Sache ist. Und ab und zu muss man auch aufpassen bei Alternativen. Und es muss ja auch praktikabel sein. Ich werde wohl auf absehbare Zeit bei Windows bleiben. Im Beruf ohnehin. Aber bei meiner Musik bleibt mir im Moment halt auch nur Windows als Fundament. Ich möchte deshalb nicht beschimpft werden und will auch keine Vorschläge wie „Dann nimm doch eine andere Software“. Das hilft niemandem.
Ohne so etwas gibt es sicherlich viele Menschen, die man dann in die Welt der digitalen Alternativen bringen kann. Begleitet sie, aber seid keine Besserwisser. Denn so etwas hängt mir persönlich immer zum Hals raus. Naja, und was ist dann das Resultat? Reaktionen wie „Die wollen Facebook verbieten“ oder „Ich darf kein Instagram mehr nutzen“ oder „Ich nutze jetzt erst recht WhatsApp“. Was habt ihr denn dann gekonnt? Nix. Also seid da mal ein bisschen empathisch.
Ach ja, und deshalb ist das auch keine richtige Tirade, die ich hier in meinen Blog geworfen habe. Dafür ist die Sache mit dem DI.DAY zu gut. Ich glaube, das ist dann, was solchen Sachen erst richtig Sinn gibt. Können wir das hinkriegen? Ich hoffe doch. Aber wie seht ihr sowas?






Likes
Neuveröffentlichungen