FreshRSS: Feed Reader selbst hosten?

In Zeiten des immer wilder werdenden Internets will man ja dennoch Artikel lesen. Ich probiere da jetzt FreshRSS in meinem Webspace aus. Das ist ein RSS Reader, bei dem man nicht auf irgendeinen anderen Dienst angewiesen ist. Wenn alle diese Dienste anfangen durchzudrehen oder vielleicht abgeschaltet, verkauft oder sonstwie verschlimmbessert werden, kann man sich nicht mehr auf sie verlassen. Und dann muss man sich selbst behelfen.

Ich will es ungefiltert

Ich habe ja immer geschrieben, dass ich mir gern selbst einen Eindruck von der Welt machen will. Mir bringt es nichts, wenn das jemand für mich vorkaut oder vorsortiert oder meint, mir die Welt mit einem Algorithmus kuratieren zu müssen. Deshalb nutze ich ja RSS. Ich hatte lange Zeit zu diesem Behufe den Reader Feedly im Einsatz. Da der eine ziemliche Katastrophe wurde, habe ich mich zu Inoreader überzeugen lassen. Der Inoreader läuft erstaunlich gut.

Allerdings hatte der Martin mehr oder weniger so beiläufig erwähnt, dass die Bude hinter dem Inoreader mit KI rumspielt. Ey, darauf habe ich ja nun so gar keine Lust. Also erstmal schauen, ob ich da was falsch verstanden habe. Aber nein, seit einem Jahr palavert der Betreiber einen von „Inoreader Intelligence“ daher. Geht mir das auf den Sack. Es geht nichts mehr ohne fucking Zusammenfassungen, KI, Algorithmen und all diesem Dreck, oder?

Ich will es ungefiltert, habe ich in der Zwischenüberschrift geschrieben. Was soll ich denn mit diesen Mechanismen? Meinem Verständnis nach soll RSS so funktionieren, dass ich mir selbst suche, was ich gern verfolgen will. Man kann mir Quellen empfehlen, keine Frage. Aber ich will einfach nicht, dass mir irgendwer irgendwas vorkaut. Ich bin sicherlich dazu in der Lage, Inhalte zu bewerten, so unübersichtlich die Welt auch sein mag.

Gut, das Feature „Summarize“ ist nur mit einem kostenpflichtigen Abo verfügbar, was für meine Nutzung nicht zutrifft. Aber immerhin: Der Laden bietet es halt an. Und was wäre denn, wenn Inoreader meine Inhalte nutzt, um die eigene KI zu trainieren? Vor allem: Ohne um Erlaubnis zu fragen. Das ist doch immer das Ding. „Wir bieten gegen Geld einen fancy KI-Stuff an, für die wir ungefragt Inhalte anderer nutzen“.

Und was ist das jetzt mit FreshRSS?

Ich habe mir jetzt in meinem Webspace FreshRSS installiert. Das ist quasi ein Feed Reader, den du dir selbst hostest. Ja, mir ist schon klar, dass nicht für jeden was ist. Ich hatte den Reader schon mal installiert und war nicht so richtig glücklich darüber. Jetzt gucke ich mal, wie die neuere Version so funktioniert. Aber ich will halt unbedingt selbst über die Inhalte bestimmen, die ich mir aussuche. Und dafür ist FreshRSS gar nicht so doof.

Der ganze Bums läuft als eigene Webseite und braucht eine Datenbank. Die Installation ist nahezu selbsterklärend, so lang man selbst ein Stückchen Webspace hat. Wer will, kann sich selbst belesen. Ob ich den Reader dauerhaft benutzen und damit Inoreader ersetzen werde, muss ich erstmal sehen. Es gibt halt doch ein paar kleine Stolpersteine. Dass ich das selbst hoste, ist das Eine. Das muss ich ja nicht tun. Aber wenn ich es schon mache, dann stelle ich schon was fest.

Aus irgendeinem Grund sind die initial abgerufenen Feeds, denen ich so folge (Ich habe sie importiert), alphabetisch sortiert. Egal, was ich in der Sortierung einstelle. Kann sein, dass das am initialen Abruf liegt. Ich werde das mal beobachten. Naja, und das „Look & Feel“ ist halt etwas anders, aber für mich jetzt kein Problem. Ach ja, eine App muss man sich suchen. Klar, die verlangen kein Geld und haben daher auch keins für die Entwicklung einer solchen.

Wenn man sich so umschaut, was so über RSS erzählt wird, liest man, dass das immernoch seine Relevanz hat und dass dabei vor allem bei den Nutzenden im Vordergrund steht, die Kontrolle über die Informationsquellen zu behalten. Insofern ist der Ansatz von FreshRSS schon der richtige. Inoreader mit ihrem KI-Ansatz sind damit falsch abgebogen. Schade eigentlich. Denn der Reader kommt aus Bulgarien und damit aus der EU. Aber FreshRSS wurde halt in Frankreich entwickelt. Auch gut.

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10 Kommentare zu „FreshRSS: Feed Reader selbst hosten?“

  1. Nutze auch schon sehr lange FreshRSS.
    Mit dem angekündigten Tod vom Google Reader habe ich direkt mit einer selbstgehosteten Lösung weitergemacht. Damals noch ein anderes Tool, dessen Entwickler aber dann irgendwann komisch abgebogen ist. Daher habe ich es dann mit FreshRSS ersetzt.
    Das Gute ist, man kann es direkt im Browser nutzen oder in einem der zahlreichen mobilen Clients einrichten.

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  2. Ich nutze auch schon seit einer Weile FreshRSS und kann es nur weiterempfehlen.
    Besonders auf dem Tablet ist meiner Menung nach die Anzeige und vor allem die Navigation sehr gut umgesetzt.

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    • OK, dann passt das ja. Wie gesagt, ich muss mich noch reinarbeiten. Aber das wäre genau so mit einem Umstieg von Word nach LibreOffice Writer (Ich weiß, wovon ich da rede) oder von – keine Ahnung Corel Draw nach Gimp oder so.

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  3. @henning-uhle.eu
    Ich hatte auch mal verschiedenes RSS -Zeug auf meinem Webspace aktiv gehabt, bis ich dann gemerkt habe das ich eh nur auf 1 Gerät lese und gar kein Synchronisieren und so weiter wirklich brauche für mich. 😅

    Wer das braucht oder will kann da mittlerweile so viel an Möglichkeiten nutzen. 😁😉

    #UhleBlog #Alltagstipp #Community #Internet #Software #Webseite

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