Getty Images bietet kostenfreien Zugriff auf Bilderdatenbank?

Eine freudige Nachricht ereilte die Bloggerwelt über Nacht. Der weltweit bekannte Bilderdienst Getty Images bietet Bloggern und Webseitenbetreibern kostenfrei Zugriff auf die eigene Bilderdatenbank. Bisher musste man die Bilder kaufen, das soll ab jetzt nicht mehr notwendig sein.

Trotz des sehr verlockenden Angebots – Getty Images ist so ziemlich das Non-plus-Ultra in Sachen Bilderdienst – bin ich sehr skeptisch. Warum? Das werde ich mal kurz ausführen.

The Verge berichtete über das Vorhaben von Getty Images. Ab jetzt ist es wohl möglich, ein Bild von Getty Images ganz einfach und ohne Wasserzeichen einzubinden. Dazu baut man einfach nur ein Stückchen Code, in dem das Bild mit verlinkt ist, in seine Seite ein. Craig Peters aus den Reihen des Bilderdienstes hat dafür eine einfache Erklärung für den Schritt:

Look, if you want to get a Getty image today, you can find it without a watermark very simply […] The way you do that is you go to one of our customer sites and you right-click. Or you go to Google Image search or Bing Image Search and you get it there. And that’s what’s happening… Our content was everywhere already.

Grob übersetzt: Wenn man heute ein Bild von Getty Images ohne Wasserzeichen haben will, geht man einfach auf eine Webseite eines Kunden des Dienstes und speichert sich das Bild. Oder man nimmt einfach die Bildersuche von Google oder Bing. Die Bilder von Getty Images waren eben schon überall.

Und deshalb will man nun den Weg gehen und die Bilder kostenfrei anbieten. Man will sich natürlich auch nicht mit Unmassen von Rechtstreitigkeiten herumschlagen und dadurch Personal und Geld binden. Und so wird ein Teil der Bilderdatenbank frei verfügbar sein. Man muss eben „nur“ mit einem vorgegebenen Code die Bilder einbinden.

Tolle Sache, oder? Getty Images ist dafür bekannt, Bilder aus allen Lebensbereichen, für jedes Thema und so weiter und so fort zu haben. Und wenn man die einbinden darf, dann bekommt ein Blogger, der naturgemäß nicht über ein großes Bilderbudget verfügt, gutes bis sehr gutes Bildmaterial für seinen Blog. Aber wo ist der Pferdefuß?

Thomas Gigold, Medienberater und Journalist aus Großkugel zwischen Halle und Leipzig, hat bei „medienrauschen“ auch die Geschichte von Getty Images auseinander genommen. So wird in den Nutzungsbedingungen darauf hingewiesen, dass mit dem eingebauten Anzeigeprogramm – dem Viewer – zum Bild, der im Code mitgeliefert wird, Nutzungsdaten gesammelt werden. Außerdem werden die Daten kommerziell ohne Entschädigung für den Webseitenbetreiber ausgewertet.

Das bedeutet ja im Umkehrschluss: Kostenfrei ist das alles nicht. Es geht auf Kosten des Datenschutzes, dass Getty Images Bilder zur Verfügung stellt. Dem Besucher der Webseite wird dann unerwünscht Werbung angezeigt, für die der Betreiber nicht mal etwas erhält. Und das ist alles äußerst fragwürdig. So sieht das auch Klaus Peukert bei Twitter:

https://twitter.com/klauspeukert/status/441469317679702016

Ich habe ja auch meine Bildquellen. Wenn ich keine eigenen Bilder verwende (das werden aber mit der Zeit mehr), dann greife ich auf die kostenfreie Möglichkeiten der Wikipedia zurück. Dort ist die Bildernutzung klar geregelt, und ich bezahle das nicht mit Nutzer- und Nutzungsdaten. Finde ich dort nichts, greife ich gern auf den wirklich kostenfreien amerikanischen Bilderdienst morguefile.com zurück.

Bisher konnte ich immernoch ein Bild in einen Artikel bauen, wo es angebracht war. Dafür muss ich meinen Lesern keine Datensammlung und keine unnötige Werbung zumuten. Also ist Getty Images für mich nur eher so halb von Interesse. Aber wie sehen Sie das Angebot von Getty Images?

Bildquelle: Ein Fotograf – free picture by pippalou via morguefile.com

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2 Kommentare

  1. Getty ist ja mehr als nur „Bilder“. Wenn es um Zeitgeschichte und ihre Zeugen geht, dann ist Getty ganz vorne dran. Das kann Flickr oder Wikipedia einfach nicht ersetzen. Ausser einem Getty Fotografen hat niemand, zum Beispiel, den Moment fotografiert als Elijah Muhammad Cassius Clay den Name Muhammad Ali gab.

    Und da ist Getty anders: Getty _bezahlt_ Fotografen und hat Festangestellte. Selbst die Print- und Web-Medien stellen heute keine Fotografen mehr ein. NYT hat das „Citizen Corps“ und so weiter, Amateure die Bider via iPhone einstellen. Da gehen eine ganze Menge Sachen verloren wärend Selfies bei den Oscars das meist-getweetete Bild werden.

    Dass eine Firma die, verglichen mit selbst National Geographic in den Staaten oder Geo in Deutschland, deutlich bessere Löhne oder PPC (pay per copy) bezahlt dann Werbung schaltet ist für den Otto Normaldeutschen natürlich (weil der Heilige St. Datenschutz ja im Dogma schon ganz oben steht, Reality Be Damned) ein Problem.

    Persönlich ist’s mir aber lieber daß Getty, statt die Hände hochzunehmen, die weiße Fahne zu schwenken, und (wie Spiegel, Focus, Welt, NYTimes, WaPo, und Andere) zu erklären daß Bilderdiebstahl ein zu großes Problem ist und daher keine Fotografen mehr bezahlt werden, einen anderen Weg versucht.

  2. Pingback: 24/7 – News & Updates aus der Redaktion 03/2014

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