Microsoft und der unverzeihliche Abhörfehler

Ich habe nie etwas wirklich schlechtes über Microsoft geschrieben. Ich habe den Giganten aus dem Nordwesten der USA nie herunter geredet. Ich habe sogar die eine oder andere Lösung von denen gegenüber verheerenden Kritiken verteidigt. Damit ist jetzt aber Schluss. Was Microsoft mit der so genannten Live-ID trieb und treibt, ist unterirdisch, ist verachtenswert, ist Grund genug, sich von dem Konzern mit Sitz in Redmond zu trennen.

Das Microsoft-Konto, zu dem man Zugriff mittels Live-ID erhält, ist integraler Bestandteil aller Dienste von Microsoft. Früher nannte sich das Wallet oder Passport mit verschiedenen Varianten. Mit der Live-ID und damit mit dem Microsoft-Konto habe ich Zugriff auf Dienste wie

  • Emails mittels outlook.com
  • Chat und Internet-Telefonie mittels Skype
  • Zugang zu Support-Möglichkeiten
  • Personalisierung von Windows 8
  • Personalisierung von Windows Phone 8
  • Zugriff auf den Windows App Store
  • Synchronisation mit verschiedensten Email-Diensten
  • Synchronisation der Windows (Phone) 8 Geräte untereinander und mit outlook.com
  • Datentransfer mittels SkyDrive

Microsoft bietet dem Reden nach eine Technologie, die dem Nutzer das Leben vereinfacht. Und dem Nutzer kommt das wirklich so vor. Die Krux bei der Geschichte ist: Bei jedem Klick innerhalb des Microsoft-Kontos sitzt die NSA neben dem Nutzer. Prinzipiell war das irgendwie klar, aber WIE schlimm das alles ist, das musste Microsoft nach einer neuerlichen Veröffentlichung aus dem Bestand des Whistleblowers Edward Snowden gestern zähneknirschend zugeben.

In den Snowden-Informationen ist davon die Rede, dass NSA, FBI und Microsoft eng zusammengearbeitet haben, „um Daten vor der Verschlüsselung einzusammeln“. So schreibt es das IT-Magazin Golem. Es heißt aus den Snowden-Daten, dass outlook.com seit Februar 2013 überwacht wird. Dabei hat die NSA von Microsoft die Möglichkeit geschaffen bekommen, erfolgreich die Verschlüsselung z.B. beim Chat zu umgehen.

Obama hat angeblich das gerichtliche Genehmigungsverfahren als „transparent“ beschrieben. Nehmen wir einmal an, das Adjektiv „transparent“ würde vor dem Wort „Folie“ stehen, dann würde es sich um unsichtbare Folie handeln. Gerade in der IT kennt man aber auch für „Transparenz“ die Beschreibung, dass es sich um Bildelemente handelt, „die die Inhalte darunter befindlicher Elemente ganz oder teilweise sichtbar lassen“, wie die Wikipedia weiß.

Heißt das dann nicht, dass dieses Genehmigungsverfahren, dass Obama so in den Himmel hebt, praktisch nicht sichtbar ist? Dass es so wahrgenommen werden soll, dass andere Dinge wichtiger erscheinen?

Das Schlimme an der Sache ist ja, dass die NSA direkt auf Nutzerdaten und Inhalte zugreifen kann. Und das ohne jegliche rechtliche Grundlage. Und sie greift auch zu, ohne irgendwen zu fragen. Man redet inzwischen davon, dass die Bürgerrechte millionenfach gebrochen wurden, dass das Völkerrecht verletzt ist. Und die amerikanischen Giganten machen alle mit. Und es scheint so, als wäre Microsoft einer der zentralen Anlauf- und Mithörpunkte im Geflecht der NSA.

Mir ist zwar klar, dass andere Hersteller auch „nach Hause telefonieren“ lassen. Aber so schamlos, wie es Microsoft treibt, macht es wohl – außer vielleicht Apple – kein anderer Konzern. So etwas wird wohl viele Nutzer von Microsoft-Diensten und -Produkten verscheuchen.

Microsoft hat einen unverzeihlichen Abhörfehler begangen. Darüber berichtet u.a. auch das ME-Magazin. Ich hoffe, dass sich diese Informationen weit herumsprechen. Microsoft muss knallhart zu spüren bekommen, dass man das nicht macht. Man setzt sich nicht über rechtliche Grenzen hinweg. Angeblich sollen die armen amerikanischen Konzerne gar zu dem Verrat an der eigenen Kundschaft gezwungen worden sein. Entschuldigung, das kann ich nicht glauben. Darum werde ich mir genau überlegen, wobei ich überhaupt noch Microsoft als Hersteller benutzen werde.

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