Beim Krisú habe ich jetzt mal die Frage gelesen, was wäre, wenn die US-Unternehmen wegfielen. Und dann stolpere ich über das Thema Office.eu. Die behaupten von sich, ein ernstzunehmender Konkurrent für Microsoft 365 zu sein. Wirklich? Ist das so? Wie eigentlich immer geht hier nämlich einiges durcheinander. Das kann man auch hier nachlesen. Und ich weiß nicht, wie oft ich es noch rausposaunen soll: Microsoft 365 ist nicht nur ein Office.
Was ist denn jetzt Office.eu wieder?
Sie erzählen von „EU Drive“, „EU Docs“, „EU Spreadsheet“, „EU Presentation“, „EU Calendar“, „EU Talk“ und „EU Email“, und sie berichten auf ihrer Webseite davon, dass Office.eu „für Organisationen und Einzelpersonen überall in Europa“ gemacht wurde. Und sie vergleichen sich mit Google Workspace und – aufpassen – Microsoft 365. Natürlich sind die US-Produkte nach Angaben von Office.eu markiert mit einem „Risiko von fremdem Zugriff“. Aber was heißt das denn?
In ihrer „Story“ geht’s aber vielleicht ab! Es geht um „von der Abhängigkeit zur Autonomie“. Und unzählige Male steht überall im gesamten Web-Angebot, dass das Alles in Europa gehostet wird. Die Business-Formen, die sie ansprechen, sind kleine und mittlere Unternehmen, sowie Nicht-Regierungsorganisationen. Ich frag mal unsere Firmenleitung, ob wir als 15000 starkes Unternehmen dazugehören. Ich mutmaße mal: Nein. Aber wissen kann ich das nicht.
Jedenfalls habe ich gelernt, dass hinter Office.eu wohl Collabora Online steckt, und das basiert auf Libre Office. Das nimmt man ja auch gern her als „Alternative zu Microsoft 365“. Der Anbieter, an den man sich „autonom“ bindet, hat seinen Hauptsitz wohl in Den Haag. Ob die Server auch dort stehen? Keine Ahnung. Man kann das Angebot derzeit nicht buchen. Es läuft wohl auf ein Einladungssystem hinaus. Ob das daran liegt, weil das Angebot noch ziemlich neu ist, kann ich nicht sagen, nehme es aber an.
Was faktisch falsch ist
Jetzt mache ich ja seit Jahren Support im Microsoft-Umfeld. Ich glaube, ich kenne mich ganz gut im Bereich Exchange Server, Exchange Online, Outlook, Teams und Cluster aus. Und wenn ich immer irgendwas von „Microsoft 365“ lese, stellen sich mir die Nackenhaare auf, weil fast immer das falsche Produkt gemeint ist. Das ist nicht nur wichtig in Bezug auf die Erwartungshaltung der Kundschaft, sondern auch was die Preise und den Funktionsumfang betrifft.
Office.eu beeinhaltet Cloudspeicher, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation, Kalender, Instant Messaging und Email. Jetzt gucken wir mal, was sie eventuell ersetzen könnten. „Microsoft 365“ ist es schon mal nicht. Also: Hefte raus, Stift gespitzt.
Office 365 enthält: Word, Excel, PowerPoint, Outlook, Exchange Online, Teams, SharePoint Online, OneNote, OneDrive, Access Datenbanken, Bookings, Forms, Sway für Stories, Power Apps, Power Automate, Planner, ToDo, Viva Engage, Viva Insights, Delve und Clipchamp.
Microsoft 365 enthält: Word, Excel, PowerPoint, Outlook, Exchange Online, Teams, SharePoint Online, OneNote, OneDrive, Access Datenbanken, Bookings, Forms, Sway für Stories, Power Apps, Power Automate, Planner, ToDo, Viva Engage, Viva Insights, Delve, Clipchamp, Listen, Visio, Windows Enterprise, Defender Security, Identity Management, Zugriffsverwaltung, Intune etc.
Das steht alles beim bösen, bösen Microsoft. Jetzt könnt ihr natürlich sagen: Was soll ich denn bitte mit dem ganzen Power-Gedöns, das nutzen doch nur Unternehmen? Aber genau das ist doch der Punkt. Verwendet doch nicht einfach irgendwelche Begriffe, die nicht mal ansatzweise passen. Ja, Office.eu mag, wenn es mal funktioniert, eine Alternative für einfache Anwendungen sein. Für die meisten unserer Kundenunternehmen ist das schlicht viel zu wenig.
Und was ist mit anderen?
Wer Office.eu sagt, muss ja auch andere mal ansprechen. Wie gesagt: Ich habe tagtäglich mit etlichen zum Teil weltweit agierenden Organisationen zu tun. Wenn ich jetzt irgendwas zu sagen hätte, was nicht der Fall ist, müsste ich denen ja eine Alternative zu – Achtung – Microsoft 365 anbieten. Denn Überraschung: DIE NUTZEN DAS WIRKLICH. Und nachdem der Funktionsumfang von Office.eu sehr klein ist, vielleicht haben andere Europäer mehr zu bieten:
- NextCloud: Office-Funktionen wie überall, Cloudspeicher, Identity Management, Security, Flows wie Power Automate, Multimedia, Spiele etc. Das Alles zum Selbsthosten mit – laut Berichten unserer Kunden – überschaubarem Nutzen und erhöhtem Verwaltungsaufwand.
- Schwarz Digits / STACKIT: Speicher-, Rechen- und Netzwerk-Kapazitäten aus Rechenzentren der Schwarz-Gruppe, Cyber Security, Künstliche Intelligenz. Für mich hört sich das wie eine Alternative zu Microsoft Azure oder Amazon Web Services an. Keine Erfahrung unserer Kunden.
- Collabora Online: Reine Office-Anwendung, von der ich auch noch nichts von unseren Kunden gehört habe.
Es geht mir ja nicht darum, das Alles zu verteufeln und Microsoft in den Himmel zu heben. Ich würde mich echt freuen, wenn es wirklich eine taugliche Alternative zu – ach, kommt – Microsoft 365 geben würde. Wenn mir jemand erzählt, dass sie Microsoft 365 mit irgendwas anderem (Ja, ernsthaft, Libre Office war schon dabei) ersetzt haben, frage ich dann immer, womit sie denn die anderen 75% der Anwendungen ersetzt haben.
Microsoft 365 ist bei weitem nicht nur ein Office. Wäre es das, könnte ich mir schon vorstellen, dass Dienste wie Office.eu das Alles ersetzen könnten. Das ist nun aber mal nicht der Fall. Da könnt ihr noch so sehr „Iiiiiih“ schreien, wenn ihr das Wort „Microsoft“ hört, es ist nun halt mal ein Fakt. NextCloud nutze ich privat, das macht sein Ding. Und Office.eu hat – soweit ich das beurteilen kann – nicht mal diesen Umfang. Und da bin ich skeptisch, ob es Microsoft 365 ersetzen kann.



@henning-uhle.eu Ich bin nur wegen der Kommentare hier. *PocpornTütenAufreissGeräusch*
Grüße vom anderen Exchange und WIndows Admin.
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Bis jetzt ist es gar nicht so schlimm. Ich hab vielleicht fundiert genug geschrieben, sodass es nicht ganz so viel Krakeelerei bisher gab.
Aber wart mal, vielleicht müssen wir das triggern mit „Test-ServiceHealth“.
Uff,
da haust Du wieder einen der Artikel raus, für die ich Deinen Blog so liebe. Und ich muss selbst sagen: Auch ohne die „Poweranwendungen“ ist das reine MS-Office ohne 365 für mich immer noch alternativlos. Ich nutze es im freiberuflichen Kontext und habe auch schon mit anderen Anbietern experimentiert. Was nützen Alternativen, wenn die dritte Partei nur Word-Docs akzeptiert und die Alternative dabei Formatierungsfehler macht? Nein, Microsoft baut in letzter Zeit viel Murks. (siehe AI-Slop und der ganze Copilot-Wahn, sowie der Druck in die Cloud) Aber die Basics können sie leider immer noch am besten.
Nur meine Meinung.
Liebe Grüße
Daira
Naja, und wie gesagt: Es ist viel zu viel, was dir da Microsoft mit der vollen Suite namens „Microsoft 365“, was echt viel ist, mitgibt, als dass irgendein Anbieter daher kommt, dir 3 Office-Teile anpreist und sagt: Damit ersetzt du jetzt das plöhte Microsoft 365.
Danke, dass dir mein Blog wegen solcher Artikel gefällt.
Aber Europa braucht so oder so dringend Alternativen zu Microsoft und amerikanischen Clouds. Deshalb ist Office.eu ein guter Anfang. Natürlich ist der Funktionsumfang noch nicht so groß wie bei Microsoft, aber vielleicht wird er noch erweitert.
Ja, Lorenzo, Alternativen sind dringend notwendig. AAAAABBBER: Dass man Office.eu als Alternative zu Microsoft 365 hinstellt, ist halt der Vergleich Äpfel mit Birnen.
Ja, das habe ich verstanden. 👍
Aber es ist erstmal gut, dass es Office.eu gibt.
Dagegen gibt es auch nix zu sagen. Vielfalt belebt das Geschäft. Die Einordnung, wovon es eine Alternative sein will, ist halt falsch.
Ich finde, dass Office.eu eine faire Chance verdient, sich zu entwickeln. Auch wenn es aktuell noch nicht den gleichen Funktionsumfang wie Microsoft 365 hat, ist es wichtig, europäischen Lösungen Zeit und Raum zu geben, sich zu bewähren. Jede neue Plattform bietet die Möglichkeit, auf Feedback zu reagieren und sich zu verbessern. Langfristig könnte das zu einer konkurrenzfähigen Alternative führen, von der letztlich die Nutzer:innen profitieren würden.
Wie gesagt, wem der Umfang reicht: Go for it. Ich weiß es halt nur von unzähligen unserer Kundenfirmen, dass die einmal Blut geleckt haben und nun auf den ganzen Funktionsumfang von Microsoft 365 nicht mehr verzichten wollen.
@henning-uhle.eu joa, aber auch für das gibt es Lösungen mit denen viele zurechtkommen würden:
https://www.heise.de/news/Nextcloud-im-Praxistest-BESSER-als-Teams-c-t-3003-11201042.html
Remote-Antwort
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Aus der Videobeschreibung auf Youtube:
> Denn es gibt wachsenden politischen Druck der Trump-Regierung und der Big-Tech Bosse, denen die EU-Digitalgesetze gegen Hass und Desinformation ein Dorn im Auge sind
Interessant, mit welchem Ausmaß von Gratismut Journalisten (und in diesem Fall Arte) immer wieder „das Narrativ vertreten“ (also lügen), dass erst durch Trump digitale Souveränität notwendig geworden sei. Sie wissen von Snowdens Enthüllungen über die NSA, aber framen es so als wäre *nicht* in Wirklichkeit vollkommen unwichtig, wer im Weißen Haus sitzt.
Ja, genau, das ist mir alles viel zu spooky. Als ob das Problem in Europa zu suchen ist. Ist es halt nicht, und das bleibt komplett unklar. Schade eigentlich.
„Gratismut“ nenne ich es, weil mir das Szenario „Trump stellt bei einer deutschen Staatsanwaltschaft gegen Journalisten Strafanzeige wegen Verleumdung“ eher unwahrscheinlich vorkommt.