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Pallenberg und AdBlock Plus – die Privatfehde um Werbeanzeigen

Man kann Sascha Pallenberg, bekannter Blogger aus dem Ruhrgebiet und mittlerweile tätig in Taipeh, vorwerfen, was man will: Ja, er ist plakativ, er ist polemisch, er überspannt den Bogen. Aber was immer ich von ihm gelesen habe, es war immer ehrlich. Wenn ihm der Kragen platzt, dann donnert er nun einmal mit viel Gebrüll durchs Internet. Wegen dieser Eigenschaft wird er gern auch ausgelacht. Aber irgendwie hat er Recht.

Sascha Pallenberg liefert sich derzeit mit dem Werbeblogger-Anbieter AdBlock Plus eine kleine Privatfehde. Pallenberg unterstellt dem Anbieter Lüge, Intransparenz und mafiöse Strukturen. Und umgekehrt bezeichnet AdBlock Plus den weltbekannten Blogger als Lügner. Und all das wegen der – nun ja – Machenschaften von AdBlock Plus.

Meine eigenen Daten zur Werbung

Transparenznachweis: Adsense-Einnahmen - Screenshot
Transparenznachweis: Adsense-Einnahmen – Screenshot

Zunächst einmal: Ich werde nichts wieder dazu schreiben, was die Nutzung von Werbeblockern auf dieser Seite betrifft. Das müssen Sie schon selbst entscheiden. Ich kann und werde Ihnen das nicht verbieten. Und insofern ist es dann so, dass es vielleicht etwas länger dauert, bis die paar Cent, die da zustande kommen, erzielt sind. Denn wirklich viel ist es tatsächlich nicht.

Wie Sie erkennen (Sie können auch auf das Bild klicken, um es größer zu sehen), bin ich mit dieser Seite alles andere als ein Großverdiener. Ich wollte mit dem Screenshot nur sichergehen, dass wir da nicht von falschen Ideen ausgehen. Anhand des Bildes sehen Sie also, dass ich wirklich nur aus Spaß an der Freude blogge. Wenn etwas mehr Anerkennung kommen würde, wäre das gut, aber zwingen kann ich niemanden. So viel dazu.

Jetzt nehmen wir einmal an, die paar Cents, die mir diese Seite einbringt und die noch nicht einmal die Serverkosten tragen, würden mir durch ein Werbeblocker-Netzwerk wie AdBlock Plus auch noch diktiert werden. Und nehmen wir weiterhin an, ich würde nur “nicht störende Werbung” anzeigen (was auch immer das heißt). Beide Annahmen würden bedeuten, dass die paar Cents noch weniger werden würden.

Aktuelle Anzeige aus Google Analytics - Screenshot
Aktuelle Anzeige aus Google Analytics – Screenshot

Ja, vielleicht interessiert es niemanden, was ich so zusammenschreibe. Die theoretische Möglichkeit besteht ja in der Tat. Aber schauen wir uns einfach meine Besucherzahlen an. Was wurde ich schon beschimpft, weil ich Google Analytics einsetze! Dabei möchte ich doch nur sehen, wie die Tendenz aussieht. Ich möchte wissen, ob meine Inhalte jemanden interessieren. Denn dann kann ich darauf ja reagieren und vielleicht zu dem einen oder anderen Thema einfach mal die Klappe halten.

Über 3600 Besucher im letzten Monat. Das ist doch nicht schlecht für einen popeligen privaten Blogger, oder? Und jeder dieser Besucher hat mir statistisch gesehen 0,1 Cent beschert. So muss man es sehen.

Pallenberg als Sprachrohr

Natürlich ist das bei Sascha Pallenberg etwas völlig anderes. Und deshalb muss er ja auch so ausführlich darüber schreiben. Wenn ein Blogger wie er mit Werbung nicht nur den Blog, den Server, die Informanten etc. bezahlt, sondern auch seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, dann regt der sich natürlich darüber auf, dass ihm ein großes Stück vom Kuchen einfach mal weggenommen wird. Dann gibt es eben keine 3, sondern nur noch 2 Brötchen zum Frühstück.

Wenn dann aber Sascha Pallenberg mitbekommt, dass das dritte Brötchen beim Betreiber von AdBlock Plus auf dem Tisch landet, weil er sich das von einem Werbetreibenden kaufen lassen hat, dann ist es sehr verständlich, dass er zurecht richtig sauer wird. Behauptet dann AdBlock Plus sogar, dass ihm keine Brötchen gekauft wurden, obwohl man das alles nachweisen kann, kann es schon sehr gut passieren, dass dem einen oder anderen dann der Kragen richtig platzt, so wie es Sascha Pallenberg passiert ist.

Jetzt wurde ihm vorgeworfen: “Oh Mann, wenn ich seine Seite (http://www.mobilegeeks.de/) besuche, bekomme ich Augenkrebs vor lauter Werbung, und mein Rchner rennt sich einen Wolf, bis alles geladen ist. Das geht ja nur mit einem Blocker!” – Sorry, aber die Informationen lesen Sie schon ganz gern, oder? Wie die beschafft werden, ist den Lesern dabei völlig egal, oder? Ob da irgendetwas dafür gekauft werden muss, ist egal, oder? Dass aufgrund der vielen Aufrufe (das wesentlich Vielfache meiner Aufrufe) ein bulliger Server mit viel Leistung betrieben werden muss, der auch jede Menge Kosten verursacht, ist egal,oder?

Ja, MobileGeeks ist fürchterlich. Was da alles geladen wird, ist schon der Wahnsinn. Aber wenn sie nicht so viel Werbung verkaufen würden, könnten sie nicht in Vollzeit in hoher Qualität über aktuelle Entwicklungen der Technologie-Welt berichten. Also bitte einmal die Kirche im Dorf lassen.

Pallenberg wirft AdBlock Plus einige fette Brocken um die Ohren (das sind hier übrigens 2 Links). Er bezeichnet die Betreiber als Lügner. Ich würde das Ganze wahrscheinlich diplomatischer ausdrücken. Aber ich würde auch angeben, dass man nicht von der Hand weisen kann, was da Pallenberg herausgefunden hat. Selbst wenn da nur die Hälfte davon stimmt, wäre das ein ganz dicker Klops. Und dann müssten derartige Geschäftsmodelle wie das von AdBlock Plus gründlich untersucht werden und ggf. Konsequenzen erfahren.

Behaltet nur eure Werbeblocker

Nein, mir steht es nicht zu, über die Nutzung von Werbeblockern zu urteilen. Es gibt ja so Bestrebungen, dass Blogger die Besucher aussperren könnten, wenn diese ihre Werbeblocker nicht ausschalten. Das halte ich – mit Verlaub – für Blödsinn. Ein Blogger lebt von seinen Besuchern. Bleiben die weg, weil sie aufgrund von Werbeblockern nicht mehr auf die Seite gelassen werden, dann kommen die niemals wieder. Auf ewig verlorene Leser.

Aber wenn die Werbeblocker aktiv bleiben sollen, muss es eine alternative Finanzierungsmöglichkeit für Webseiten geben. Wenn man nicht die Seele verkaufen will und alle möglichen Links in Lobhudeleien ummünzen möchte, muss einem Blogger dann doch aufgezeigt werden, wie er seinen Blog finanziert.

Bei Sascha Pallenberg habe ich keine Ahnung, womit die Webseite sonst finanziert werden könnte. Bei mir ist es nun einmal der Test mit Paypal und Flattr. Bis jetzt interessiert das noch niemanden, also bleiben die Werbebanner auch an.

AdBlock Plus – (C) MobileGeeks

Also: Behaltet eure Werbebanner. Aber wie soll ein Blog und die dafür aufzuwendende Zeit und alle anderen Mittel finanziert werden? Auf dubiose Werbeblocker-Netzwerke wie AdBlock Plus würde ich auf jeden Fall verzichten wollen. Möchte man unbedingt einen Blocker einsetzen und einem Webseiten-Betreiber unbedingt ein paar Cent an Einnahmen wegnehmen, dann gibt es sicherlich andere Lösungen. Aber tun Sie sich den Gefallen und verzichten auf AdBlock Plus.

Bildquelle: Sascha Pallenberg im Jahr 2012 – By Thomas Schmidt NetAction (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

5 thoughts to “Pallenberg und AdBlock Plus – die Privatfehde um Werbeanzeigen”

  1. Schon ziemlich arrogant wie manche Leute sich das Recht nehmen, gegen OpenSource-Projekte wie Adblock Plus zu hetzen nur weil sie selbst nicht in der Lage sind mit Arbeit Geld zu verdienen.

    Blogger ist für die allermeisten Leute kein Job, keine nachhaltige Form des Auskommens. Pallenberg kapiert das anscheinend nicht und kämpft wie die Verlage mit LSR oder die GEMA bei YouTube gegen die eigene, drohende Irrelevanz.

    Fakt ist: Leute werden zahlen, wenn sie einen Mehrwert bekommen. Aggro-Blogger, die sich als Ego-Marke positionieren und wenig neues zur Debatte beitragen, liefern also auch keinen Mehrwert. Es ist wunderbar, das im Netz jeder publizieren kann. Das ist gelebte Freiheit! Aber es gibt kein Recht auf Bezahlung.

    Wer also vom Bloggen nicht leben kann, sollte sich einen richtigen Job suchen. Wer weiterhin Adblock Plus diskriminert, wird seiner eigenen wirtschaftlichen Existenz auch nicht mehr weiterhelfen und eine Pay-Wall für Blog-Content ist ebenso irrational wie Flattr.

    Flattr ist auch nichts anderes als ein Gatekeeper, also eine Organisation die 30% des Umsatzes nimmt und Leute an sie bindet. Stellt euch vor ihr habt 1000 Abonnenten über Flattr und habt aus irgend einem Grund Stress mit Flattr — seid ihr dann noch in einer ordentlichen Verhandlungsposition? Nein.

    Das selbe für Podcaster, die sich primär über iTunes speisen.

    Warum es keine deutsche Konkurrenz zu Flattr oder iTunes gibt? Weil der Großteil der Leute hier einfach keine Ahnung von Technik und innovativer Produktentwicklung hat. Seid froh, dass zumindest ABP eines der ganz wenigen deutschen OSS-Projekte ist, die international überhaupt relevant sind.

  2. Unglaublich wie sich wieder ein Blogger aufspielt. Ich bin schon seit Ewigkeiten mit Adblock Plus unterwegs und ich gehöre sogar noch zu den ganz schlimmen, die auch den Element Hiding Helper installiert haben. Viele Websites sind ohne Blocker gar nicht wirklich nutzbar. Da gibt es oft mehr Werbung als eigentlicher Inhalt. Wer einen Blog macht, der muss damit rechnen, dass er damit evl. nichts verdient. Es gibt kein Grundrecht auf Einnahmen im Internet. Viele Leute/Unternehmen haben sich halt vergallopiert mit ihren ganzen kostenlosen Inhalten im Internet. Selber schuld. Niemand wurde jemals gezwungen seine Inhalte kostenlos zu veröffentlichen. Sollen diese Blogger doch mal mit richtiger Arbeit Geld verdienen oder Produkte verkaufen. Die meisten Blogs sind total unwichtig, weil x-mal der gleiche Mist durchgekaut wird.

    1. Hallo Rainer,

      klar, die meisten Blogs sind nicht sonderlich relevant. Aber viele Blogs runden das Medienangebot ab. Und wenn es eben mit Werbung nicht klappt, dann muss es anders funktionieren. Ich bin sogar überzeugt, dass man seinen Blog auf andere Art und Weise refinanzieren kann.

      Ich habe mich anfangs auch darüber aufgeregt, dass man Werbeblocker anhat. Aber mittlerweile ist es so, dass ich es eh nicht ändern kann. Soll man doch meine Seite mit Werbeblockern besuchen. Soll man seinen Browser ruhig zurammeln. Dann muss man allerdings auch damit rechnen, dass solche Blogs dann den Blog anders refinanzieren. Nein, nicht mit illegalen Sachen.

      Ich sehe das mittlerweile recht entspannt, was Werbeblocker betrifft. Was ich nicht entspannt sehen würde, wäre die Unterstellung, dass ich Geschwafel von anderen einfach nur wiederkäuen würde. Denn das mache ich nicht. Ich habe meine eigene Meinung und plappere nicht einfach nur nach. Insofern lasse ich mir auch nicht einfach so Irrelevanz nachreden. Wenn das dann für den einen oder anderen ein Grund ist, sich die Werbung anzuschauen, die sich in der PC-Ansicht rechts befindet, ist das in Ordnung. Aber ich kann niemanden dazu zwingen.

      Aber du hast Recht, Pallenberg und einige andere kann man nicht mehr aufrufen, derart viel Werbung wird geladen und derart viele Skripte laufen im Hintergrund. Das heißt aber nicht, dass jeder so ist. Oder sehe ich das falsch?

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