Du kannst sie nicht alle retten, schrieb ich neulich. Und das wird mir erst so richtig durch all das Plattform-Gebrüll überhaupt bewusst. Ich habe mir wegen allerlei Dingen eine Pause auf Mastodon verordnet und gucke mir derzeit Bluesky mal wieder intensiver an. Dort erschrecke ich aber auch vor all den tobsuchtsanfälligen Äußerungen, die ich dort sehen muss. Was ist denn nur auf den Plattformen los? Nein, geschenkt, ich will es gar nicht wissen. Denn es nervt mich einfach nur noch.
Merz ist an allem schuld
Jaja, es ist schlimm, wie es in Deutschland zugeht. Ich hab das ja begriffen. Können wir jetzt mal bitte mit anderen Themen daherkommen? Es muss doch noch etwas anderes als Überspitzungen zur politischen Lage geben, oder? Dieses gesamte Plattform-Gebrüll nervt mich. Vielleicht sollte ich mich von allen Diensten erstmal wieder zurückziehen. Ich hab ja nun oft genug mitbekommen, dass Merz an allem schuld ist. Ach, und die Medien auch. Und wer noch? Ich vielleicht?
Da siehst du so komische Äußerungen wie „Jaja, die AFD ist schlimm, aber hast du mal auf die antisemitischen Linken geguckt?“ oder „Das ist nicht schön mit dem Clan-Chef auf der Wahlparty der Linken, aber die Rechten!1!!elf!“ oder halt „<Person XYZ> ins Zuchthaus“. Alter Falter, ich bin so müde. Sucht euch doch mal ein Hobby. Und da sollst du dich über diese Dienste austauschen wollen? Im Leben nicht. Also ich habe dazu auf alle Fälle keine Lust.
Wozu mich all dieses Plattform-Gebrüll bringt
Seit meiner dunklen Zeit vor ein paar Jahren sehe ich Social Media als keinen essentiellen Bestandteil meines Lebens mehr an. Ich habe eine gute Möglichkeit gefunden, meine Blogartikel auf Bluesky und im Fediverse abzuwerfen. Das passiert automatisch. Und wenn du in all dem Plattform-Gebrüll nur noch Schreckensszenarien, Whataboutism und Relativierungen siehst und immer „die anderen“ schuld sind, suchst du das Weite.
Es macht einfach keinen Spaß mehr. Vielleicht sollte ich es wieder mal komplett lassen. Wenn man so viele Accounts, die sich über andere Dinge austauschen wollen als „Es ist alles so schlimm“ oder „Die Linken“ oder „Die Rechten“, nicht mehr mitbekommt, weil das ganze Geschrei einfach alles übertönt, dann läuft doch irgendwas falsch. All dieses Plattform-Gebrüll führt dazu, dass andere immer stiller werden. Ich hab das doch gesehen bei vielen Accounts, denen ich so folge.
Außer den Brüllaffen – sorry, wenn das manche jetzt wieder aufregt – kriege ich nirgendwo einen Account mit, der mal mit etwas anderem um die Kurve kommt. Die sind zum Teil seit Monaten still. Ich habe nachgesehen. Woran liegt das denn? Ja, das liegt eindeutig an all diesem Plattform-Gebrüll. Und ich glaube, mich bringt das auch dazu, einfach nur still zu sein. Ich meine, was bringt mir das Alles noch? Nichts, außer dass ich all den Rage vielleicht mit in die Nacht nehme.
Aber die Reichweite für den Blog!1!
Es gab mal Zeiten, da waren Zugriffe aus Social Media eine nennenswerte Größe bei meinem Blog. Gerade mal 1% aller Zugriffe kommen aus den Plattformen. Und dafür mache ich den ganzen Mist? Dafür setze ich mich all diesem Plattform-Gebrüll aus? Von ca. 143000 Zugriffen seit der Neuinstallation von Matomo hier im Blog kommen rund 1000 von Mastodon und 110 von Bluesky. 200 obskurerweise von Facebook. Die Netzwerke spielen also keinerlei Rolle hier im Blog.
Reichweite wird überbewertet. Es geht ja auch weniger krawallig. Und selbst Kritik an der vorherrschenden Politik geht anders. Man muss nicht einfach so drauflos brüllen. Man kann es auch leise machen. Aber das geht halt nicht auf den Plattformen. Ich stelle mir da derzeit die Frage, was man denn dort noch soll. Und vielleicht sollte ich dort einfach mal wieder komplett verschwinden, bis sich der aufgewühlte Staub gelegt hat. Es gibt ja auch anderes zu tun.






Ich an Deiner Stelle, mit Deinem schick funktionierenden Blog (ohne jede Häme!), würde in Social Media, auch Bsky, nur noch "stumpf" meine Beiträge hochpusten.
Da hat man Leute, die sich für das Geschriebene auch bei mehr als 300 Zeichen interessieren und nicht zum Großteil verlogene Zombies. ;-)
Ja, mein zentraler Punkt im Internet ist tatsächlich mein Blog. Aber wenn du dich einfach mal austauschen willst, ging das halt jahrelang auch anders. Die Zeiten sind halt vorbei.
"Die Zeiten sind halt vorbei." Damit magst Du wohl richtig liegen. Dazu kommt, dass im Netz immer mehr so eine Art "Wenn sie werden losgelassen…" vorherrscht.
Jeder hat recht, jeder will alles, und das möglichst sofort. "Draußen" ist es, trotz allgemeiner Verrohung, immer noch angenehmer. 🙄
Ja, das stimmt. Und machen würde echt ein wenig frische Luft gut tun. Es ist nicht schlimm, sich mal "Aug in Aug" mit einem gegenüber zu unterhalten.
Aber ja! Social Media & Co können doch kein Ersatz sein. Ergänzung, eigentlich eine schöne, sicher.
Wie früher (Opa erzählt vom Kriech)… tagsüber, od. nach Feierabend kurz in der lokalen "Mailbox"klönen, alle 14 Tage haben sich die "Nerds" dann in Bar oder am Strand getroffen. Hach…😊
Wenn Social Media noch ein Prozent Reichweite bringt, aber neunzig Prozent schlechte Laune, ist die Kosten-Nutzen-Rechnung erstaunlich übersichtlich.
Da ist Rückzug dann sicher keine Niederlage, sondern schlicht vernünftige Medienökonomie. 🦌
Es ist ein Kortisol-Spike, der sich dann in das Gegenteil umkehrt. Zudem sieht man die Menschen nicht. Da erzeugt auf allen Seiten Aggressionen und Dinge, die man sich nicht in das Gesicht sagen würde.
Ich kommuniziere im Internet fast nur mit Leuten, die ich persönlich kenne.
Etwas anderes hat langfristig keinen Sinn.
Natürlich ist Merz an allem nicht schuld, wie wir Grünen auch nicht. Aber ja, Social Media ist wirklich ein ein Graus.
Ja, das ist wohl wahr, Lorenzo. Es muss doch auch irgendwas dazwischen geben. Ich fasse das Alles derzeit echt nicht.