Schleichwerbung: Verschont mich doch damit!

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich möchte gern sehen, was Werbung ist. Wenn irgendein Inhalt nicht als Werbung gekennzeichnet ist, aber solche ist, dann ist das Schleichwerbung. Diese würde gegen den Pressekodex und gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstoßen. Wieso soll ich dann sowas machen? Ich bekomme immer wieder derartige Angebote. Und jetzt ist mir der Kragen geplatzt. Ich werde mal veröffentlichen, was da eintrudelte. Allerdings ohne die Namen dazu.

Bitte um Schleichwerbung

Dear Sir or Madam,
next to being a publsiher ourselves (***Domain entfernt***), we are working for a wide range of clients in Germany.
Some of these clients have also operations in English speaking countries and we support them with SEO.
For that matter I would like to ask whether you accept Guest Posts / Content on your website?
Obviously the content must fit your audience and must be relevant. We work very accurate, so thats definitely a given!
Usually we require a DoFollow Backlink and the post should not be marked as „advertising“.
If this is possible on your site, it would be great if you could send me the conditions.
Thank you very much and I am looking forward to collaborate with you!
Best

Das war jetzt das neueste Beispiel. Aber gleich ein richtig komisches. Ich werde Ihnen mal erzählen, wieso ich das komisch finde:

  • Die Email ist auf Englisch verfasst, aber der Absender ist eine deutsche Firma mit deutschen Kunden. Diese Email schrieb der Absender an einen deutschen Blogger.
  • Außerdem steht auf meine Seite ja oben klar und deutlich mein Name. Wieso dann „Dear Sir or Madam“?
  • Ich soll Gastartikel akzeptieren und das Ganze mit DoFollow versehen und ja die Werbekennzeichnung weglassen.
  • Diese Email wurde von meinem Hoster als Spam klassifiziert.

Der ganze Kram ist schon ziemlich dreist, mein lieber Freund. Auch, weil es nicht um Kooperation (collaborate) geht, sondern auch weil es die plumpe Bitte, ja Aufforderung ist, Schleichwerbung hier zu verbreiten. Womöglich soll ich dann sogar noch froh sein, so etwas machen zu können. Ja kein Honorar verlangen! Nee, Freunde, nicht mit mir. Meine Seite, unter welchen Bedingungen hier geworben werden kann, ist völlig untergegangen, oder?

Schleichwerbung ist unzulässig

Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) schützt Mitbewerber, Verbraucher und die Allgemeinheit vor unfairer Wettbewerbsverzerrung. Dazu gehört eben auch irreführende Werbung. Und laut § 5a UWG ist es irreführend, wenn es unterlassen wird, über den Werbe-Hintergrund zu informieren. Die Richtlinie 2010/13/EU des Europäischen Parlaments definiert Schleichwerbung als Erwähnung von Waren oder Dienstleistungen, die vom Mediendienstanbieter absichtlich zu Werbezwecken vorgenommen wird und die Allgemeinheit darüber irreführen kann.

Es gibt zudem den Rundfunkstaatsvertrag und den deutschen Pressekodex. In beiden ist die Trennung von redaktionellen Inhalten und Veröffentlichungen zu Werbezwecken definiert. Wie kommt dann also jemand, der noch ganz bei Trost ist, auf die selten unsinnige Idee, ich würde hier Werbung laufen und nicht mal Werbung dran schreiben? Wieso soll ich Schleichwerbung machen? Es geht ja nicht nur darum, dass ich strafbewehrte Abmahnungen mit horrenden Kostennoten bekommen könnte. Auch meine Glaubwürdigkeit würde ich aufs Spiel setzen.

Seltsamer Absender

Nebenstehend sehen Sie einen Screenshot zum Twitter-Profil des Absenders. Klicke ich dann auf „Ja, Profil anzeigen“, sehe ich, warum er gesperrt wurde. „Check doch mal…“ und eine Webadresse steht dort. Nicht nur einmal, sondern unzählige Male. Davor machte er über Twitter Werbung für diverse Dienste. Vermutlich wurde er deshalb im Jahr 2016 gesperrt. Seine Firma trat im vergangenen August Twitter bei und hat seitdem nichts veröffentlicht. Eine andere Firma, zu der er zugeordnet ist, hat keine funktionierende Webseite mehr.

Ich könnte jetzt all die Namen verkünden. Da habe ich absolut keinen Schmerz damit. Aber dann würde ich unweigerlich Werbung für diesen Herren und die beiden Firmen laufen. Und das sehe ich gar nicht ein. Je weniger die drei Namen genannt werden, desto weniger werden sie dann im Internet gefunden. Am Ende bleibt das ein seltsamer Absender, der bei mir Schleichwerbung machen wollte. Und das mache ich nicht mit.

Was Sie auch interessieren könnte:

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.