Twitter-Betrug: Bill Gates schickt kein Geld - Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

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Twitter-Betrug: Bill Gates schickt kein Geld

Eine schöne Nummer, dieser Twitter-Betrug, der da gerade in der Lieblingsplattform der Kurzmitteiler stattfindet. Und all das zeigt, wie kaputt Social Media ist. Was man dafür braucht? Ein paar Zugänge zu Twitter selbst, ein Bitcoin-Konto und ein paar möglichst glaubhaft klingende Tweets. Schon rollt der Rubel. Glaubt ihr nicht? Ist aber wirklich passiert. Und zwar so, dass es Twitter bis ins Mark trifft. Das Ganze wird derzeit dergestalt diskutiert, dass mancher sogar das Ende der Plattform herbei orakelt. Nun denn, schauen wir mal.

Welcher Twitter-Betrug? Und was hat Bill Gates damit zu tun?

Kim Kardashian, Warren Buffet, Bill Gates, Barrack Obama und unzählige weitere Nutzer von Twitter ließen Tweets vom Stapel, dass sie nun ihrem Gefolge etwas zurückgeben wollen. Man solle an eine Bitcoin-Adresse einen Betrag schicken, und dieser würde dann verdoppelt werden. Schaut mal, mit solchen Nummern kam man um die Ecke:

So sieht der Twitter-Betrug bei Kim Kardashian aus
So sieht der Twitter-Betrug bei Kim Kardashian aus
Twitter-Betruf bei Apple und Elon Musk
Twitter-Betruf bei Apple und Elon Musk

Die beiden Screenshots stammen einerseits aus der Tarnkappe und andererseits aus Caschys Blog. Und sie zeigen sehr hübsch, was da stundenlang abgelaufen war. Vielerorts liest man vom “Twitter-Hack”. Aber war es das überhaupt? War es nicht vielmehr ganz anders? Vermutungen legen nahe, dass im Kreise der (ehemaligen) Mitarbeiter des Unternehmens ein paar Leute involviert sind oder waren, die sich administrativen Zugriff auf unterschiedlichste Konten verschafften.

Donald Trumps Lieblingsspielzeug wurde also kompromittiert. Das sagt viel darüber aus, dass bei Twitter so einiges falsch laufen muss. Sonst hätte es diesen Twitter-Betrug nicht gegeben. Es ist wohl so, dass es offenbar nur verifizierte Konten betrifft. Also Konten, die einen blauen Haken haben. Und die Konten, die im Verdacht stehen, kompromittiert zu sein, verloren erstmal das Recht, auf Twitter etwas zu veröffentlichen, bis der “Sicherheitsvorfall”, wie es Twitter nennt, aufgeklärt ist.

Wie konnte das denn passieren?

Es ist jetzt nicht so, dass es zum ersten Mal passiert, dass es so ein Leck auf der Plattform gab. Konten konnten schon in der Vergangenheit immer wieder gekapert werden. Aber dieser Twitter-Betrug hat eine neue Dimension. Denn er soll angeblich innerhalb von Twitter stattgefunden haben. Die Betrüger (mancher meint, es seien Hacker) hatten offenbar aus der Administration von Twitter heraus Zugriff auf die Konten. Da musste kein Hacker-Angriff passieren.

Meldungen über den Vorfall zufolge sollen die gefälschten Tweets auch noch ausgerechnet über Accounts abgeschickt worden sein, die mit einem komplexen Passwort und einer Zwei-Faktor-Authentifizierung abgesichert waren. Das mehrt noch mehr die Vermutung, dass die Nummer mit eingeweihten Personen aus dem Unternehmen stattfand. Und ganz ehrlich kann es einem dann niemand verübeln, dass da etliche Fragen aufgeworfen werden.

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Ich habe so viele Fragen zum Twitter-Betrug

Am Ende ist es tatsächlich höchst fragwürdig, wie das Alles passieren konnte. Twitter muss sich höchst unangenehmen Fragen stellen. Social Media hat auch immer etwas mit Vertrauen zu tun. Ich gebe ja meine Daten an die Plattform und hoffe, dass damit kein Unsinn getrieben wird. Natürlich kann man sich die Fragen auch so beantworten wie ein Berliner Abgeordneter der AFD, der die große Verschwörung wittert:

Der Berliner Abgeordnete Harald Laatsch und seine Erklärung zum Twitter-Betrug
Der Berliner Abgeordnete Harald Laatsch und seine Erklärung zum Twitter-Betrug

So kann man alles mögliche zusammen fabulieren. Fakt ist am Ende bei dem Twitter-Betrug, dass durch mangelnde Sorgfalt auf Seiten von Twitter Accounts kompromittiert werden konnten, die dann Geld in Form von Bitcoin erschwindeln wollten. Welche Nachwirkungen das Alles haben wird, werden wir sehen. Es stellt sich nach der Nummer mit LinkedIn oder der Sache mit TikTok ernsthaft die Frage, wie sehr man sozialen Netzwerken überhaupt noch trauen darf.

Ich meine, wir wissen von Unzulänglichkeiten bei Facebook samt Töchtern und von Problemen bei allen möglichen anderen Plattformen. Wie lange wollen wir uns das denn eigentlich noch antun? In der Endkonsequenz darf das eigentlich nur bedeuten, dass wir mal das Leben ohne soziale Netzwerke ausprobieren sollten. Denn irgendwie ist das gewaltig was aus den Fugen geraten, wenn wir uns diesen Tweet vom Twitter Support selbst anschauen:

Ist die Plattform selbst vom Twitter-Betrug betroffen?
Ist die Plattform selbst vom Twitter-Betrug betroffen?

Fazit

Betrug hin oder her, eines steht jedenfalls fest: Niemand sollte die sozialen Netzwerke wichtiger nehmen, als sie wirklich sind. Sie sind nicht DAS Internet. Sie sollten auch nicht unser Leben bestimmen. Auch sonst dürften sie nicht so eine große Rolle spielen. Wir sollten uns dringend davon verabschieden. Mindestens die Accounts auf Eis legen, aber verrammelt, da vielleicht sonstwas mit ihnen geschehen könnte. Wir müssen den Plattformen einfach zeigen, dass sie nichts sind ohne uns Nutzer.

Und wer auch immer die Twitter-Mitarbeiter drangsaliert hat, bei diesem Twitter-Betrug mitzumachen, wünsche ich einen dicken, fetten Furunkel an den Allerwertesten und viel zu kurze Arme. Ich nehme aus der ganzen Nummer jedenfalls mit, dass ich meine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken gnadenlos herunterfahren werde. Und dann werde ich mal sehen, was sonst so passiert. Ich meine, zum Lesen gibt es doch die RSS-Feeds. Dann muss man sich auch nicht mehr Machenschaften wie Social Engineering aussetzen. Wir können also nur gewinnen.

Es bleibt die schlimmste Social Media Katastrophe, die wir uns vorstellen können. Egal, was Gründer Jack Dorsey jetzt behauptet. Denken wir an den orangen Irren im Weißen Haus, der die Welt über Twitter regieren will. Was ihr über diesen Angriff auf den Laden denkt, bleibt euch überlassen. Klar ist aber, dass diese Nummer ernsthafte Konsequenzen für die gesamte Social Media Welt haben dürfte.

Twitter-Betrug: Bill Gates schickt kein Geld - Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay
Twitter-Betrug: Bill Gates schickt kein Geld – Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

5 Kommentare zu „Twitter-Betrug: Bill Gates schickt kein Geld“

  1. Heftig! Aber im Ernst: ich würde auf sowas hin nie Geld irgendwohin überweisen! Ohne Kampagnenwebseite, die “mehr dazu” sagt und mit nachvollziehbaren Daten versehen ist, spende ich nichts.

    “Wir sollten uns dringend davon verabschieden.” – macht ja doch niemand und wer es tut, kehrt häufig bald zurück! Dich hab ich heute auch über Twitter wahrgenommen… :-)

    Bei Twitter richtet sich für mich die Glaubwürdigkeit eines Tweets danach, wie sich der Verfasser im Profil darstellt – ein Link zu einem Blog, das es schon lange gibt, mit ordentlichem Impressum ist auf jeden Fall ok.

    1. Hallo Claudia,

      ja, das war schon eine ziemlich krasse Nummer. Und die dürfte Twitter tatsächlich enorm geschadet haben.

      Ich bin derzeit noch aktiv. Aber du wirst es erleben, dass meine Aktivitäten abnehmen. Ich trage mich ernsthaft mit dem Gedanken, Social Media komplett ruhen zu lassen.

      Ja, das mit der Glaubwürdigkeit ist so eine Sache. Es gibt allerbeste Fake-Profile, die einem nicht als so etwas auffallen. Ich bin mir deshalb nicht sicher, ob man da so viel OKyes findet.

  2. Drei Dinge, die mich schockieren:

    1) Missbrauch der Social-Media wie von Dir eindrucksvoll geschildert

    2) Menschen, die Geld verschicken weil sie an Wunder glauben

    3) Ein Forunkel am A*** und zu kurze Arme

    Punkt 3 finde ich am schlimmsten. Glaub ich…. :-)

    1. Perfekt zusammengefasst. Aber ernsthaft: Das ist schon alles ziemlich übel. Und mich würde es nicht wundern, wenn hier noch mehr bekannt werden sollte. Ich behalte das ganze Thema mal im Auge.

  3. Social Media hat auch immer etwas mit Vertrauen zu tun

    Der war gut.

    Wer sich an sowas Blödem beteiligt, ganz egal, wer da was schreibt, sollte solche schmerzhaften Erfahrungen machen.

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