Verizon kauft sich AOL

Ach, AOL, gibt es dich auch noch? Einst das weltweit größte und beste Unternehmen für Internetzugänge, aber eben seit Jahren auch pleite. Verizon, der Mobilfunkriese aus den USA findet den Konzern aus New York trotzdem interessant und kauft sich mal bei dem gefallenen Engel ein. Das kann man ungewöhnlich finden. Denn was haben Internetzugänge und Mobilfunk denn gemeinsam? Irgendwie einiges, was man so sieht.

AOL macht nicht nur in Internetzugängen. Sie machen auch Online-Medien, Blogs, Infrastruktur-Dienstleistungen. So ist AOL ein wichtiger Anbieter von Glasfaser-Leitungen, wie ich so las. Und das ist für den Mobilfunk interessant, da die Mobilfunk-Zellen ja auch mit Glasfaser verbunden sind. Und zu AOL gehören Blogs wie die Huffington Post, Engadget oder Tech Crunch. Also ein vielfältiges Bild, was sich da bietet.

Verizon kauft sich also Infrastruktur dazu, die beim Netzausbau wichtig ist. Und Verizon übernimmt die verbreitetsten Technik-Blog und das Blog-Imperium Huffington. Damit kann Verizon, übrigens auch aus New York, nicht nur die Netze verstärken, sondern auch Werbung für sich machen. Das kann man – wie gesagt – ungewöhnlich finden. Aber es ist durchaus sinnvoll. Denn starke Technologie und die zugehörige Werbung – und da stehen Engadget und Tech Crunch ganz stark unter Verdacht – sind immer eine gute Idee, um sich gegen die Konkurrenz zu wappnen.

Neben Eigenwerbung und stärkerer Technik könnte aber noch etwas anderes eine Rolle spielen. In den 4,4 Mrd. US-Dollar ist eben auch aol.com enthalten, einer der stärksten Webseiten der Welt mit einem starken Anzeigenmarkt. Das könnte Verizon gut nutzen. Und AOL macht in Video Streaming, was interessant für den Käufer ist. Denn man will einen eigenen Video-Dienst an den Start bringen, ähnlich zu Netflix oder Amazon Prime.

Jedenfalls ist der Kauf des alten Internet-Tankers aus vielerlei Hinsicht sinnvoll für den Mobilfunk-Anbieter. Schließlich macht man nicht mehr nur ausschließlich mit Handy-Verträgen rum, sondern wird Allround-Anbieter. Die besten Beispiele sind da eigentlich die Deutsche Telekom oder Vodafone. Insofern zieht da Verizon nur nach. Bleibt abzuwarten, was dann mit dem alten, ursprünglichen AOL passiert und wie die Blogs positioniert werden.

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